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Moers: Fliegen wie im Himmelbett

VON RUDI SCHNEIDER - zuletzt aktualisiert: 02.08.2010

Moers (RPO). Auf dem Münchener Flughafen wurde am Donnerstag der zweite Airbus A380 der Lufthansa getauft. In der First Class des A 380 schläft man in und auf Bettwäsche der Firma "Paradies" aus Neukirchen-Vluyn.

Getreu der Tradition der Lufthansa, die ihre Flieger auf die Namen deutscher Städte tauft, erhielt das zweite Riesenbaby der Lufthansa den Namen "München". Den Täufling bezeichnete die Taufpatin Edith von Welser-Ude, die Ehefrau des Münchener Oberbürgermeisters, als "Riesenbaby". Sie goss auch keinen Sekt auf die frisch lackierte Nase des größten Fliegers der Welt, sondern Isarwasser aus einer historischen Zinnkanne aus dem Jahr 1880.

Der Technikhangar des Münchener Flughafens, der als Taufhalle für den Superflieger diente, war zu klein. Das Leitwerk mit einer Höhe von 24 Metern musste draußen unter dem weiss-blauen bayerischen Himmel bleiben. Die A 380 ist in unzähligen Details eine Superlative. Steht man vor dem Flieger auf dem Boden, ist man nicht annähernd in der Lage, seine Ausmaße mit einem Blick zu überschauen.

Vom Sitz zum Bett

Eine große Anzahl der in diesem Flugzeug verwendeten Teile und Systeme sind Entwicklungen der nächsten Generation in der Airliner-Industrie. Das reicht von den Geräten im Cockpit, dem gesamten aerodynamischen Design, den verwendeten Werkstoffen bis zum Sitz der First-Class Passagiere. Dieser Sitz ist im wahrsten Sinne des Wortes auch ein "Himmelbett". Er wurde völlig neu entwickelt und kann mit wenigen Handgriffen in Sekunden in ein vollständiges Bett über den Wolken umgebaut werden.

Selbst das Bettzeug vom Kissen bis zur Matratze ist eine Neuentwicklung. "Am Kopfkissen heftet das Logo des Neukirchen-Vluyner Traditionsunternehmens Paradies", zeigt uns die Flugbegleiterin. "Wir haben zusammen mit Lufthansa drei Jahre an der Matratze und den Kissen experimentiert und entwickelt", erzählt Markus Kloppenburg, der bei Paradies für die Entwicklung des himmlischen Bettzeugs für den Superflieger verantwortlich ist.

Im Bordbuch des A 380 ist zu lesen: "Paradies, Finest German Bedding since 1854" (Paradies, feinste deutsche Bettwäsche seit 1854). "Ich finde diesen Satz deshalb so wichtig, weil Lufthansa sehr großen Wert auf die Beteiligung deutscher Unternehmen bei der Ausstattung ihres neuen Flaggschiffs legte. Das ist in Zeiten der rasant fortschreitenden Globalisierung nicht selbstverständlich", sagt Klaus Kremers, geschäftsführender Gesellschafter,

Die frisch getaufte "München" war dann bereit für das erste Boarding der geladenen Taufgäste, aber darüber hinaus für 420 Gäste, die per Internet einen Alpenrundflug am Tauftag buchen konnten. Hunderte von Menschen, die am Flughafen München ihre tägliche Arbeit verrichteten, säumten den Rollweg des Riesenvogels mit dem Kranich am Leitwerk zur Startposition der Südbahn. Aber auch außerhalb des Flughafengeländes hatten sich schon fast volksfestartig unzählige Zaungäste eingefunden, die den Start zum Taufflug in den weiß-blauen Himmel miterleben wollten.

Kapitän Jürgen Raps, Chefpilot der Lufthansa, schob die Schubhebel der vier Rolls-Royce Triebwerke auf Startleistung und mehr als 400 000 PS schoben die Taufgesellschaft in die bayerische Wolkenlandschaft. Raps nahm nach dem Überflug der Landeshauptstadt Kurs über den Ammer- und Starnberger See zur Zugspitze, die im Vollkreis umflogen wurde. Vom höchsten Berg Deutschlands zog die A380 nach Innsbruck, anschließend zum Großglockner um dann eine simulierte Fast-Landung auf dem Salzburger Mozart-Flughafen durchzuführen. In gerade mal zehn Metern Höhe überflog Kapitän Raps die Landebahn mit ausgefahrenem Fahrwerk, um dann in einer spektakulären Steilkurve wieder in die Wolken über Salzburg zu entschwinden.

Als Kapitän Raps die 22 Räder der "München" nach einem letzten Abstecher zum Chiemsee butterweich auf Münchener Boden aufsetzte, war Taufpatin Weiser-Ude begeistert. Diese Art zu reisen, so sagte sie, sei eine neue Dimension. Für sie gäbe es nur noch eine einzige andere Art der Luftreise, der sie verfallen sei, dem Ballonfahren. Vielleicht braucht der bekannte Moerser Ballonfahrer Volker Kuinke ja mal wieder eine erfahrene Taufpatin.

Quelle: RP

 
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