Moers: Gegenwind für Moers Festival
VON DIRK MÖWIUS - zuletzt aktualisiert: 07.02.2012Moers (RP). Die CDU bezieht angesichts der Haushaltslage klare Position: "Ein durch Schulden finanziertes Festival kann nicht Aufgabe von Moers sein. Die Stadt kann es sich definitiv nicht leisten." Auch die Linken zeigen sich skeptisch.
Die Spardebatte beginnt. Nachdem der Grafschafter in "Unsere Woche" angesichts der aktuellen Haushaltslage den möglichen Verzicht auf das Moers-Festival angesprochen und dessen künstlerischer Leiter, Reiner Michalke, für gemeinsame Anstrengungen, den besonderen Stellenwert von Kultur in Moers zu erhalten, geworben hatten, meldeten sich gestern CDU und Linke zu Wort.
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Rudatsch fordert, sich in Moers "endlich auf das Notwendige zu beschränken", um Moers zukunftsfest zu machen. "Ein massiv Schulden-finanziertes Festival kann nicht Aufgabe von Moers sein. Die Stadt kann es sich definitiv nicht leisten." Gabriele Kaenders (Die Linke) fordert die Kultur GmbH auf, endlich mit offenen Karten zu spielen und zum Beispiel die Zahlen der verkauften Karten zu veröffentlichen.
"Wir müssen umdenken"
Klaus Rudatsch: "Herr Michalke verkennt leider vollkommen den Ernst der Lage. Der Stadt drohen ernste Probleme aufgrund des stetig steigenden Schuldenstands von 600 Millionen Euro. Wir müssen umdenken. Der Anspruch, den wir an Griechenland haben, ist der gleiche wie an uns selbst. Wir müssen als Stadt sparen, damit mögliche und dringend notwendige Landes- und Bundeshilfen auch wirklich wirken und nicht in ein Fass ohne Boden fließen."
Rudatsch habe zwar Verständnis für Michalke "und dessen Geldbeutel". Auch das Festival sei über Jahrzehnte prägend für die Stadt gewesen, aber Moers müsse sich strukturell neu aufstellen: In einer überschuldeten Stadt gehöre für die CDU ein hoch subventioniertes Festival zu "den Nettigkeiten und nicht zu den Notwendigkeiten. Und für Nettigkeiten habe Moers kein Geld mehr."
Gabriele Kaenders zweifelt an der Werbewirksamkeit der Jazz-Tage zu Pfingsten: "Bei meinen häufigen Besuchen in anderen deutschen Städten antworte ich auf die Frage, woher ich komme stets: Aus Moers – das kennen Sie doch bestimmt durch das Moers Festival. Leider hatte keiner meiner Gesprächspartner je davon gehört. Das mag natürlich an meiner mangelnden Bildung oder der der Befragten liegen. Es kann sich aber bei den Befürchtungen von Michalke genauso nur um eine sehr spezielle Jazz-Kultur-Landkarte handeln, von der Moers verschwinden würde."
Kaenders spricht von der "geheimen Kultur-GmbH-Zelle-Moers". Diese sollte mit transparenten Zahlen an die Öffentlichkeit gehen. Die Fraktionsvorsitzende der Linken: "Wie viele Karten wurden für das Festival verkauft – und nicht verschenkt? Wie hoch sind die einzelnen Kosten für das Festival und seine Organe, wie hoch sind die Einnahmen? Mit diesen echten Zahlen ausgestattet, könnten sich die Moerser endlich ein eigenes sachliches Bild vom Moers Festival machen." Fürchten müssten das die Verantwortlichen doch nicht, "denn dann wird der Rückhalt aus der Bevölkerung vermutlich riesengroß sein", schließt Kaenders ironisch.
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