Neukirchen-Vluyn: Grünes Licht für „Campanile“?
VON ULRICH JOPPICH - zuletzt aktualisiert: 17.01.2007Neukirchen-Vluyn (RPO). In dem Mediationsverfahren zwischen den Bauherren für Projekte auf dem Vluyner Platz hat es eine Einigung gegeben. Wenn die Politik zustimmt, kann gut sechs Monate nach der Zeder-Fällung gebaut werden.
Fast ist Gras gewachsen über das Loch, das die Zeder auf dem Vluyner Platz gelassen hat und das Raum schaffen sollte für das umstrittene Campanile-Bauprojekt. Seitdem ist trotz der Baugenehmigung nichts passiert, weil die Nachbarn aneinander gerieten. Hans-Peter Möllenbruck hatte vor dem Verwaltungsgericht gegen die Baugenehmigung für den Turmbau geklagt und verloren und außerdem einen Kontrollantrag gestellt.
Das für beide Angelegenheiten zuständige Oberverwaltungsgericht Münster hat dann angeregt, die Angelegenheiten in einem Mediationsverfahren außergerichtlich zu bereinigen. Beide Parteien stimmten zu, ein Verwaltungsrichter fungierte bei zwei Gesprächsterminen als Moderator – offenbar mit Erfolg.
Thema im Ausschuss
Das Campanile-Projekt und das Bauprojekt von Hans-Peter Möllenbruck ist Thema in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am Mittwoch, 16 Uhr, im Rathaus. Dann soll auch der Inhalt der außergerichtlichen Einigung diskutiert werden.
Einigung erzielt?
„Es hat eine Einigung gegeben. Die beiden Parteien haben sich aber darauf verständigt, über die Inhalte Stillschweigen zu bewahren, bis die Politik im Stadtentwicklungsausschuss zugestimmt hat“, so die Erste Beigeordnete Ingrid Otte. Möllenbruck hatte eine Frist, die Unterlagen bis zum 12. Januar bei der Stadt einzureichen, damit sie fristgerecht für die Ausschusssitzung am 7. Februar berücksichtigt werden konnten. Vorausgesetzt, die Politik stimmt zu, darf Möllenbruck nach RP-Informationen bis zur Ecke über seinem Sonnenstudio zweigeschossig hochbauen.
Möllenbruck selbst stellte die Sache gestern gegenüber der Rheinischen Post anders da: „Es gibt noch keinen Kompromiss. Das Verfahren liegt noch beim Oberverwaltungsgericht Münster“, sagte er. Er verwies auf die Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses und wollte im übrigen keine Stellungnahme abgeben. Die Baupläne der beiden Nachbarn beschäftigen Politik und Verwaltung schon seit Jahren.
Ein Argument Möllenbrucks gegen das Campanile-Projekt war die „Verschattung“ des gesamten Geländes durch den Turmbau. Der Turm soll 22,20 Meter hoch werden. Vom Vluyner Platz aus wird dann die oberste Kante in 18 Metern Höhe zu sehen sein. Der quadratische Baukörper hat sechs teils versetzte Geschosse und misst an seiner tiefsten Stelle etwa 14 Meter. Bereits im Sommer erhielt der Investor die Baugenehmigung für das bei den Bürgern umstrittene Projekt.
Zahlreiche Proteste
Damals wurde die Diskussion vor allem von der Partei „NV Auf gehts“ von dem Bauprojekt auf die dafür notwendige Fällung der alten Blauzeder gelenkt. Es kam zu mehreren Protestveranstaltungen, man richtete auf dem Vluyner Platz eine Mahnwache ein. Auch Natur- und Umweltschützer hatten sich an den Protesten beteiligt. Die Zeder sei ein schützenswertes Naturdenkmal und bilde im übrigen mit der neben stehenden Rotbuche eine Lebensgemeinschaft, lauteten ihre Argumente. Das alles nützte nichts: Nach der Erteilung der Baugenehmigung durch die Stadt wurde der Baum gefällt.
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