Moers: Ein Moerser Modell
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 27.02.2009Moers (RPO). Im September startete der Bunte Tisch ein Pilotprojekt, das vom Land und der evangelischen Kirche unterstützt wird: Migranten-Eltern und Studenten helfen Migranten-Kindern bei den Hausaufgaben. Und es funktioniert.
Joseph stammt aus Kamerun. Er studiert in Deutschland Informatik und Mathematik. In seiner afrikanischen Heimat hatte er bereits eine Nachhilfeschule gegründet. Jetzt hilft er beim Bunten Tisch Kindern, die selber oder deren Eltern aus dem Libanon, aus Kasachstan oder Togo stammen. Auch befreundete deutsche Kinder aus der Nachbarschaft machen mit. Joseph hilft ihnen vor allem bei den Mathe-Aufgaben oder wenn gewünscht, bei Französisch. Im Moment sind aber Prozentrechnung und Winkelberechnung mehr gefragt.
Das neue Projekt betreut die Soziologin Dr. Rebecca Müller. Wenn sie über ihr Pilotprojekt erzählt, klingt berechtigter Stolz mit, dass sich alles bisher so gut anließ. Mit dem spröden Titel "Intergenerative Kompetenzförderung im schulischen Kontext" gelang es dem Bunten Tisch, immerhin für das gesamte Jahr eine finanzielle Förderung vom Laschet-Ministerium für Integration und von der Beratungsstelle Flucht und Migration der evangelischen Kirchengemeinden in Moers zu erhalten.
Arabischkursus
Der Bunte Tisch lädt zu einem ersten Informationstreffen zum Arabisch-Kursus am Dienstag, 10. März, um 19 Uhr in die Kornstraße 3 ein. Anlässlich des Internationalen Frauentags veranstaltet der Bunte Tisch Moers am Samstag, 7. März, die Abschlussveranstaltung zum Thema Frauenmäntel: in den Räumen des Bunten Tisches in der Zeit von 15.30 bis 17.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
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Das Konzept, das in Moers ausprobiert wird, ist bisher völlig einmalig. Es geht davon aus, dass viele Migranten, Asylbewerber und ausländische Studenten ihre Kompetenzen, die sie aus ihrer Heimat mitbringen, vor Ort nicht einsetzen können oder dürfen. Examina werden nicht anerkannt, die sprachlichen Hürden lassen eine Arbeit nicht zu – warum auch immer. Die Kinder erleben ihre Eltern plötzlich in anderen Zusammenhängen. Die Lehrerin jobbt in der neuen Heimat an der Supermarktkasse, der Ingenieur arbeitet an der Tankstelle. Die Hausaufgabenhilfe soll versuchen, diese Zwangsläufigkeiten zu durchbrechen. Zwar könnten mehr Eltern teilnehmen, nur die meisten müssen nachmittags arbeiten oder den kleineren Nachwuchs hüten. Aber dafür ist etwas anderes Interessantes zu beobachten. Die Großeltern-Generation begleitet die Enkel zum Bunten Tisch. Und so ganz nebenbei lernt eine Analphabetin Schreiben oder Rechnen.
Aus diesem Grunde soll bald im Bunten Tisch ein Arabisch-Sprachkursus angeboten werden, weil viele, die Arabisch sprechen, nicht alphabetisiert sind.
Auch die deutsche Maschinenbau-Studentin Sarah und der türkische BWL-Student Yilmaz gehören zum Team, das von Dienstag bis Donnerstag nachmittags bei den Hausaufgaben hilft. Die Kinder stammen weitgehend aus den fünften bis achten Klassen, viele kommen aus dem MaJo, Meerbeck, aber auch Scherpenberg. Die Studenten sind Honorarkräfte oder helfen ehrenamtlich mit. Rebecca Müller wünscht sich aktuell, dass sich noch der ein oder andere pensionierte Lehrer mit in das Projekt einbringt. So könnte stärker auf pädagogische Aspekte geachtet werden.
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