Rheurdt: Große Hilfe für Schreikinder
VON HANS-ULRICH KRESS - zuletzt aktualisiert: 27.12.2010Rheurdt (RPO). Kinder mit dem ADHS-Syndrom brauchen eine besondere Unterstützung. In der Praxis der Rheurdter Ärztin Dr. Katrin Hesters werden neue Wege in der Behandlung der betroffenen Kinder eingeschlagen.
Schreikinder gehen ihrer Umgebung auf die Nerven. Sie verbreiten unentwegt Unruhe. Sie plärren herum, zappeln ständig, können sich auf nichts konzentrieren. Kindergartengruppen und ganze Schulklassen werden abgelenkt. Das ist schlimm genug. Ganz schlimm ist es, dass den betroffenen Kindern – die Medizin spricht bei ihnen vom ADHS-Syndrom – Lebensqualität und Ausbildungschancen wegbrechen. Die Schulmedizin verordne solchen Kindern, um ihre Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit wiederherzustellen, häufig durch Medikamente, beschreiben die Rheurdter Ärztin Dr. Katrin Hesters und der in Duisburg ansässige Manualtherapeut Bodo Jankowski die übliche Behandlung.
Ursache: Fehlstellungen
Schreikinder
Zwei Tage in der Woche behandelt Bodo Jankoski in der Praxis von Dr. Kerstin Hesters Schreikinder mit ADHS. Im nächsten Jahr wollen sie einen weiteren dritten Behandlungstag hinzunehmen. Ihre Patientenkartei umfasst mehrere Hundert Kinder, denen sie bei einer Erfolgsquote von 80 Prozent helfen konnten. Sie kommen nicht nur aus Rheurdt und den umliegenden Städten und Gemeinden. Manche sind in Hamburg, Heidelberg, Berlin oder den Beneluxländern zu Hause.
Oft schließe sich dem ersten Arztbesuch des Schreikinds eine Odyssee durch die Praxen unterschiedlichster Fachärzte, Therapeuten und Psychologen an. Dr. Hesters und Manualtherapeut Jankowski gehen in der Praxis der Rheurdter Ärztin einen anderen Weg und haben in vielen Fällen verblüffende Erfolge. Bodo Jankowski kommt aus der Sportmedizin. Er hatte hat sein Leben lang mit der Behandlung von Leistungssportlern zu tun gehabt und dabei wichtige Erfahrungen gesammelt. Für ihn sind die Ursachen für die Unruhe, das Schreien von Kindern und deren Gezappel auf Fehlstellungen von Gelenken, Wirbelsäule oder Becken zurückzuführen. "Ein Baby kann nicht reden, weiß nicht und kann nicht benennen, was Schmerz ist, was oder wo es ihm wehtut. Es kann sich nur durch Schreien äußern", erklärt er. So komme es, dass Kinder bis ins Erwachsenen- oder sogar Greisenalter ihre Fehlstellungen mit sich herumschleppen. Für sie sind ihre Schmerzen Alltag geworden. Das kann für dem Betroffen schlimme und die Gemeinschaft der Krankenversicherten teuere Konsequenzen haben. "Warum verschleißt nur das eine Hüftgelenk und muss operiert werden? Leben die alle am Deich?", gibt Dr. Kerstin Hesters zu bedenken. Die beschriebene Reise durch die Praxen hat der heute achtjährige Sam Voßhenrich hinter sich.
Mit vier Jahren fiel er im Kindergarten auf, war hyperaktiv. Es wurde ADHS diagnostiziert. Er kam zu Kinderarzt, später zum Kinderpsychologen. Geholfen hat es nichts. In der Schule schleppte er sich mit mäßigen Leistungen dahin. Dann stellten ihn seine Eltern Stephanie und Sascha Voßhenrich, sie wollten eine Medikamententherapie, in Rheurdt bei Dr. Hesters vor. Bodo korrigierte seine Fehlstellungen in drei Sitzungen.
Ein "normaler" Junge
Aus Sam ist heute ein normales Kind, geworden. "Heute steht er in der Schule in allen Fächer ein bis zwei Noten besser", sind seine Eltern stolz auf ihren Sam. Durch den Leidensweg von Sam sensibilisiert, achteten sie verstärkt auf ihre heute zwei Monate alte Tochter Sina Luise. Sie schlief schlecht, drehte sich immer nur auf eine Seite. Sie begaben sich mit ihr in die vertraute Behandlung und hoffen, ihrer kleinen Prinzessin damit den Marsch durch die Praxen erspart zu haben.
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