Neukirchen-Vluyn: "Einer der schönsten Berufe"
zuletzt aktualisiert: 12.10.2009Neukirchen-Vluyn (RPO). Bernd Böing beendet am 20. Oktober offiziell seinen Dienst als Bürgermeister der Stadt Neukirchen-Vluyn. Ein Rückblick auf die zehnjährige Amtszeit: Die Begegnungen mit dem Menschen haben ihm in all den Jahren sehr viel gegeben.
Es war eine der großen Überraschungen im Jahr 2008, als Bernd Böing plötzlich und unerwartet mitteilte, dass er bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr nicht mehr für das Amt des Bürgermeisters von Neukirchen-Vluyn kandidieren werde. Inzwischen steht Harald Lenßen als sein Nachfolger fest. Im Gespräch mit RP-Redakteur Ulrich Joppich blickt Bernd Böing zurück auf seine zehnjährige Bürgermeister-Amtszeit.
Herr Böing, was waren das für Gefühle, als Sie am Wahlabend mitverfolgten, wer denn nun Ihr Nachfolger werden würde?
Bernd Böing Das war alles relativ entspannt. Ich war den ganzen Tag über als Wahlleiter unterwegs und schaute abends auch im Sitzungssaal des Rathauses zu, als die Wahlergebnisse der einzelnen Bezirke auf der großen Leinwand gezeigt wurden. Komisch war mir am nächsten Morgen, als ich zur Arbeit fuhr und mir klar wurde, dass ich das bald ein letztes Mal tun würde.
Wann wird das letzte Mal sein?
Böing Offiziell habe ich meinen letzten Arbeitstag am 20. Oktober. Am 16. Oktober gebe ich auf dem Bauhof meinen Ausstand für die Mitarbeiter im Rathaus und für geladene Gäste.
Welche Tipps geben Sie Ihrem Nachfolger?
Böing Ich habe schon mehrfach mit Harald Lenßen gesprochen. Es gibt nicht viel zu sagen. Er muss seine eigenen Erfahrungen machen. Wir besprechen die technische Übergabe des Amtes und bereiten die konstituierende Sitzung des Rates am 28. Oktober vor, an der ich nicht mehr teilnehme. Ansonsten muss Lenßen seinen eigenen Weg gehen.
Lenßen ist CDU-Mann, wie wirkt sich das aus?
Böing Zunächst ist der Bürgermeister als Sitzungsleiter kein Politiker, sondern eine neutrale Person. Er vertritt zunächst das Amt. Die dafür notwendige Routine kann man sich nur erarbeiten.
Was hätten Sie während Ihrer Amtszeit noch unbedingt erledigen wollen?
Böing Das ist ganz klar das Thema Niederberg. Das ist ein Thema, das ich nicht umsetzen konnte, das ungelöst liegen bleibt. Das ist sehr bedauerlich. Rückwirkend betrachtet hätte ich viele Dinge anders angepackt. Gehakt hat es aber nicht bei der Politik und in der Verwaltung, sondern bei der Ruhrkohle als Eigentümerin des Grundstücks.
Sicherlich gibt es auch Dinge, die von Rat und Verwaltung angepackt und erfolgreich beendet wurden?
Böing Wir haben viele Dinge in den vergangenen Jahren bewegt – auch in Zusammenarbeit mit den Nachbarstädten. Zu nennen ist da die Sparkassen-Fusion, die Enni und die VHS-Kooperation mit Krefeld. Es gibt eine Menge Themen, die positiv gelaufen sind. Wir haben wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. In einigen Fällen ging es um viele Millionen Euro, zum Beispiel beim Thema Stromnetz. Im Nachhinein bin ich froh, dass wir das so gemacht haben. Das bringt viele Gewinne für die Stadt.
Wie war die Zusammenarbeit mit dem Rat?
Böing Im Großen und Ganzen lief alles stressfrei und ohne große Probleme. Lediglich in der letzten Sitzung vor der Kommunalwahl ging es hoch her. Da waren viele sehr nervös und gereizt. Da musste ich mal dazwischenfahren.
Demnächst sitzen Vertreter von sechs Parteien im Rat.
Böing Kommunalpolitik wird immer bunter. Das macht das Ganze nicht einfacher, wenn viele mitreden wollen.
Was waren eigentlich die Hauptgründe für Ihre Entscheidung, nicht mehr zu kandidierten?
Böing Die Veränderung der politischen Landschaft auch in Neukirchen-Vluyn. Der Rat wird immer politischer und ist oft nicht mehr an Sachthemen orientiert. Auch wegen personeller Entscheidungen, die hier im Rathaus getroffen wurden, habe ich meinen Entschluss gefasst.
Stichwort Rathaus. Wie sah die Arbeit intern aus?
Böing Wir waren eine der ersten Kommunen, die ein Bürgerbüro eingerichtet haben. Dort kann man alles erledigen und muss nicht von Büro zu Büro laufen. Ich selbst war immer Ansprechpartner für die Bürger. Jeder, der bei mir anrief, bekam sofort einen Termin. Firmen, die sich hier angesiedelt haben, waren hocherfreut über die schnelle und unbürokratische Hilfe von den Mitarbeitern im Rathaus. Sehr aufschlussreich für unsere Arbeit waren auch die jährlichen Bürgerversammlungen in Neukirchen, Vluyn, Niep und Rayen.
Was hat Ihnen am Bürgermeisteramt besonders gefallen?
Böing Das Bürgermeisteramt ist einer der schönsten Berufe, die man sich wünschen kann. Die Begegnungen mit Menschen bei Altengeburtstagen, Ehejubiläen und Vereinsveranstaltungen haben mir sehr viel gegeben. Man hat Kontakt zu Menschen, die man sonst nicht trifft. Ich habe sehr viel in Wohnzimmern, Küchen und Vereinsheimen gesessen und mit Menschen gesprochen. Da hört man des Volkes Stimme, das ist sehr wichtig.
Letzte Frage: Wie sieht die Zukunft des Ex-Bürgermeisters Bernd Böing aus?
Böing Diese Frage ist mir in den vergangenen Monaten gefühlte 10 000 Mal gestellt worden. Es ist noch nichts entschieden. Soweit es möglich ist, will ich hier bleiben. Meine Freunde und mein gewohntes Umwelt sind hier. Ohne Not werde ich nicht von hier weggehen.
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