Moers: Erdbeben in Repelen
VON TOBIAS KLEINEBRAHM - zuletzt aktualisiert: 25.01.2008Moers (RPO). Durch den Abbaubetrieb des Bergwerks West kam es gestern morgen um 4.30 Uhr rund um das Autobahnkreuz Kamp-Lintfort zu starken Erdstößen. Der Geologische Dienst maß ein Beben der Stärke 2,7 auf der Richter-Skala.
Frühere Erdbeben
Erst am 11. Januar kam es um 18.27 Uhr in Kamp-Lintfort zu einem Erdbeben der Stärke 2,0. Das Beben am 12. Dezember 2007 in Moers-Repelen erreichte sogar die Stärke 3,0. Beide Erdstöße waren nicht natürlichen Ursprungs, sondern sind auf den Bergbau zurückzuführen. Der letzte starke natürliche Beben war das Beben von Roermond am 13. April 1992. Es hatte die Stärke von 5,9 und war damit das stärkste Erdbeben in Mitteleuropa seit 1756. Mehr als 30 Personen wurden dabei verletzt.
grafschaft Einen Wecker brauchte Heinrich Schink aus Kohlenhuck gestern morgen nicht. Um 4.30 Uhr wurde er ohnehin unsanft aus dem Schlaf gerissen – so wie auch zahlreiche andere Moerser. Ein Erdbeben der Stärke 2,7 auf der Richter-Skala erschütterte weite Teile von Repelen und die angrenzenden Gebiete in Rheinkamp. „Bei mir sind etliche CDs aus den Regalen gefallen und im Keller sind Aktenordner aus dem Schrank gekippt“, berichtet Heinrich Schink. Ob auch an seinem Haus (Baujahr 1955) auf der Wefortstraße Schäden entstanden sind, konnte er gestern morgen noch nicht feststellen. „Da werde ich am Wochenende mal nachsehen“, sagt Schink. Bei der Feuerwehr, im Service-Center Bergschäden der RAG und beim Geologischen Dienst in Krefeld gingen gestern zahlreiche Meldungen von Bürgern ein, die durch die Erschütterungen aufgeschreckt worden waren. Berichte über Sachschäden an Häusern seien aber nur vereinzelt eingegangen, sagte ein RAG-Mitarbeiter.
Nach Angaben des Geologischen Dienstes lag das Zentrum des Bebens östlich des Autobahnkreuzes Kamp-Lintfort und südlich der A 42 in Repelen. Grund für die Erschütterungen war kein tektonisches, also natürliches, Erdbeben, sondern Bergbau-Aktivitäten in diesem Bereich. „Ein natürliches Erdbeben dieser Stärke hätten die Menschen gar nicht wahrgenommen, weil solche Beben in einer Tiefe von bis zu 15 Kilometern stattfinden“, erklärt Physiker Dr. Klaus Lehmann vom Geologischen Dienst. Das gestrige Beben ereignete sich jedoch in einer Tiefe von nur einem Kilometer. „Das lässt auf Bergbau-Aktivitäten als Ursache schließen“, sagte Lehmann.
Die RAG bestätigte, dass die Erschütterung durch den Abbaubetrieb des Bergwerkes West in Kamp-Lintfort ausgelöst wurde und bat für die aufgetretene Belästigung um Verständnis. Durch das Entspannen und Brechen von Sandsteinbänken oberhalb des Abbaus sei es zu dem Beben gekommen. Sowohl die RAG als auch der Geologische Dienst bestätigten, dass es keine Möglichkeit gebe, diese Erschütterungen vorherzusehen oder grundsätzlich zu verhindern.
Selbst Bürgermeister Norbert Ballhaus und seine Familie wurden gestern morgen von dem Beben geweckt. „Das war subjektiv die stärkste Erschütterung, die ich je miterlebt habe“, sagt der ehemalige Bergmann, der über zehn Jahre Leiter der Markscheiderei des Bergwerks West war. Ballhaus hatte sich dort bei seinen ehemaligen Kollegen nach der Stärke der gemessenen Schwinggeschwindigkeit von 12,23 Millimetern pro Sekunde erkundigt und sagte dazu: „Das ist nicht gerade ein niedriger Wert.“ Auf Erdstöße dieser Art müssten sich die Bürger allerdings auch in Zukunft einstellen. „Das hört erst auf, wenn der Abbau beendet ist.“
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