Moers: Ehedrama endet tödlich
VON CHRISTIAN SCHROEDER - zuletzt aktualisiert: 14.01.2010Moers (RPO). Eine 67-jährige Frau hat offenbar ihren 71 Jahre alten Ehemann im gemeinsamen Haus in Kapellen mit fünf Messerstichen getötet. Ihr eigener Suizidversuch scheiterte. Der Staatsanwalt bereitet den Haftbefehl vor.
Die Ziffern, die die Sternsinger vor einer Woche mit Kreide über die Haustür geschrieben haben, bedeuten "Christus, segne dieses Haus". Aber am Dienstag ist Schreckliches in dem Einfamilienhaus in Kapellen geschehen: Die 67-Ehefrau soll ihren 71 Jahre alten Mann mit zahlreichen Stichen getötet haben. Sie selbst versuchte danach offenbar, sich selbst umzubringen.
Sie hatte selbst etliche Schnittverletzungen und stand unter Tabletteneinwirkung, als die Polizisten vorgestern zum Tatort kamen. Die mutmaßliche Täterin überlebte jedoch. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht, wo sie auch gestern noch war.
Verblutet
Die gestern durchgeführte Obduktion des 71-jährigen Mannes ergab, dass er nach fünf Messerstichen in die Brust innerlich verblutet ist. Die Staatsanwaltschaft Kleve – Zweigstelle Moers – prüfte gestern noch die Beantragung eines Haftbefehls gegen die 67-jährige Ehefrau des Verstorbenen.
Die Mordkommission, die die Ermittlungen übernommen hat, geht von einer Beziehungstat aus. Das Drama ereignete sich offenbar Dienstagnachmittag. Die 67-Jährige selbst soll unmittelbar nach der Bluttat einen Bekannten darüber informiert haben. Dieser habe dann die Polizei alarmiert. Die Beamten fanden den 71-Jährigen tot in der Wohnung, die Frau verletzt und benommen.
Motiv unklar
Bis hierher scheint der Ablauf recht klar zu sein. Rätsel gibt aber das Motiv auf. Nichts, aber auch gar nichts habe auf Streitigkeiten zwischen den Eheleuten hingedeutet, sagt ein Nachbar. "Am Montagabend, als es zu schneien begonnen hatte, habe ich sie noch draußen auf der Straße getroffen, wir haben ein paar Worte gewechselt", erzählt der völlig schockierte frühere Ratsherr. "Sie wirkte völlig normal, wie immer."
Das Ehepaar wird von den Nachbarn als "nette Leute" beschrieben. Die Siedlung liegt in einer ruhigen Straße mitten in Kapellen. Fast ausnahmslos Einfamilienhäuser stehen dort. Viele Bewohner leben schon lange in der Straße. So ist eine recht enge Nachbarschaft entstanden. Jeder kennt jeden. "Wir haben Geburtstage und andere Feste zusammen gefeiert", berichtet der Nachbar.
Als er vorgestern aus dem Fenster blickte und einen Polizisten vor dem Haus sah, habe er sich noch nichts Schlimmes gedacht. Doch als immer mehr Beamte auftauchten und zuletzt auch Spurensicherer in weißen Anzügen, habe er Übles geahnt. Was wirklich passiert ist, hätten alle dann erst gestern erfahren. "Wir sind alle fix und fertig", gibt er zu.
Bis auf das Polizeisiegel über dem Haustürschloss deutete gestern nichts mehr auf das Verbrechen hin. Die Rollläden sind herunter gelassen, alles wirkt ruhig und friedlich. Am Klingelschild ist noch der Name des Sohnes verzeichnet, der aber seit einiger Zeit nicht mehr in dem Haus wohnen soll. Das Ehepaar hat außerdem noch eine Tochter.
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