Moers: Grafschafter Narren feiern auch ohne Prinz
zuletzt aktualisiert: 13.11.2006Moers (RPO). „Hoppeditz erwache! Hoppeditz erwache!” Olly Olberts, Präsident des Kulturausschusses Grafschafter Karneval ist ein Mannsbild mit großem Resonanzkörper und gab damit seiner Stimme am Samstag im Rheinkamper Kulturzentrum auch eine beachtliche Lautstärke, doch vergebens. Nach fast neun Monaten Helau-Entzug brauchte es schon etwas mehr als eine kräftige Stimme, um den Grafschafter Hoppeditz zu wecken, und so verstärkte Olly seinen dritten Weckruf nicht nur per Mikrofon, sondern ließ es zusätzlich dazu auch noch kräftig blitzen und knallen.
Das half. Kaum eine halbe Minute später kam der noch etwas schlaftrunkene Hoppeditz aus der Bühnendekoration hervor und tat das, was die Jecken alljährlich am elften November von ihm erwarten, er läutete mit spitzer Zunge und gereimten Versen die fünfte Jahreszeit ein. „Helau ihr Leute weit und breit, vorbei ist nun die ruhige Zeit“, warnte er seine Fans zunächst behutsam vor, begann dann aber sogleich unverzüglich über all das her zu ziehen, was er in den letzten Monaten in Moers und der übrigen Welt eigentlich verschlafen hatte, zum Beispiel über die schwarz-rot-goldenen Augenringe von Angela Merkel während der Fußball-Weltmeisterschaft, und Dieter Bohlens Wechselweibchen, über Bürgermeister Norbert Ballhaus, der seine Bürger zur Kasse bittet, wenn sie das städtische Laub entsorgen, und über eine Bundesregierung, die am liebsten sogar das Pupen besteuern würde.
Als alles gesagt war, verneigte sich der freche Hoppeditz, hinter dem eigentlich der Pressesprecher des Grafschafter Kulturausschusses Kurt Zimmermann steckte, und verließ unter begeistertem Applaus die Bühne. Dazu gab es ein reichhaltiges Programm aus Musik, Tanz und Büttenreden. „Hier sind sie nun, die geballte Kraft des Karnevals.“ Präsident Olly Olberts hatte die Aufgabe des Moderators übernommen und holte erst einmal in einem bunten Aufmarsch sämtliche Vertreter der über 20 im Kulturausschuss vereinten Gesellschaften auf die Bühne. „Ist das nicht ein schönes buntes Bild?“ Wir haben zwar diesmal kein Prinzenpaar, aber das werden wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge schon schaukeln.“
Dabei halfen ihm an diesem Abend unter anderem die Krefelder Stimmungsband „de Oedingsche Jonges“, die ausgezeichnete Tanzgarde der KG Rot-Weiß Rheinhausen und die ebenfalls beeindruckende Showtanz-Gruppe der Narrenzunft Homberg. Auch die „Golden Girls“ der Moerser KG Humorica waren mit ihrer neuen, fröhlichen Oldie-Parade dabei, und sogar „Der Holderberger“ Hacky Hackstein hatte sich noch einmal zu einem Auftritt überreden lassen, obwohl er ja eigentlich gar nicht mehr in die Bütt steigen wollte.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




