Kamp-Lintfort: Elternwille ist gefragt
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 29.12.2010Kamp-Lintfort (RPO). Die Schullandschaft in Kamp-Lintfort könnte sich schon bald ändern: Bis zum Herbst 2011 wird die Stadtverwaltung die Einführung einer Gemeinschaftsschule prüfen. Grund: Immer weniger Schüler besuchen Haupt- und Realschule.
Erklärtes Ziel der SPD ist die Gründung einer städtischen Gemeinschaftsschule: "Dafür haben wir uns in Kamp-Lintfort schon vor der Landtagswahl ausgesprochen", betonte SPD-Fraktionschef Heinz-Günter Schmitz in der Sitzung des Stadtrates.
Auch die zweitstärkste Fraktion im Rat, die CDU, stimmte dem Vorschlag der Verwaltung zu, sich um die Teilnahme am Schulversuch des Landes zu bewerben und die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule zu prüfen.
Hintergrund: Bei einem weiteren Rückgang der Schülerzahlen sind Real- und Hauptschule in Kamp-Lintfort in ihrer Existenz bedroht: Schon zum Schuljahr 2012 wird es nicht mehr genügend Schüler für die Eingangsklassen beider Schulformen geben.
"Wir gehen davon aus, dass sich die Geburtenzahl auf einem niedrigen Niveau stabilisieren wird", betont Dr. Christoph Müllmann, Erster Beigeordneter in Kamp-Lintfort. Er rechnet künftig nur noch mit 280 bis 290 Geburten in einem Jahr. "Wir werden deshalb auf Dauer nicht mehr alle Schulformen anbieten können."
Standort aufgeben
Aus seiner Sicht ist die Gemeinschaftsschule längst kein ideologisches Thema mehr: "Selbst CDU regierte Kommunen im ländlichen Bereich befassen sich mit dem Thema, um vor Ort eine Schule anbieten zu können", erläutert Christoph Müllmann. Bis zum Herbst 2011 will die Verwaltung mit Unterstützung externer Hilfe prüfen, ob die Realschule an der Sudermannstraße mit der Diesterweg-Hauptschule am Standort Vinnstraße unter dem Dach der Gemeinschaftsschule zusammengeführt werden kann.
Der Standort der Hauptschule an der Pestalozzistraße soll aufgegeben werden. "Die Stadt hat in den vergangenen Jahren vor allem an der Realschule und an der Hauptschule an der Vinnstraße Investitionen vorgenommen", begründet der Erste Beigeordnete im RP-Gespräch die Wahl der Standorte.
Im Rahmen der Prüfung wird ein Schulentwicklungsplan aufgestellt, der beispielsweise Prognosen über die künftigen Schülerzahlen abgeben soll und welche Standorte aufgegeben werden können.
Dr. Christoph Müllmann geht davon aus, dass die Hauptschule im Niersenbruch langfristig geschlossen wird. Außerdem wird ein pädagogisches Konzept erstellt, die Eltern sollen nach ihrem Willen befragt werden. Mit den weiterführenden Schulen wie Gesamtschule und Gymnasium werden Kooperationsverträge geschlossen. Laut Müllmann wird die Gemeinschaftsschule nicht von einem Tag auf den anderen eingeführt. "Wir starten zunächst mit der fünften Klasse.
Die oberen Klassen bleiben Haupt- und Realschule. Die Gemeinschaftsschule wächst quasi hinein." Keine Veränderungen sind am Gymnasium und an der Unesco-Gesamtschule zu erwarten. "Es liegen mehr Anmeldungen für die Gesamtschule vor, als Schüler aufgenommen werden können", sagt der Schuldezernent. Der Rückgang der Schülerzahlen wird sich auch auf die Grundschulen auswirken: Die Astrid-Lindgren-Grundschule läuft schon heute nur ein- bis zweizügig. Es wird überlegt, sie im Verbund mit einer anderen Grundschule zu führen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




