Neukirchen Vluyn: Heißer Grünkohl, hitziger Streit
VON JUTTA LANGHOFF - zuletzt aktualisiert: 06.11.2006Neukirchen Vluyn (RPO). Grünkohl und ein Referat mit dem Titel „Pro & Contra – Die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei“, das waren gleich zwei heiße Sachen, die die CDU-Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung Neukirchen-Vluyn am Donnerstag ihren Mitgliedern in den „Vluyner Stuben“ servierte. Während der Grünkohl den rund 40 Gästen an diesem Abend den Magen wärmte, erhitzte Dr. Wulf Schönbohm, Bruder des brandenburgischen Innenministers Jörg Schönbohm und langjähriger Leiter des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ankara mit seinem Referat eher die Gemüter.
„Bitte betrachten Sie dieses Referat nicht nur aus der Perspektive eines Türkei-Urlaubers“, bat der erst vor kurzem neu gewählte Vorsitzende der Neukirchen-Vluyner CDU-Mittelständler, Wolfgang Brand, seine Parteifreunde schon zur Begrüßung, wohlwissend, dass der Referent mit seiner eher positiven Ansicht zum EU-Beitritt der Türkei nicht bei allen Anwesenden auf Zustimmung stoßen würde. „Die EG hat immer schon ein wechselhaftes, unklares und zweideutiges Verhältnis zur Türkei gehabt, und die Türkei hat nie wirklich etwas getan, um den EG-Normen zu genügen“, versuchte Dr. Schönbohm das Thema zunächst aus der geschichtlichen Perspektive zu beleuchten. Dann aber habe man den Türken 1999 in Helsinki verbindlich versprochen: „Sobald Ihr unsere Beitrittsanforderungen erfüllt, nehmen wir Euch auf.“
Dabei habe jeder gedacht: „Das schaffen die sowieso nicht“, doch jetzt, da sie auf dem besten Wege seien, es doch zu schaffen, solle man sie auch aufnehmen. „Das Land ist kein Königreich oder Ayatolla-Staat“, argumentierte er weiter, „sondern eine Demokratie, und wir brauchen die Türken in der EU schon im Hinblick auf die weitere politische Entwicklung zum Beispiel im Iran oder in Syrien.“ Das sahen einige Anwesende anders. Sie befürchteten durch den Beitritt vor allem eine stärkere türkische Zuwanderung und damit verbunden eine weitere Islamisierung Deutschlands. Schon heute werde der Bau von Moscheen bei uns mit Millionenbeträgen unterstützt, während die christlichen Kirchen immer ärmer würden. Ein anderes Gegenargument lautete: „Wir haben es bisher noch nicht einmal geschafft, unsere eigenen Deutschen zu integrieren, wie soll das mit türkischen Andersgläubigen funktionieren?“
Eine Teilnehmerin, die selber längere Zeit in der Türkei gearbeitet hatte, bezweifelte zudem, dass die Bevölkerung in der Türkei die für den EU-Beitritt notwendige Mentalitätswandel überhaupt wolle. Schönbohm: „Das ist sicherlich eine Frage der Zeit und der Bildung. Dazu wird die Bevölkerung mindestens noch 15 Jahre brauchen.“
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