Moers: Goldenes Herz und eiserne Schnauze
VON JUTTA LANGHOFF - zuletzt aktualisiert: 22.02.2010Moers (RPO). Kurt Tucholsky war ein witziger Erzähler und ein bissiger Satiriker, er schrieb Zeitungsartikel gegen das Elend der Arbeitslosigkeit und die Gier der Mächtigen, vor allem aber war er ein kompromissloser Pazifist und Antifaschist, wodurch er schon 1929 vor den Nationalsozialisten nach Schweden fliehen musste. Dort nahm er sich schließlich im Alter von nur 45 Jahren das Leben. Doch seine Werke blieben und sind heute wieder aktueller denn je, wie die Besucher des Moerser Schlosstheater-Studios erleben konnten.
Vor zwei Jahren haben die Düsseldorfer Schauspielerin Franziska Weber und der frühere musikalische Leiter am Theater Dresden und Oberhausen, Otto Beatus, aus einer Reihe von Tucholsky-Texten und deren Vertonung durch den österreichischen Komponisten Hanns Eisler eine musikalisch und szenisch untermalte Text-Revue gemacht, mit der sie seither durch die Lande ziehen und ihr Publikum begeistern. Die unter dem Titel "Deutsch bleibt deutsch, da helfen keine Pillen" dargebotenen Tucholsky-Revue war in der Tat ein ungewöhnlich unterhaltsames und kurzweiliges Bühnenereignis, in dem Franziska Weber eindeutig die Hauptrolle spielte. Während Otto Beatus neben der Klavierbegleitung des Öfteren auch ihren schauspielerischen Gegenpart übernahm, wirkte er neben seiner mal naiv mädchenhaft, mal verschmitzt pfiffig und dann wieder tief ernsthaft auftretenden Kollegin fast ein wenig blass. Angetan mit einem kleinen, paillettenbesetzten Schwarzen und ebenso schwarzen, wild gemusterten Spitzensrümpfen präsentierte Franziska Weber mit Hilfe diverser Perücken Tucholskys Texte in einem immer wieder anderen gesellschaftlichen Zusammenhang. So verglich sie unter anderem als blonde Zopfschülerin in einem Aufsatz die geschichtliche Bedeutung zwischen Goethe und Hitler oder bestätigte als freche Kellnerin Tucholskys literarische Meckereien über die Qualität der Berliner Restaurantessen. Kurt Tucholsky hat für seinen Grabstein folgende Inschrift vorgeschlagen: "Hier ruht ein goldenes Herz und eine eiserne Schnauze". Weber und Beatus zollte dieser Inschrift die richtige Ehre.
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