Neukirchen-Vluyn: Die Treppe zum Himmel
VON ULRICH JOPPICH - zuletzt aktualisiert: 22.06.2007Neukirchen-Vluyn (RPO). Gestern wurde mit der Installation der tonnenschweren Stahlkonstruktion vom Fuß der Halde Norddeutschland an der Geldernschen Straße bis hinauf zum Haldenkopf in einer Höhe von 52 Metern begonnen.
Fast wäre gestern der zweite Versuch, die „Himmelstreppe“ auf der Halde Norddeutschland zu montieren, buchstäblich ins Wasser gefallen. Nachdem es beim ersten Termin am 12. Juni wegen Terminschwierigkeiten bei der Zulieferfirma nicht geklappt hatte, drohte das Projekt gestern wegen sintflutartiger Regenfälle erneut zu scheitern.
Aber die Männer des Speditionsunternehmens Neuhaus aus Bad Oeynhausen sind nicht aus Zucker und ließen sich deshalb durch den Regen nicht von ihrem Vorhaben abhalten.
„Das ist doch spannend“
Luft- und Trendsportler
Die Halde de Norddeutschland wurde vom Regionalverband Ruhr erworben und hat sich mittlerweile zu einem Standort für Luft- und Trendsportler entwickelt. Im Mittelpunkt stehen Gleitschirmfliegen Reiten, Nordic-Walking und Mountainbiken.
Bereits am Mittwochabend hatte Erich Meyer seinen 40-Tonner zur Stahlbau-Firma Heinrich Rohlfing in Stemwede-Niedermehnen (Kreis Minden-Lübbecke) gesteuert und dort zwei etwa sechs Tonnen schwere und 19 Meter langen Teilstücke der Himmelstreppe aufgeladen. Drei Stunden brauchte er für die 210 Kilometer bis zur Halde Norddeutschland. Sein Kollege Bernd Krusebecker stieß später mit einem weiteren Lkw dazu.
Bei strömendem Regen bestanden die Stahlteile die Probe auf Wettertauglichkeit. Mit einem Spezialkran der Duisburger Firma Franz Bracht wurden die riesigen Teile auf die vorbereiteten Fundamente gehievt und dort verschraubt. Dabei musste ein wenig nachgeholfen werden, denn auf den Millimeter genau passten die Teile nicht zusammen.
Ein paar unentwegte Spaziergänger schauten sich das Spektakel an und machten Fotos von der Aktion – unter anderem Reinhard Rosemann aus Rayen. „Das ist doch spannend“, meinte der ehemalige Leiter des Moerser Jugendamts. Spannend wurde es dann aber richtig, als die ersten „Etage“ der 360-stufigen Stahltreppe montiert war und der gesamte Tross jetzt zur nächsten Station in Richtung Haldengipfel aufbrechen musste – einige Schwerlastwagen fuhren den gewundenen Weg sogar rückwärts hoch. „Die Steigung ist für unsere Wagen kein Problem, schließlich leisten die Motoren 410 PS“, so Erich Meyer. Heute geht es weiter.
Das Projekt ist nicht unumstritten. Zahlreiche Anwohner und Bürger der Stadt Neukirchen-Vluyn bezeichnen den Bau der „Himmelstreppe“ mit einem Aufwand von rund 600 000 Euro als pure Verschwendung von Steuergeldern und befürchten, dass die beleuchtete Installation nicht nur Spaziergänger und Wanderer anziehen wird, sondern auch Anziehungspunkt von Jugendlichen sein könnte, die die Treppe als Treffpunkt für Saufgelage oder andere Aktionen machen könnten. Lkw-Fahrer Erich Meyer hatte bei seiner Nacht im Führerhaus des Trucks bereits erste Bekanntschaften gemacht. „Morgens um zwei Uhr bin ich geweckt worden, als Jugendliche über meinen Wagen liefen.“
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