Moers: Gewünschte Nähe
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 13.09.2010Moers (RPO). Für die Stadt soll der Rathausneubau auch eine Art Wirtschaftsförderung für Unternehmen der Region sein. Hochtief hat nach eigenen Angaben bisher 70 Prozent der Gewerke an regionale Firmen vergeben.
Der Augenschein sagt etwas anderes. Wer an den beiden großen Baustellen in der Innenstadt – Rathaus und Bildungszentrum – vorbeigeht, kann bei den abgestellten Baufahrzeugen viele fremde Nummernschilder sehen. Betonmischer aus Essen, Bagger aus den Niederlanden, Lieferwagen aus den neuen Bundesländern. Ist aus dem Anliegen von Bürgermeister Norbert Ballhaus, mit den vielen Millionen Euro für das große Rathaus-Projekt auch die heimische Wirtschaft zu fördern, nichts geworden? Hat Hochtief, die andere Seite der Public Private Partnership, der Stadt die kalte Schulter gezeigt?
Bei Aufträgen und Summen vorn
Ausschreibungen
Weitere Ausschreibungen finden sich auch im Internetauftritt der Stadt Moers www.moers.de, dann Stadt & Rathaus, Aktuelles, Öffentliche Ausschreibungen.
Nein heißt es ganz klar bei Hochtief in Essen. Inklusive der Haustechnik hat Hochtief eine Quote von etwas unter 70 Prozent bei regionalen Firmen ausgerechnet. Lediglich über 30 Prozent seien an überregionale Firmen vergeben worden. Diese Zahlen gelten sowohl für die Zahl der Aufträge als auch für den Wert der Aufträge. Damit ist gemeint, dass nicht fremde Firmen die großen Aufträge bekämen, und die heimische Wirtschaft werde mit Kleinigkeiten abgespeist. So heißt es erst einmal aus der Unternehmenszentrale in Essen. Dort ist man allerdings bei der Bemessung der Region überaus großzügig. Regionale Unternehmen kommen dort nicht nur aus Moers, Neukirchen-Vluyn, Dinslaken und Duisburg, sondern auch aus Kleve und Essen. Aber immerhin haben sich Betriebe aus diesem Gebiet 59 von 88 Einzelaufträgen gesichert. So kommen etwa Schließanlagen, Innenfassaden, Innenputz, Lampen, Heizung und Sanitär, Treppenverkleidungen aus der Region. Welche Unternehmen das sind, darf Unternehmenssprecher Andreas Steiner nicht sagen. Für Hochtief sind nah angesiedelte Unternehmen von Vorteil. Wenn nachgearbeitet werden müsse, seien Betriebe vor Ort einfach schneller. Als privates Unternehmen müsse Hochtief auch nicht wie bei einer öffentlichen Ausschreibung den billigsten Bieter nehmen, sondern könne andere Kriterien anwenden.
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