Moers: Eine lohnende Reise
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 09.01.2009Moers (RPO). Der junge Musiker und Komponist Simon Rummel tritt am 1. Februar die Nachfolge von Angelika Niescier als Stadtmusiker an: Der nachdenklich wirkende Künstler wird mit einem anderen musikalischen Ansatz überraschen.
Simon Rummel überlegt, bevor er spricht. Das, was ihn in der Musik bewegt und antreibt, will er, so scheint es, mit wohl bedachten Worten vermitteln. Der neue Stadtmusiker ist ein vollkommen anderer Charakter als seine lebhafte Vorgängerin, die Saxophonistin Angelika Niescier. Und das ist genau so gewollt. Reiner Michalke, künstlerischer Leiter des Moers Festivals, hat einen Künstler in die Grafenstadt eingeladen, der einen anderen Ansatz hat und eine neue Facette in der Vermittlung der improvisierten Musik anbieten wird. Am 1. Februar, 12 Uhr, ist sein „Dienstbeginn“ im Studio des Schlosstheaters.
Simon Rummel, Jahrgang 1978, wurde in Trier geboren. Dort war er seit dem achten Lebensjahr Sängerknabe. „Das war für mich eine sehr prägende Erfahrung. Ich habe früh die Möglichkeit erhalten, die Musik zu lesen.“ Er nahm Klavier-, Orgel- und Geigen-Unterricht, bis er dann 1999 ein Studium an der Musikhochschule Köln beim Jazzpianisten John Taylor aufnahm.
Vita
Simon Rummel war Organist und Kantor sowie Chorleiter und Band-Coach an der offenen Jazzhausschule Köln. 2003 gründete er das Kammerensemble „Fantasmofonika“, das sich an die Bearbeitung Volksliedgut genauso heranwagt wie an kammermusikalischen Jazz. 2003 erhielt das Ensemble ein Auszeichnung beim Festival „Jazz-art“. 2005 wurde ein Blockflötenkonzert von Simon Rummel durch die Bochumer Sinfoniker uraufgeführt. Der Komponist versteht sich als Klangforscher.
Musik im öffentlichen Raum
Rummel war Schüler von Hans Lüdemann (Jazzklavier), Paulo Alvares (Improvisation) und Johannes Fritsch (Komposition). Dort hat er gelernt, dass „Jazz nur ein umständliches Vehikel“ sei, um seine Ideen zu verwirklichen. „Das Jazz-Studium war eine Eintrittskarte, um alle Angeboten der Hochschule wahrzunehmen“, erzählte er gestern bei seiner Vorstellung in dem Haus an der Kleinen Allee, in das er am 1. Februar einziehen wird. Das Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf nahm er auf, um das künstlerische Schaffen aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Seither versucht er, sparten-übergreifend zu arbeiten und manche Verfahren in die Musik zu übertragen. Ein Aspekt seiner Arbeit ist die Forschung an der Schnittstelle von Partitur und Zeichnung sowie Grafik. Rummel baut auch seine Instrumente selbst. In die Grafenstadt bringt er so genannte Ratschen in unterschiedlicher Größe mit. Es handelt sich sozusagen um Klappern, die in manchen Regionen zu Karfreitag ertönen. Der junge Musiker interessiert sich für die Musik im öffentlichen Raum. In Köln hat er 2007/08 Orte unter die Lupe genommen und festgestellt, dass viele rund sind und als Bühne genutzt werden können. Er baute für diese Orte Pavillons und lud 14 Musiker ein, dort zu improvisieren. Er zeichnete die Konzert auf, transkribierte sie und schrieb auf deren Grundlage neue Stücke.
In Moers freut sich Rummel, der bereits in den unterschiedlichsten Rollen an Theatern gearbeitet hat, zum Beispiel als Bühnenmusiker, besonders auf die Zusammenarbeit mit dem Schlosstheater. Auch zu den Moersern will er den direkten Kontakt suchen und mit ihnen über das Unerwartete, das Überraschende sprechen. „Ich möchte zeigen, das jeder improvisiert.“ Was ihn motiviert hat, die Aufgabe des Stadtmusiker zu übernehmen? „Ich habe es noch nie gemacht. Das war mein Anreiz. Ich habe das Gefühl, die Reise wird sich lohnen.“
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