Rheurdt: Ein Biobäcker als Mutmacher
VON ANDREAS CÜPPERS - zuletzt aktualisiert: 11.05.2007Rheurdt (RPO). Andreas Schomaker gehört zu drei Mittelständlern, die beim Wettbewerb „Mutmacher der Nation“ um den Landessieg kämpfen. Die Bäckerei seines Vaters hat er nach dessen plötzlichem Tod erfolgreich auf Bio umgestellt.
Welches Brot er Ende November mit nach Berlin nimmt, hat sich Andreas Schomaker noch nicht überlegt. „Da werde ich mir aber schon was ausdenken“, verspricht der Biobäcker aus Rheurdt. Schließlich bietet sich ihm in der Hauptstadt die Gelegenheit, seine Spezialitäten bekannten Herrschaften wie Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff oder Designerin Jette Joop anzubieten. So weit ist es aber noch nicht.
Damit Schomaker nach Berlin fahren darf, muss er erst einmal Landessieger im Wettbewerb „Mutmacher der Nation“ werden. Unter den besten drei in Nordrhein-Westfalen ist der 47-Jährige aber schon. „Damit hätte ich nicht gerechnet“, sagt Schomaker. Er hatte sich auf gut Glück bei der bundesweiten Mittelstands-Initiative von „Das Örtliche“ beworben.
20 000 Euro für Sieger
Aktion Seit vier Jahren suchen Das Örtliche, der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken und das Wirtschaftsmagazin „Impulse“ unter Mittelständlern (weniger als 500 Beschäftigte) die „Mutmacher der Nation“.
Schirmherren Christian Wulff und Professor Lothar Späth
Preise Die Landessieger erhalten 1000 Euro, der „Mutmacher“ erhält 20 000 Euro, der Zweitplatzierte 10 000 Euro und der Dritte 5 000 Euro.
Der Betrieb brummt
Er erfüllte die Anforderungen: mutiger Mittelständler, der sich von anfänglichen Problemen nicht unterkriegen ließ. Als er 26 Jahre alt war, starb sein Vater. Schomaker stand vor der schweren Aufgabe, dessen Bäckerei weiterzuführen. Umsatz und Erträge waren nicht gut. Schomaker entschied, die konventionelle Bäckerei auf Bio umzustellen. „Meine Mutter war dagegen, deswegen haben wir am Anfang nur die Hälfte umgestellt“, erzählt Schomaker.
Die Umstellung lief nicht ohne Probleme ab. Die Hausbank verweigerte Kredite, die Bürgschaftsbank sprang ein. Zudem bot er seinen Kunden an, Genussrechte zu erwerben und so am Erfolg des Unternehmens teilzuhaben. Die Kundschaft biss an. Dabei stieß Schomaker mit der Umstellung auf Bio anfangs bei der Stammkundschaft auf Skepsis. „Vor dem Laden haben sich Kunden sogar gestritten, weil einige meinten, man könne doch nicht bei dem Öko-Fritzen einkaufen“, erzählt Schomaker.
Heute kann er über solche Geschichten schmunzeln. Schließlich hat er sich durchgesetzt – als reiner Biobäcker. Seine Kunden kommen längst nicht mehr nur aus Rheurdt, sondern aus Aachen, Duisburg, Düsseldorf oder Kleve. Schomaker hat Filialen in Moers, Duisburg und Krefeld. Seine Brote werden an Großbäckereien in den Niederlanden verkauft. Der Betrieb brummt. 60 Mitarbeiter beschäftigt Schomaker inzwischen, händeringend sucht er qualifiziertes Personal. „Wir stellen noch in Handarbeit her“, sagt er nicht ohne Stolz. Vor dem Wochenende sind es locker 5000 Brote, die am Tag gebacken werden müssen.
Schomakers Konzept ist sogar in Japan erfolgreich. Ein ehemaliger japanischer Praktikant von Schomaker hat unter seinem Namen vor zwei Jahren eine Bio-Bäckerei in Tokio eröffnet – mit den Rezepten aus Rheurdt. „Er kommt mit der Produktion kaum nach“, weiß Schomaker.
Demnächst will er seinen früheren Praktikanten mal besuchen. Vorher will er aber am liebsten noch nach Berlin.
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