Moers: Erst 14 und schon süchtig
VON TOBIAS SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 16.04.2010Moers (RPO). "Realize it x-tra" ist der Name eines speziell entwickelten Programmes der Drogenhilfe zur Suchtprävention bei Teenagern. Bei der Drogenhilfe des Diakonischen Werks in Moers lief das Suchtprogramm erstmals im letzten Jahr.
Pascal* (14) spielt gerne Computer. Oft sitzt er stundenlang vor dem Monitor und spielt und chattet mit seinen Schulfreunden. Auf die Schule hat er nicht so große Lust – zu uncool, findet er.
Eigentlich ganz normal für einen pubertierenden Teenager. Doch in Zukunft wird Pascal drei Nachmittage nicht mit den Kumpels im World Wide Web verbringen, sondern auf einem Stuhl bei der Drogenberatung des Diakonischen Werkes in Moers: Der Teenager konsumiert regelmäßig Cannabis.
Dabei ist der junge Drogenkonsument durchaus kein Einzelfall, wie Manuela Oerzmann, Beraterin bei der Moerser Einrichtung, erzählt. "Der Zulauf von Konsumenten hat zugenommen", sagt die Sozialwissenschaftlerin, die in Einzel- und Gruppengesprächen auf die Suchtproblematik der Teenies eingeht.
Realize it x-tra
Das Programm richtet sich an die Altersgruppe der unter 20-Jährigen. In drei Gruppen- und drei Einzelsitzungen werden die Themen rund um den Konsum behandelt. Belastende Lebenssituationen stehen im Fokus der Beratung. Nächste Beratungstermine in Moers: 4. bis 18. Mai und 7. bis 21. September. Anmeldung unter Tel. 02 84 1 10 01 85.
Süchtige in die Psychiatrie
"Realize it", das ist der Name des zehnwöchigen Kurzinterventionsprogrammes. Mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren sind die Teilnehmer des Entwöhnungsprogrammes deutlich älter als die 13- bis 19-Jährigen Kiffer, an die sich das Programm "Realize it x-tra" richtet.
Im gesamten Kreisgebiet gibt es zwei Stellen, die dieses spezielle Angebot für junge Drogenkonsumenten vorhalten: Wesel und Moers. "Es ist eine Mischung aus Präventionsprogramm und Kurzintervention", sagt Oerzmann, die bereits einmal mit durchwachsenem Erfolg in Moers das Programm durchgeführt hat.
"Zwei von sieben Teilnehmern haben sich später noch mal bei mir gemeldet", sagt sie. Die Teilnahme ist nur manchmal freiwillig: Schulen, Gerichte und andere Bildungsträger können eine verpflichtende Teilnahme an der Entwöhnung vorschreiben.
Im Gegensatz zur Betreuung älterer Konsumenten verläuft die Betreuung der Klienten vor allem in Gruppensitzungen, die besonders das persönliche Umfeld der Kinder beleuchten sollen: Familie, Freundschaft, Geld und Schule.
Die Bandbreite der Konsumenten ist weit gefächert. "Es ist nicht nur der sozial schwache Schüler, der zur Beratung kommt", sagt Oerzmann. Manche Kinder sind von der Polizei oder dem Bundesgrenzschutz beim Schmuggeln oder Kaufen von Drogen erwischt worden.
"Das ist in der Regel ein Schock", beschreibt Oerzmann die Gefühlslage der jungen Klienten. Einige schaffen es, von den Drogen wegzukommen, andere werden wenn nötig in die Psychiatrie nach Rheinberg vermittelt. "Wir begleiten", fasst Oerzmann zusammen. * Name geändert.
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