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Moers: Die Talentschmiede

zuletzt aktualisiert: 18.03.2011

Moers (RPO). Cantare sucht die Nachwuchstalente der Region. Nach einem ersten Casting, das nichtöffentlich stattfand, bereiten sich die Sänger auf die erste Mottoshow vor. Das Casting ist Teil des Konzepts Cantare 2020.

Das Casting ist geschafft: 14 Sänger und Sängerinnen fiebern der ersten Mottoshow in der Dorfkirche Repelen entgegen. Dann gilt es, die schönsten Lovesongs aller Zeiten vor Jury und erstmals vor Publikum zu präsentieren. Nein: Moers sucht nicht den Superstar, andere Popstars und gar den X-Factor. Cantare Repelen sucht die Stars seiner Musical-Collection, die bei der Show 2012 als Solisten mitwirken werden. RP-Redakteurin Anja Katzke sprach mit Hermannjosef Roosen, Vocal-Coach von Cantare in Repelen und Stellvertreter der Landeschorleiter im Chorverband Nordrhein-Westfalen, über das spannende Musikprojekt in Moers.

Herr Roosen, haben Sie sich von Castingsshows wie aktuell Deutschland sucht den Superstar zu diesem Projekt animieren lassen?

Roosen Nein, das Casting ist Teil des Konzepts "Cantare 2020", das wir 2007 angeschoben haben. Hintergrund ist die aktuelle Situation der Chöre in unserer Region. Die Mitglieder werden immer älter. Es fehlt der Nachwuchs. Wir sind der Frage nachgegangen, woran es liegt, dass Chöre keinen Zulauf mehr haben, sich gleichzeitig aber 30 000 junge Menschen bei Castingsshows anmelden und damit zeigen, dass sie ja singen wollen. Und das tun sie wohl wissend, dass sie dort oftmals herbe Kritik und rüde Sprüche einstecken müssen. In unseren Chören kann man inzwischen eine Altersschere feststellen, die ab 60 Jahre aufwärts beginnt. Viele Chöre vermögen es nicht, sich darauf einzustellen, dass sich der Geschmack des Publikums geändert hat. Zuhörer um die 50 und 60 stammen aus der Generation der Beatles und haben keinen Bezug mehr zum alten deutschen Liedgut.

Mit dem Casting versuchen Sie also, junge Menschen wieder an Chöre heranzuführen. Was umfasst das Konzept Cantare 2020 denn noch?

Roosen Cantare ist nicht mehr nur ein Frauenchor. Wir verstehen uns als Innovation des vokalen Musizierens. Wir wollen allen Gruppen und Altersschichten Angebote machen, die zu ihnen passen. Musical-Collection, Collegium Vocale und Da Capo sind drei Gruppen, die bereits erfolgreich arbeiten. Für Kinder gibt es Toni im Liedergarten. In Planung ist auch die Gruppe Cantare Kiddis. Und aus dem Casting soll die "New Generation" hervor gehen. Wie Sie vielleicht feststellen, versuchen wir, den Begriff Chor zu vermeiden, weil er auf viele ein wenig angestaubt wirkt. Der Vorstand heißt bei uns Management-Team, das auf kurzen Wegen miteinander arbeitet – ohne irgendeine Vereinsmeierei. Auch davor scheuen heute junge Leute zurück.

Zurück zum Casting. Warum fand eigentlich das erste Treffen nichtöffentlich statt?

Roosen Weil wir uns von Dieter Bohlen und Co. abheben wollen. Alle Teilnehmer sollten die Chance bekommen, sich in einem geschützten Rahmen erstmals gesanglich einer Jury zu präsentieren. Schon zu Beginn des Castingsverfahrens erfahren sie Beratung und Hilfestellung durch die Jury. Die jungen Leute bekommen bei uns nicht ihre Unfähigkeit mit rüden Sprüchen um die Ohren gehauen.

Wie groß war denn die Resonanz auf das Casting in Moers?

Roosen Ganz unterschiedlich. Es haben sich etliche Dusch-Sänger beworben. Es sind aber auch viele Talente dabei, die sich in den Bereichen Gesang, Schauspiel und Tanz beweisen müssen. Unsere Teilnehmer sind zwischen 16 und 44 Jahre alt. Die meisten Sänger kommen aus Moers, Kamp-Lintfort, Neukirchen-Vluyn, Krefeld und Duisburg. In die Mottoshows haben es auch drei Männer geschafft. Es freut mich, dass zwei Sänger/innen von türkischer Herkunft dabei sind. Musik verbindet eben. Wenn wir singen, dann gibt es nur die Musik.

Das Moerser Projekt hat einen erfolgreichen Vorläufer in Mönchengladbach – die Choristocats.

Roosen In Mönchengladbach bei den Choristocats läuft bereits die zweite Staffel. Wir haben dort eine Partnerschaft mit der Stage School in Hamburg. Die Teilnehmer dürfen am Ende des Castings an einem siebentägigen, kostenlosen Workshop teilnehmen. So können sie sich über das Projekt auch für einen Studienplatz qualifizieren. Auch für das Moerser Casting nutzen wir die Verbindung nach Hamburg. Die Dozenten, alle international anerkannte Leute, geben Workshops, in denen sich die Sänger weiter entwickeln können. Gecoacht werden zum Beispiel Mikrofontechnik und Präsentation.

Wie geht es denn jetzt weiter?

Roosen Am Samstag, 9. April, steht in der Dorfkirche in Repelen um 17 Uhr die erste Mottoshow vor Publikum an. Die Teilnehmer singen die schönsten Love-Songs aller Zeiten. Die Zuhörer dürfen sich auf Songs wie Eternal Flame, One Moment in time und Unbreak my heart freuen. Die Jury hat die Songs den Sängern zugeteilt. Wer in die nächste Mottoshow kommt, entscheidet dann das Publikum. Es werden Stimmkarten verteilt, auf denen die Zuschauer die besten zehn Sänger benennen müssen. In der zweiten Mottoshow geht es dann um die Ensemble-Fähigkeit der Teilnehmer. Sie müssen Duette singen. Schließlich geht es dann für vier Sänger um den Einzug in die Band. Mein Traum wäre es, vier verschiedene Stimmfarben zu finden. Wichtig ist es uns, dass kein Sänger auf der Strecke bleibt. Wer nicht weiter kommt, hat die Möglichkeit, bei der Musical-Collection weiter zu proben und an seiner Stimmbildung zu arbeiten. So wollen wir alle auffangen. Wenn alle Sänger Cantare erhalten bleiben, haben wir unser Ziel erreicht.

Bleibt das große Musikprojekt unter dem Dach von Cantare Repelen einmalig?

Roosen Nein, geplant ist, das Casting jedes Jahr zu wiederholen und New Generation neu auszucasten. Wir wollen außerdem eine CD herausbringen. Und ich werde für die Gruppe eigene Titel schreiben.

Quelle: RP

 
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