Moers: Für immer geschlossen
VON CHRISTIAN SCHROEDER - zuletzt aktualisiert: 06.02.2008Moers (RPO). Käthe Schuth hat das von ihrem mittlerweile verstorbenen Mann Anton gegründete Motorradmuseum in Asberg verkaufen müssen. Fast alle der 300 Motorräder sind bereits in die Niederlande gebracht worden.
Käthe Schuth streift noch einmal durch die Kolbenstube. So haben die Vereinsmitglieder den Aufenthaltsraum immer genannt. Ach, das gerahmte Foto da an der Wand! Das zeigt ihren Anton in einem Kadett A bei einem Stoppelfeldrennen. Muss in den 1960er Jahren gewesen sein. „Das behalte ich“, sagt die 74-Jährige und nimmt das Bild von der Wand.
Auflösungserscheinungen. Nicht nur in der Kolbenstube, sondern vor allem nebenan in der großen Halle: Wo einmal über 300 Motorräder standen, sind jetzt noch 30, vielleicht 40 übriggeblieben. „Aber auch die werden in Kürze abgeholt“, weiß Käthe Schuth. Sie hat das Niederrheinische Motorradmuseum, das sie von ihrem verstorbenen Mann Anton geerbt hat, verkaufen müssen. Plus das 3500 Quadratmeter Grundstück samt Inhalt. Jedes Jahr Minusbeträge einfahren, Geld um Geld in das Museum an der Friemersheimer Straße in Asberg stecken – das konnte Käthe Schuth sich nicht leisten.
Anton Schuth
Der Gründer Anton Schuth, Begründer des Niederrheinischen Motorrad-Museums in Moers-Asberg, war am 28. Mai 2005 im hohen Alter von 94 Jahren gestorben. Eröffnungsdatum Der Mann, der lieber hinter den Kulissen an Motoren schraubte, als Konversation mit Besuchern zu machen, hatte am 26. Mai 1985 das Motorrad-Museum eröffnet.
Der Erzähler Wenn er jedoch über seine Ausstellungsstücke erzählte, verging für die Besucher die Zeit wie im Fluge. Zu jedem Motorrad hatte Schuth eine Geschichte parat.
Ostern vor geschlossener Tür
Daher ist das Museum für immer geschlossen, der Förderverein aufgelöst. „Ich bin mal gespannt, wie viele Leute an den Ostertagen hier vor der Tür stehen werden, weil sie nicht wissen, dass es das Museum nicht mehr gibt“, meint Bernd Schlayer, Vorsitzender des Fördervereins. Karfreitag war nämlich immer der erste Öffnungstag im Jahr. Um Ostern herum wird schließlich immer die Motorrad-Saison eröffnet. Und es waren vorrangig Motorradfahrer, die sich die von Anton Schuth zusammen gesammelten Schätzchen anschauten. „Wir hatten jährlich rund 3500 Besucher“, resümiert Bernd Schlayer. Und wer, bitte, hat die ganzen Motorräder und übrigen Ausstellungsstücke gekauft? Es war ein Niederländer aus Assen, wo es ja auch eine Motorrad-Rennstrecke gibt. Allerdings ist der Käufer kürzlich im Alter von nur 58 Jahren gestorben. Als er sich zum Kauf des Niederrheinischen Museums entschloss, wusste er bereits von seiner schweren Krankheit. „Er wollte sich wohl noch einen Traum erfüllen“, vermuten Käthe Schuth und Bernd Schlayer. Jetzt holen die Söhne des Verstorbenen die Zweiräder mit 38-Tonnern ab. Stück für Stück wird es leerer in der großen, kühlen Halle. „Ach, guck mal, die weiße Mars haben sie auch schon mitgenommen“, sagt Käthe Schuth und zeigt auf den Platz, wo immer ihr Lieblingsmotorrad gestanden hat. „Eine 1000-Kubik-Maschine mit Beiwagen.“ Und auch Bernd Schlayer hat noch ein Andenken an den Museumsgründer gefunden. Ein Messingschild mit Anton Schuth Leitspruch: „Es recht zu machen jedermann, ist eine Kunst, die niemand kann.“ Schlayer: „Er hat sich über Besucher aufgeregt, die gemeckert haben, wenn eine Maschine nicht ganz original war.“
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