Moers: Die Kunst auf Reisen
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 12.05.2011Moers (RPO). Der Kunstverein Peschkenhaus präsentiert mit Unterstützung der Rheinischen Post ab Sonntag, in der Moerser Galerie das Gemeinschaftswerk der "Könige" Thomas Baumgärtel, Thitz und M.S. Bastian.
Die Könige fordern den Betrachter ihrer Bilder heraus: Zentimeter für Zentimeter muss er sich die an Farben, Informationen und Details überbordenden Bilder erarbeiten, seinen Blick in Ruhe über die zuweilen verwirrende und komplexe Bildkomposition auf der Leinwand schweifen lassen. In der einen Ecke die Banane, mit der Thomas Baumgärtel Galerien und Museen edelt, dazwischen Comic-Figur Bart Simpson als Maler, an den Rändern die Henkel von Tragetaschen und dazu Tim und Struppi, die durchs Bild flitzen. Damit nicht genug: Die drei Könige Thomas Baumgärtel, Thitz und M.S. Bastian übermalen, collagieren und verändern im Arbeitsprozess bis zu dem Augenblick, in dem einer der drei Künstler von sich aus die Gemeinschaftsarbeit als beendet erklärt. Der Kunstverein Peschkenhaus präsentiert ab Samstag, 15. Mai, das ungewöhnliche Wirken der drei Künstler, die seit zehn Jahren als "Könige der Herzen" eine seltene Form der Zusammenarbeit pflegen. Das Besondere der Arbeiten ist ihre Entstehungsgeschichte selbst.
Königstreffen
Die Ausstellung wird am Sonntag, 15. Mai, 11.30 Uhr eröffnet. Die Arbeiten der "Könige" sind dann bis zum 17. Juli in der Moerser Galerie Peschkenhaus zu sehen. Für Samstag, 25. Juni, ist ein "Königstreffen" mit allen drei Künstler vorgesehen. Die Öffnungszeiten der Galerie sind: Dienstag bis Sonntag, jeweils 14 bis 18 Uhr. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Die Freiheit der Kunst
Kennengelernt haben sich Thitz, Baumgärtel und Bastian über eine Frankfurter Galerie, in der sie vertreten waren. "Und weil wir ähnlich arbeiten, schlug uns der Galerist vor, doch etwas gemeinsam zu machen", erzählt Thomas Baumgärtel gestern bei einer Vorbesichtigung der Ausstellung im Peschkenhaus Moers. Die Zusammenarbeit startete mit Postkarten, die zwischen Köln, Berlin und der Schweiz hin und her geschickt und dann jeweils mit einer neuen künstlerischen Note per Post weiter gereicht wurden. Später gingen größere Bildformate auf Papier und auf Leinwand auf die Reise zu den jeweiligen Aufenthaltsorten der drei "Könige". Das größte Werk ist 4,5 mal 2,5 Meter groß und hängt jetzt im Dachgeschoss des Peschkenhauses. Es ist so groß, dass die rechte obere Ecke des Bildes nicht mehr in die Schräge passt. Thomas Baumgärtel nimmt den Knick mit Humor. Die künstlerische Korrespondenz mit M.S. Bastian und Thitz beschreibt er als ein schönes Erlebnis. "Wir sind eine tolle Gruppe. Es tut gut, sich so etwas einfach mal leisten zu können." Themen geben sich die drei Künstler nicht vor. "Wir sind ganz frei und offen. Meistens gucken wir, was der anderen macht und fügen als Reaktion etwas hinzu." Themenlos sind die Arbeiten aber nicht: Sie setzen sich kritisch, aber auch ironisch mit der Realität auseinander, die die Künstler umgibt: Atomkraft, nach Fukushima höchst aktuell, Globalisierung, Umweltschutz kann man als Themen aus den Bildern herauslesen. Und immer geht es auch um die Freiheit der Kunst.
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