Rheurdt: Fronhoffs: "Auflistung von Grausamkeiten"
VON TOBIAS SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 14.08.2010Rheurdt (RPO). Werner Fronhoffs ist geschockt. Unermüdlich blättert der SPD-Fraktionsvorsitzende im freiwilligen Rheurdter Sparkonzept. "Auflistung von Grausamkeiten", nennt er das in der letzen Ratssitzung vor den Sommerferien von Bürgermeister Klaus Kleinenkuhnen eingereichte Sparpapier.
Das daumendicke Zahlenwerk hat ein Ziel: Mit der Umsetzung der beschriebenen Sparvorschläge soll der Haushalt konsolidiert werden. Fronhoffs weiß: "Klar ist, wir geben mehr aus, als wir einnehmen", aber mit dem vorgelegten Papier ist er so gar nicht einverstanden.
"Eine Lachnummer", sagt er, als er wieder an der Stelle angelangt ist, wo die Verwaltung etwa die Schließung des Gemeindekontos in Schaephuysen empfiehlt (Ersparnis: 50 Euro), oder die Einsparung von Heizkosten in der Verwaltung durch Schließung der Bürotüren nach Feierabend (Ersparnis: 200 Euro). Im Hauptausschuss soll über die Vorschläge bereits befunden werden. Am 22. August will Fronhoffs die Fraktion zusammenrufen, rund ein Monat bleibt dann noch, um zu reagieren. Die Knackpunkte sind für Fronhoffs die Abschaffung des Hallenbades und der Verkauf der Hauptschule.
Man habe errechnet, so Fronhof, dass die Vermarktung eines Quadratmeters ehemaliger Schulfläche rund 150 Euro bringen könnte. Allerdings befinde sich unter der Schule eine Bunkeranlage. Die Entfernung der Anlage sei in der Berechnung des Erlöses nicht mit eingeflossen. Ohnehin ist für Fronhoffs nur schwer verständlich, weshalb die Hauptschule verkauft werden soll und nicht die Grundschule mit viel älterer Bausubstanz. "Sollte das Schulsystem in Bewegung kommen", so Fronhoffs mit Blick auf eine Gemeinschaftsschule bis Klasse sechs, "würden wir eine neue Schule abreißen und dann eine alte Schule erstmal wieder sanieren müssen".
Zudem würde der Verkauf der Grundschule Möglichkeiten zur Entwicklung des Ortskerns bieten, so wie es ein Gutachten Jahre zuvor bereits empfohlen hatte. Die Schließung des Hallenbades ist für Fronhoffs und die Ortsvereinsvorsitzende Heike Bergner eine Katastrophe. Rheurdt verliere an Substanz, sagt sie. Den Erhalt des Bades könnte man sich durch eine Bürgeranleihe vorstellen. Außerdem will die SPD prüfen, ob man drei Sportplätze und mehrere Friedhöfe im Dorf braucht. Darüber wollen SPD und Grüne am 2. September in der Gaststätte Bodden mit den Einwohnern diskutieren. Rund 800 000 Euro sollen für den neuen Haushalt fehlen, die Rücklagen von einst 1,9 Millionen Euro seien dann endgültig aufgebraucht, sagt Fronhoffs.
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