Moers: Eine Gilde für die Bestattung
VON ULRICH JOPPICH - zuletzt aktualisiert: 16.09.2008Moers (RPO). Die „Totensargladegesellchaft Neukirchen“ wurde 1693 gegründet und hilft seitdem ihren Mitgliedern beim Eintreten eines Sterbefalles. Finanziert werden die Sterbegelder durch Landverpachtung. Der im vergangenen Jahr verstorbene Peter Mevissen war 33 Jahre lang Gildemeister.
Nächstes Treffen
Der Vorstand der Gilde wird auf drei Jahre gewählt. Bei den Treffen, die seit geraumer Zeit jeweils am dritten Donnerstag nach Allerheiligen stattfinden, wird die Höhe des Sterbegeldes neu festgelegt. Das nächste Treffen der Gilde findet statt am Donnerstag, 20. November, 19 Uhr in der Gaststätte Mevissen.
neukirchen Im Verborgenen blühte jahrzehntelang die „Totensargladegesellchaft Neukirchen“, die bereits 1693 gegründet wurde und den Zweck hatte, bedürftigen Menschen die Bestattung zu ermöglichen. Die Gründung der Gilde geht zurück auf die Stiftung einer wohlhabenden älteren Dame, die 50 Haus-Eigentümern, die sie als unterstützungswürdig ansah, einen kleinen Wald stiftete. Aus dem Holz der Bäume sollten für die 50 Hauseigentümer und deren Angehörigen im Todesfall Särge gezimmert werden. Später wurde auch das Totenhemd von den Eträgen des Waldes finanziert.
„Die Bestimmungen der Gilde wurden 1828 von den Deputierten formuliert und aufgeschrieben“, berichtete der heutige Gildemeister Hans-Peter Burs, der gemeinsam mit seinem Stellvertreter Dieter Pannen und Schriftführer Hans W. Cremmer über die Geschichte der Gilde erzählte. In einer alten Holzkiste mit der Aufschrift „Toten-Särge-Lade Neukirchen 1840“, die im Safe der Sparkasse sicher deponiert ist, bewahrt die Gilde noch alte Rechnungsbücher auf. Früher stand die Kiste in der Dorfkneipe, in der sich nach der Kirmes in Neukirchen Vorstand und Pächter zu Besprechung und Umtrunk trafen.
Bekannte Namen
Die Statuten aus dem Jahr 1828 sind beim Einmarsch der Amerikaner 1945 verschwunden. Dennoch ist die Gilde auch heute noch aktiv. Als eingetragener Verein hat sie 17 Mitglieder. Vier bis fünf Hektar Land werden in Rheurdt und Kengen an Landwirte und Jäger verpachtet. Aus dem Erlös werden heute keine Särge gezimmert, sondern für die Mitglieder der Gilde gibt es ein Sterbegeld – 450 Euro für erwachsene Tote, 200 für Minderjährige. Bekannte Gildemeister waren unter anderem Heinrich Giesen, Wilhelm Hasenrahm und Reinhard Kersken. Am längsten im Amt war Peter Mevissen, vor einem Jahr verstorbener Inhaber der weithin bekannten Metzgerei im Dorf Neukirchen. Er hat das Amt des Gildemeisters von 1975 bis 2007, also 33 Jahre ununterbrochen, ausgeübt. Von 1974 bis 1975 war er zweiter Gildemeister.
„Mevissen hat das Amt stets mit Freude, Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt ausgeübt. Seine besonderen Kenntnisse der lokalen Verhältnisse und der überlieferten Sitten und Gebräuche haben ihn dazu prädestiniert“, so der heutige Gildemeister Hans-Peter Burs. Stets habe er darauf geachtet, dass die Traditionen gewahrt wurden und die Gilde im Sinne ihrer satzungsmäßigen Aufgaben geführt. „Er wäre sonst sicherlich in all den Jahren stets in seinem Amt bestätigt worden“, betonte Burs. Gemeinsam mit Dieter Pannen und Hans W. Cremmer fühle er sich verpflichtet, die Gilde ganz im Sinne von Peter Mevissen weiter zu führen.
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