Moers: Die Hälfte soll gehen
VON TOBIAS SCHWERDTFEGER UND CHRISTIAN SCHROEDER - zuletzt aktualisiert: 02.09.2010Moers (RPO). Der vom Niag-Vorstand präsentierte Stellenplan sieht nur noch 26 Verwaltungsmitarbeiter vor. Derzeit sind es 59. Zwar können die Verträge nicht aufgelöst werden, doch fürchtet der Betriebsrat, viele könnten von selbst aufgeben.
Die Bombe ist geplatzt: Die Hälfte der Verwaltungsmitarbeiter der Niederrheinische Verkehrsbetriebe AG (Niag) muss gehen, so sieht es der vom Vorstand präsentierte Stellenplan vor. Von dem Paukenschlag muss sich Harald Winter, Betriebsratsvorsitzender der Niag, erst einmal erholen. 59 Mitarbeiter zählt die Verwaltung der Niag aktuell, 26 sollen es nach den Plänen von Mehrheitseigner Rhenus Veniro bald nur noch sein. Derzeit können die Verträge der Verwaltungsmitarbeiter nicht aufgelöst werden.
Psychischer Druck
Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Jürgen Rieck erklärt: "Wir wissen noch nicht, um wen es genau geht, wir wissen nur, dass es am Ende noch 26 Mitarbeiter sein werden." Dem Betriebsrat werden die Informationen vorenthalten, sagt er. Harald Winter bestätigt: "Erst als die Umsetzung der ersten beiden Personalien schon geschehen war, wurde der Betriebsrat informiert und dazu gehört". Anscheinend baue man darauf, dass der psychische Druck durch die Ungewissheit bei den Mitarbeitern so unerträglich wird, dass sie ihren Job von sich aus aufgeben, meint Rieck fassungslos. "Die Nerven liegen blank", bestätigt er. Einigen Kollegen gehe es wirklich nicht gut. "Menschliche Schicksale interessieren hier überhaupt niemanden", schimpft Rieck.
Rhenus Veniro
Rhenus Veniro in Mainz ist nach eigenen Angaben die einzige inhabergeführte ÖPNV-Gruppe auf dem deutschen Markt. An den verschiedenen Standorten in Deutschland sind etwa 2000 Mitarbeiter beschäftigt
Heike Valentin, Betriebsrätin, sagt: "Wir können den Qualitätsstandard so bestimmt nicht mehr aufrecht erhalten". In Zukunft könnten sich Kunden dann auf die Bearbeitung ihrer Probleme im Callcenter und nicht mehr vor Ort am Empfang an der Homberger Straße einstellen. Im schlimmsten Fall müssten Leistungen extern eingekauft werden, schildert Winter die Lage.
Wesels Landrat Dr. Ansgar Müller macht sich Sorgen um die Niag und deren Mitarbeiter. Allerdings könnten Vertreter des Kreises "nur ihre Meinung" dazu sagen. Die Entscheidung liege aber nun mal beim Mehrheitsaktionär. Rhenus Veniro ist auch Gesellschafter der Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg (VMR). Im Juni kündigten die Mainzer an, das Unternehmen zum 30. Juni 2011 stillzulegen. Die Arbeitsverhältnisse aller bei der "VMR beschäftigten Arbeitnehmer werden zu diesem Zeitpunkt beendet." Rund 160 Mitarbeiter sind betroffen. www.rp-online.de/moers
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




