Moers: Fröhlich und friedlich
VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 23.02.2009Moers (RPO). Der Nelkensamstagzug von Homberg nach Moers lockte über 100 000 Narren auf die Straßen. Die Polizei meldete keine besonderen Vorkomnisse. Es war insgesamt eingelungener Karnevalsnachmittag -– bei gutem Wetter.
"Mama, schnell. Der Zug kommt!" Plastiktüten werden gezückt, Regenschirme aufgespannt. Heitere Karnevalsmusik schallt aus den Lautsprecherboxen, und Kinder reißen sich von den Händen ihrer Eltern los. Von weitem hört man bereits die lauten Pauken und Trompeten des Spielmannszugs. Es ist kurz nach halb drei und auf den Bürgersteigen rund um die Gaststätte Kampmann geht nichts mehr. Hunderte von Jecken stehen fröhlich schunkelnd auf den Gehwegen. Ob Helau oder Alaaf – völlig egal. Hauptsache: "De Zoch kütt".
Kaum politische Motive
Über 40 Festnahmen
Insgesamt waren rund 300 Polizisten im Einsatz. Über 40 Personen wurden wegen Körperverletzungen und Bedrohungen festgenommen, und einige mussten zum Ausnüchtern auf die Polizeistation. Die Rettungsdienste versorgten 127 Personen. 29 davon mussten wegen Alkoholvergiftungen mit Rettungswagen in die umliegenden Krankenhäuser gebracht werden.
Der Nelkensamstagszug, Höhepunkt des Moerser Straßenkarnevals, lockte am Sonnabend wieder rund 100 000 Jecken auf die Straßen. "Fast" pünktlich – trotz der Reifenpanne eines Wagens der Neukirchen-Vlü-Ka-Ge – stachen die Narrenschiffe von Homberg-Hochheide aus Richtung Moers ins fröhlich, bunte Jeckenmeer. "Moers Helau." Unermüdlich winkten und grüßten die beiden "Kapitäne" Kurt II. und Monika II., das Prinzenpaar des Kulturausschuss Grafschafter Karneval, die Jecken am Wegesrand von ihrem festlich ausgeschmückten Motivwagen und schmissen ihnen ordentlich Kamelle und Süßkram in die Tüten. Wer allerdings einen "politischen Karneval" erwartet hatte, wurde auch in diesem Jahr enttäuscht. Die Wagenbauer und Planer verzichteten weitgehend auf satirische Veralberungen lokaler Politkgrößen. Immerhin: Die Lusticana thematisierte das Durcheinander um das Einkaufszentrum am Kö.
Entlang der Zugstrecke überall das gleiche Bild: Da tanzte die Hexe mit dem Eisbär, da lachte der Mönch mit der Nonne, da bützte die Hummel den Tiger – wo man auch hinschaute, es wurde ausgelassen und meist friedlich gefeiert.
Auffallend: Selten waren die Kostüme der "jecken Weiber" so kurz und eng geschnitten, wurde so viel Haut gezeigt. In sehr knappen Mini-Dirndln schwangen Jana (27), Jenni (19) und Steffi (23) ihre Beine beim Tanzen am Moerser Bahnhof so hoch, dass so mach einem Jecken schnell mal schwindelig werden konnte. Jana kess: "Ich bin jung und solo. Ich will Spaß, es ist Karneval." Spaß hatten auch alle, die zum Feiern zur Tankstelle Penderak an der Homberger Straße kamen, wo auch in diesem Jahr Groß und Klein, Jung und Alt gemeinsam einen tollen Karnevalssamstag feierten.
Polizei hatte alles im Griff
Erfreulich: Auch an den neuralgischen Punkten am Bahnhof, am Königlichen Hof und am Friedrich-Ebert-Platz (siehe Bericht Seite B2) kam es zu keinen größeren Vorkommnissen, wie Polizei und Rettungsdienste berichteten. Alle Beteiligten waren sich einig, als sie nach dem Zug teils doch ziemlich geschafft von ihren Wagen am Rathaus herunter stiegen: Es sei für alle ein schöner Zug und Karnevalstag gewesen. Mehr Bilder gibt es unter www.rp-online.de/moers
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