Moers: Ein Festival für alle
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 22.05.2010Moers (RPO). Im Zelt spielt die Musik, draußen tobt das Festivalleben: 100 Händler haben ihre Stände aufgebaut. Eine Cocktailbar steht gleich am See. Und auch die Camper sind schon da. Gestern Abend ist das 39. Moers Festival gestartet.
Abdou Medaissi sitzt gestriegelt und geschniegelt auf dem Hocker vor seinem Eiswagen: "Von mir aus kann es losgehen", sagt er gelassen, während der Händler gegenüber gerade erst seinen Stand einräumt. Überall wird noch gewerkelt: Hier eine Palme für die Cocktailbar, die vom diesjährigen Caterer Kersten aus Duisburg betrieben wird, dort eine Ladung Brötchen für den Imbiss. Es ist Mittag, und auf dem Festivalgelände herrscht irgendwie Ruhe vor dem Sturm.
Medaissi freut sich: "Die ersten haben schon ein Eis gekauft." Seit 30 Jahren steht der Bonner mit seinem Eiswagen auf dem Markt der Händler. Und er kommt jedes Jahr gerne wieder: "Es macht mir Spaß. Die Besucher sind richtig nett und die Camper ganz lieb", berichtet der Eismann, der sich auf sonnige Tage eingerichtet hat. "Und außerdem mag ich New Jazz", begründet er, warum er zu Pfingsten immer nach Moers kommt, und rückt die weiße Kappe auf dem Kopf zurecht.
Programm heute
Heute startet das Programm im Festivalzelt um 15 Uhr. Mit dabei sind "Super Seaweed Sex Scandal, Sanne van Hek, Carlo Mombelli & The Prisoners of Strange, Seve Lehman Octet, Bill Frisell mit Eyvind Kang und Rudy Royston sowie Dobet Gnahoré.
Aus ganz Deutschland, sogar aus Frankreich, kommen die Händler mit ihrem Waren nach Moers: Es gibt jede Menge Schmuckstände, Bekleidung in Stoff und Leder und ganz viel Schnickschnack, alles also was ein Camper gebrauchen kann. Keinen weiten Weg nach Moers hatte Svenja Blondin: "Wir kommen aus Krefeld", erzählt sie und ist schon gespannt, wie die Besucher auf ihr Angebot reagieren: "In den letzten vier Jahren haben wir ausschließlich Bio-Schmuck angeboten. Das ist zum Beispiel Acai-Samen, eine Frucht, die vom Amazonas stammt. Dieses Mal haben wir zum ersten Mal Textilien aus Indien dabei", berichtet die Händlerin.
Auftakt mit Terje Rypdal
Das Moers Festival kennt Svenja Blondin gut: "Als Jugendliche haben wir das Festival selbst besucht", erzählt sie. "Hier ist ein richtig nettes Publikum, das sich aber in den letzten Jahren verändert hat: Früher sah man nur Hippies, heute sind die Leute eher punkig." Der Händlermarkt, der sich am See entlang schlängelt, lockt Jahr für Jahr Tausende von Besuchern an – mit und ohne Festivalticket. Vor allem viele Moerser nutzen Pfingsten die Gelegenheit, ein bisschen Festivalluft zu schnuppern. Das wissen auch die Mitarbeiter am Imbisswagen von Fritz Event: 1600 Brötchen warten dort darauf, für die Würstchen gehälftet zu werden. Auch an diesem Marktstand ist man zufrieden: "Der Umsatz ist gut, und die Besucher sind sehr entspannt." Ralf Worgul, Geschäftsführer der Moers Kultur GmbH, ist überzeugt: "Das Wetter wird am Wochenende gut, so dass sich noch mehr Händler auf den Weg machen." Platz war gestern morgen auf jeden Fall. Im Festivalzelt selbst ging es gestern Abend mit Terje Rypdal los, der die Bergen Big Band aus Norwegen mit nach Moers brachte.
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