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Moers: "Haiti war die Hölle"

VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 25.01.2010 - 09:41

Moers (RPO). Das Rettungsteam von I.S.A.R. Germany, das eine Woche lang in Haiti nach Überlebenden suchte, ist am Samstag wieder in Moers angekommen. Die 31 Helfer vom Niederrhein berichten von einem unvorstellbaren Elend.

Niederrhein Zur Stärkung gab es erst einmal scharfe Gulaschsuppe, Schokoladenkuchen und heißen Kaffee. Viel mehr Zeit zum Durchschnaufen blieb den 31 Helfern von I.S.A.R. Germany nach ihrer Ankunft aus Haiti am Samstagmittag in ihrem Moerser Zentrallager allerdings nicht. Zügig lagerten sie ihr Equipment, mit dem sie im Erdbebengebiet eine Woche lang nach Überlebenden unter den Trümmern gesucht haben, in die Regale ein. Wenige Stunden zuvor waren sie am Frankfurter Flughafen gelandet. Die meisten von ihnen mussten am Sonntag schon wieder in ihren "normalen Berufen" als Feuerwehrmann, Arzt oder Rettungsassistent arbeiten.

Info

Spendenkonto

Die Helfer von I.S.A.R Germany arbeiten alle ehrenamtlich und sind auf Spenden angewiesen. Der Einsatz in Haiti hat rund 70 000 Euro gekostet. Spendenkonto: Sparkasse Duisburg BLZ 350 500 00, Konto 020 012 028 5, Verwendungszweck "Spende". Mehr Bilder vom Rettungseinsatz in Haiti und den Helfern gibt es unter www.rp-online.de/moers

Keine Überlebenden gefunden

Bis auf ein paar kleinere Blessuren haben alle die Strapazen gesund überstanden. Mitgebracht haben die meisten Bilder in ihren Köpfen, die sie ihr Leben lang nicht mehr vergessen werden können. "Es war die Hölle auf Erden. So ein Elend habe ich noch nie gesehen", sagt Pressesprecher Mark Rösen aus Xanten. "Hunderte Leichen lagen an den Straßenrändern, daneben wurde Fleisch auf dem Boden gegrillt, Essen zubereitet", berichtet er. Trotz Rettungshunden und modernster Ortungstechnik konnten die Helfer vom Niederrhein keine Überlebenden bergen. Besonders hart sei die Arbeit in einem belgischen Feldlazarett gewesen. Dort wurden die Schwerverletzten behandelt. "Es war grausam. Die Menschen hatten fast alle offene Brüche, die Knochen ragten heraus, Gliedmaßen waren abgefault, weil sie nicht behandelt wurden. Wir halfen bei Amputationen, gingen an unsere physischen und psychischen Belastungsgrenzen", so Rösen. Die Nacht verbrachten die deutschen Helfer in Zelten auf dem Flughafen der haitianischen Millionenstadt. Der Flughafen war der einzige sichere Ort, bot Schutz vor Übergriffen. Der Tag begann morgens um 6 Uhr mit einem kleinen Frühstück. Dann folgte die Lagebesprechung, die Einsätze wurden koordiniert und mit allen anderen internationalen Hilfsorganisationen abgestimmt. Sobald sie den Flughafen Richtung Einsatzort verließen, standen sie unter Schutz von UN-Blauhelm-Soldaten, die sie mit gepanzerten Fahrzeugen und Maschinengewehren vor der einheimischen Bevölkerung schützten. "Ohne die Soldaten hätten wir den Flughafen nicht verlassen können. Es wäre einfach zu gefährlich gewesen", sagt der Rheinberger Marc Lechsner (38).

 Mit Einbruch der Dunkelheit gegen 16 Uhr mussten die Helfer zurück von ihren Einsatzorten sein. Denn dann regiere die Gewalt auf den Straßen von Porte-au-Prince und man sei seines Lebens nicht mehr sicher. Einsatzleiterin Dr. Daniela Lesmeister aus Kleve ist erleichtert, dass sie alle wieder gesund nach Deutschland gebracht hat. Die 32-Jährige, die Referentin von NRW-Arbeitsminister Karl Josef Laumann ist, leitete in Haiti erst ihren zweiten Einsatz dieser Art. "Es war die größte Aufgabe in meinem Leben."

Quelle: RP

 
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