Moers: Herauskommen aus der Isolation
VON JUTTA LANGHOFF - zuletzt aktualisiert: 07.05.2007Moers (RPO). Das Leben für Behinderte und deren Angehörige ist auch heute noch nicht leicht, aber vor 40 Jahren war es noch ungleich viel schwerer. Genau so lange ist es jetzt her, dass sich am 18. März mehrere Elternpaare spastisch gelähmter Kinder aus Moers und der linksrheinischen Seite des Kreises Wesel im evangelischen Gemeindehaus an der Bankstraße trafen, um einen Selbsthilfeverein zu gründen.
Selbsbestimmtes Leben
Ihr Ziel war es damals, den Blick der Öffentlichkeit auf die Bedürfnisse behinderter Menschen und ihrer Familien zu lenken, und die örtlichen Behörden davon zu überzeugen, dass behinderte Kinder spezielle Kindergärten und Schulen brauchen, um später als Erwachsene ein würdiges, selbstbestimmtes Leben führen zu können. Am Samstag beging der Verein im Gemeindehaus der katholischen Pfarrgemeinde St. Konrad sein 40-jähriges Jubiläum mit einer kleinen Feier, zu der neben den Vereinsmitgliedern und ihren Freunden auch zahlreiche Ehrengäste gekommen waren, darunter der Moerser SPD-Bundestagsabgeordnete Siegmund Ehrmann, der stellvertretende Weseler Landrat Heinz Dahms sowie Bürgermeister Norbert Ballhaus und seine Stellvertreterin Erika Scholten.
„Als unser Verein vor 40 Jahren gegründet wurde, bestand er aus einer kleinen Gruppe behinderter Kinder und deren Eltern, die beschlossen hatten, in ihren schweren Stunden zusammenzustehen“, erinnerte die Vereinsvorsitzende Gisela Meißner in ihrer Begrüßungsrede an die damalige Anfangssituation des Vereins und ließ anschließend noch einmal dessen wichtigste Stationen und Erfolge in den vier Jahrzehnten Revue passieren.
So konnten beispielsweise schon anderthalb Jahre nach der Vereinsgründung die ersten spastisch gelähmten Kinder ihre eigenen zwei Sonderkindergartenräume in der Hoerstgener Grundschule beziehen, und 1993 wurde auf Drängen und Initiative des Vereins mit dem Kardinal-von-Galen-Haus das erste Moerser Behindertenwohnheim bezugsfertig.
„Was Sie in diesen 40 Jahren angestoßen und geleistet haben, verdient unseren Respekt“, lobte Siegmund Ehrmann im Anschluss daran, und auch Bürgermeister Norbert Ballhaus war voll des Lobes für die bisherigen Leistungen des Vereins: „Hut ab! Sie haben damals ein Tabu aufgebrochen. Sie sind mit Ihren behinderten Kindern raus gekommen aus der Isolation und haben ihre Teilnahme am gesellschaftlichen Leben gefordert. Fordern Sie weiter!“
Bekannt für Zähigkeit
„Ja, das stimmt“, pflichtete ihm der einstige Mitbegründer und jetzige Ehrenpräsident, Georg Schürmann, als schließlich letzter Redner der Veranstaltung bei. „Wir waren immer bekannt für unsere Zähigkeit und Zielstrebigkeit, aber auch für unsere Bereitschaftschaft zur Zusammenarbeit, und so soll es bleiben.“
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