Kamp-Lintfort: Ein lächelnder Jesus
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 15.10.2010Kamp-Lintfort (RPO). Das Museum Kloster Kamp zeigt ab Samstag die Arbeiten der Duisburger Künstlerin Sabine Schlossmacher. Die Fotografin setzt sich auf mystische Weise mit ihrer Lebenswelt auseinander. Die Bilder regen zum Nachdenken an.
Sabine Schlossmacher ist kein religiöser Mensch. "Als ich jedoch bei meinem ersten Besuch auf dem Kamper Berg plötzlich vor der Jesus-Figur stand, hatte ich das Bedürfnis, mich zu bekreuzigen", erzählt die Künstlerin. Ein paar Tage später kehrte sie mit der Kamera zurück. "Ich hatte bis dahin keine Schnitzerei gesehen, auf der Jesus so entspannt lächelt. Mich faszinierte sein Gesicht, das so gar keine Angst vor dem Tod zeigt." In der neuen Ausstellung im Museum Kloster Kamp präsentiert Sabine Schlossmacher ab Samstag die künstlerische Bearbeitung ihrer Begegnung mit dem Glauben.
In Fesseln gelegt
Die Künstlerin hat eine Installation geschaffen, die voller Leichtigkeit ist, obwohl sie Jesus am Kreuz zeigt: Sie besteht aus zwei übereinander gelegte Fotografien. Das lächelnde Gesicht Jesu wird von einer zweiten Fotografie, einer Sonne im Nebel, überlagert. Das so neu entstandene Bild ist auf Leinen gedruckt und scheint frei schwebend an einem Schwemmholz befestigt. Die Leichtigkeit hat Sabine Schlossmacher jedoch in Fesseln gelegt. Eine Kette und ein Stein sind am Schwemmholz befestigt.
Die Arbeiten der Duisburger Fotografin bestechen oft durch ihren mystischen, zum Teil auch morbiden Charme und Ausdruck. Sabine Schlossmacher setzt sich in ihrer Arbeit kritisch mit dem Umgang der Menschen mit ihrer Umwelt, der Religion und der Politik auseinander. Deutlich wird dies vor allem in dem Bild, dem sie den Titel "The Wall" gegeben hat. Die Fotografie zeigt ein zugemauertes und vergittertes Fenster, in das sie das Gesicht Christi eingearbeitet hat: "Es wirkt wie gefangen und festgehalten", sagt Sabine Schlossmacher, für die die Mauer ein Synonym für Folter und Ungerechtigkeit ist. "Man kann so vieles in das Bild hinein interpretieren. Es steht auch für Menschen, die sich der Religion verschließen."
Die Duisburger Künstlerin befasst sich in ihrem Schaffen auch mit Zukunftsvisionen. Eine der Arbeiten ist anlässlich des Wettbewerbs "Europa in der Zukunft" entstanden. Schlossmacher thematisiert die Überbevölkerung im Jahr 2150. "Die Erde wird zur Hölle, der Himmel ist das Leben", beschreibt sie ihre Vision, für die sie eine Art Guckkasten geschaffen hat. Der Kasten ist ein Tiersarg. An der inwendigen Rückseite zeigt das Foto grüne Container, die durch das Weltall fliegen. "Die Container sind die Gräber von 30 000 Menschen. Auf der Erde gibt es keinen Platz mehr für die Toten." Die Ausstellung im Museum Kloster Kamp zeigt Fotografien, die auf Leinen gedruckt sind und in ihrer Wirkung wie Gemälde wirken – auch das Geisterschiff, für das sich Schlossmacher eine ungewöhnliche Rahmenkonstruktion ausgedacht hat. Es handelt sich um ein Gestell, das wie ein Schiffsbug aussieht.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




