Moers: Fahnen, Orden und Mützen
VON JUTTA LANGHOFF, D. MÖWIUS UND HANS-ULRICH KRESS - zuletzt aktualisiert: 11.11.2008Moers (RPO). Heute geht es zwar erst offiziell los, doch die Moerser Karnevalisten nutzten bereits das Wochenende für den Start in die neue Session. Den Anfang machten am Freitag die Senatoren des Eicker Elfenrates. Für jedes Jahrzehnt ihres 40-jährigen Bestehens, das in diesem Jahr gefeiert wird, ernannte die Gesellschaft einen neuen Senator.
Im festlichen Rahmen im Martinstift wurden Angelika Theinert-Dörnert, Barbara Koch, Ulf Schwarze und Cay-Jürgen Schröder zum Zeichen ihrer frisch erworbenen neuen karnevalistischen Würde die prächtigen Senatorenmützen aufs Haupt gesetzt. Mit der Amtseinführung der neuen Senatoren war der Narrenehre noch nicht genug getan. Eine besonders hohe, seltene karnevalistische Auszeichnung erhielten Birgit Noreiks und Günter Tronzik. Sie wurden mit dem Verdienstorden des „Bundes Deutscher Karneval“ in Silber ausgezeichnet. Eingebettet waren die Ehrungen in ein karnevalistisches Programm, das einen Vorgeschmack auf die beginnende und sehnsüchtig erwartete Session vermittelte. Als erstes wirbelten die Kleinsten der Gesellschaft die Schnuckis großartig entfesselt über die Bühne. Als Nächste schrubbten die „Power Ladies“ einen heißen Besen über das Parkett. Als hoffnungsvolle Entdeckung outeten sich bei ihrem ersten Auftritt die Damen des neu gegründeten Teams „Expressive“ mit ausdrucksstarkem Showtanz, schrillem Outfit und akrobatischen Hebefiguren. Als Komiker der besonderen Art stellte Büttenredner Ulli Müller aus Krefeld die Lachmuskeln auf den Prüfstand. Mit einem gewohnt perfekten Leistungsstand präsentierte sich schließlich die Elfengarde.
„Ab 50 mit Standarte, laudate – Jubilate“ heißt es in dieser Session beim Elferrat St. Marien. Zum goldenen Jubiläum schenkten die Aktiven sich eine prächtige Standarte, die am Samstag in einem Gottesdienst von den Pfarren Ulaga und Bösing geweiht wurde. „Fröhliche Augen bewegen die Welt“ heißt es auf der Fahne, auf der natürlich die Marien-Kirche zu sehen ist. In der anschließenden Feierstunde wurde reichlich der neue Sessionorden verteilt, der bei Sammlern heiß begehrt sein dürfte. Die Standarte ist nämlich beweglich, der Orden also auch etwas für Spielkinder. Karl-Heinz Brohl, bei der Gründung vor 50 Jahren im Saal Kampmann erster Präsident des Elferrates, erinnerte in seiner Laudatio launig an die Gründungsjahre. Besonders hob er die lange Zusammenarbeit des Elferrates mit der Lebenshilfe hervor. Völlig überrascht waren die beiden neuen Ehrenmitglieder, als sei von Vize-Präsident Andreas Klaffki auf die Bühne geholt wurden. Gisela van Zwamen, die als „Miss Schruber“ jedes Jahr in die Bütt steigt, wurde ebenso geehrt wie Dieter Fischer, Mitglied der Erstbesetzung der „Moerschen Jungs“. Die singen zwar nicht mehr, aber Präsident Wilfried Schönherr sorgte mit Dieter Hering wie gewohnt als Duo L.O.B.O. für Stimmung im Saal.
Die Liste der Geehrten ist lang: 78 verdiente Bürger beiderlei Geschlechts erhielten in den vergangenen 36 Jahren schon den Moerser Schlossorden der Karnevalsgesellschaft Humorica verliehen. Nun sind es zwei mehr. Am Sonntag überreichte Humorica-Vizepräsident Peter Webel der langjährigen Vorsitzenden der Meerbecker Werbegemeinschaft, Margot Klein, und dem Vorsitzenden der Asberger Vereinsgemeinschaft, Heinz Bruckhaus, im Rittersaal des Schlosses die Ehrenmedaillen. Als „energisch und vielfältig“, aber auch als einen „echten Kümmerling und gutherzigen Schatz“, so beschrieb Reiner Schmitz die neue Ordenträgerin in seiner Lauditio, wobei er vor allem ihre unermüdliche Arbeit bei der öffentlichen Gestaltung des Lebens im Stadtteil Meerbeck hervorhob. Die heute 68-jährige Inhaberin des traditionsreichen Meerbecker Modefachgeschäftes Gradisar und gelernte Modistin war zudem lange Zeit Innungsobermeisterin des Modistenhandwerks im Kreis Wesel, außerdem hat sie die Meerbecker Karnevalsgesellschaft „Lusticana“ mit ins Leben gerufen und ist Trägerin der Ehrenkette des Vinner Schützenvereins.
Von Hamborn nach Asberg
Die Lauditio für Heinz Bruckhaus übernahm der Moerser Altbürgermeister Wilhelm Brunswick. Dabei schilderte er in launigen Worten die vielfältigen Stationen im Lebensweg des 1933 in Hamborn geborenen Asbergers, der nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst eine Lehre als Schuhfachverkäufer gemacht, anschließend als Mechaniker in der Werkstatt seiner Eltern Heinkel-Roller repariert hat und später deren Autohandelsgeschäft in Hülsdonk übernahm. Den Schlossorden erhielt Heinz Bruckhaus allerdings nicht aufgrund dieser – laut Brunswick – „eher ganz normalen beruflichen Nachkriegskarriere“, sondern wegen seiner großen Verdienste bei der Gründung der Asberger Vereinsgemeinschaft, die seit 1998 mit ihrem Asberger Bürgerfest zeigt, was sich gemeinsam so alles auf die Beine stellen lässt.
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