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Kamp-Lintfort: Gipfeltreffen auf dem Berg

VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 04.09.2009

Kamp-Lintfort (RPO). Der Umweltausschuss besichtigte gestern die Mülldeponie auf dem Eyller Berg. Mit dabei waren die Gegner der geplanten Abfallbeseitigungsanlage. Die Betreiber der Abfallentsorgungsfirma stellten sich den Fragen.

Die Mitglieder des Umweltaussschusses und der Bürgerinitiative bekamen nicht das zu sehen, was sie sich erhofft hatten. Statt durch den "Schadstoff-Schlamm" zu stapfen, wurde ihnen nur die Sickerwasserreinigungsanlage gezeigt.  r  Foto: RPO
Die Mitglieder des Umweltaussschusses und der Bürgerinitiative bekamen nicht das zu sehen, was sie sich erhofft hatten. Statt durch den "Schadstoff-Schlamm" zu stapfen, wurde ihnen nur die Sickerwasserreinigungsanlage gezeigt. r Foto: RPO

Mit Gummistiefeln, Regenjacken und einer Menge Wut im Bauch wollten sie die abgekippten Schadstoffe unter die Lupe nehmen. Enttäuscht und mit teils hängenden Köpfen trotteten die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) "Giftberg" gestern Nachmittag nach dem einstündigen Rundgang dann wieder von der Deponie – aber die Wut im Bauch blieb.

Grund: Sie bekamen nichts zu sehen, durften sich nicht – wie erhofft – die Müllablagerung auf dem Eyller Berg anschauen. Stattdessen bekamen die Umweltaktivisten lediglich die Sickerwasserreinigungsanlage zu Gesicht – immerhin von innen. Doch der Reihe nach: Der Umweltausschuss besichtigte vor seiner Sitzung die Mülldeponie auf dem Eyller Berg. Rund 50 Politiker, BI-Mitglieder und Interessierte waren der Einladung gefolgt. Die beiden Chefs der Eyller Berg Abfallgesellschaft (EBA), die Brüder Ralf und Friedrich Ossendot, nahmen sich Zeit, um die Besucher herumzuführen und ihre Fragen zu beantworten – nur auf die Bergspitze ließen sie die Gäste eben nicht. "Das machen wir beim nächsten Mal. Dafür machen wir noch einen Termin aus", versprach Ralf Ossendot. Die Betreiber hatten sich gut vorbereitet und nahmen in ihren Stellungnahmen den Deponie-Gegnern doch teils kräftig den Wind aus den Segeln.

Info

Einstimmiges Votum

Die Fraktionen im Umweltausschuss sind einstimmig der ergänzenden Stellungnahme der Stadt gefolgt, also damit auch den Sorgen und Anliegen der Bürgerinitiative zum Thema "Eyller Berg". Die CDU-Fraktion betonte, dass sie gegen den Bau ist.

Alle Abfälle gehen ins Labor

"Hier werden keine giftigen Stoffe abgekippt. Wir halten uns an alle gesetzlichen Vorschriften und Auflagen", stellte Friedrich Ossendot unmissverständlich klar. Die Beweise für die Behauptung versuchte Laborleiter Klaus-Michael Köppl zu liefern. "Alle Abfälle werden von uns genauesten geprüft und analysiert. Auf dem Berg wird nichts abgekippt, was giftig ist." Dem hatten die BI-Mitglieder außer Kopfschütteln nichts entgegenzusetzen.

Der zweite Akt folgte dann im großen Sitzungssaal des Rathauses. Die BI, die in der geplanten Abfallbeseitigungsanlage Gefahren für Mensch und Umwelt befürchtet, fordert die Stadt Kamp-Lintfort auf, ein klares Bekenntnis gegen den Neubau abzugeben – wie es der Rat 1999 schon einmal gemacht habe. 2002 stimmte der Rat der Stadt der Anlage dann aber doch zu, besser gesagt, der Rat drückte damals sein "Wohlwollen" in einem schriftlichen Vertrag mit der Firma Ossendot für den Bau der Abfallbeseitigungsanlage aus. Denn genehmigen kann sie nur die Bezirksregierung Düsseldorf, die vor sieben Jahren aber den Bau der Anlage versagte. Die Firma Ossendot wagt jetzt den erneuten Vorstoss. Denn ohne die Abfallbeseitigungsanlage könnten sie den Eyller Berg nicht bis 2016 verfüllen, wie es in einer Prognose im Vertrag von 2002 festgehalten ist. Heißt im Klartext: Ein Ende der Mülldeponie wäre ohne den Bau nicht abzusehen.

Entscheidung fällt in Düssseldorf

Für die Gegner ist das aber nicht mehr als ein fadenscheiniges Argument. "Unsere Sorge ist es, dass mit der Anlage die Laufzeit der Deponie noch verlängert wird", so ein BI-Mitglied. Das sei Unsinn. "Ich mache die Zusage, dass wir alle unsere Abfallstoffe mit der neuen Anlage behandeln. Nur so kann der Eyller Berg schnellstens verfüllt und die Deponie geschlossen werden", verspricht Friedrich Ossendot. Für den Bau benötigen die Betreiber zwar nicht die Zustimmung der Stadt Kamp-Lintfort. Dennoch wäre ein "Ja" seitens der Stadt für sie von Vorteil im Genehmigungsverfahren. Ob die Bezirksregierung diesmal dem Bau zustimmen wird, bleibt abzuwarten.

Quelle: RP

 
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