Moers: Ikonen des Alltags
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 29.03.2011Moers (RPO). Ivica Matijevic stammt aus Bosnien-Herzegowina und hat Kunst in Sarajewo studiert. Schon längst sieht er sich als Moerser Künstler. Seit zwölf Jahren hat er auf dem Lockschenhof in Holderberg ein Atelier. Dort entstehen magische Holz-Farb-Objekte. Jetzt stellt Matijevic in Düsseldorf aus.
KAPELLEN Vor vier Jahren hat er zwischen 80 und 100 Arbeiten auf seiner größten Einzelausstellung in Sarajewo gezeigt. In dieser Woche packt Ivica Matijevic wieder eine Vielzahl seiner Arbeiten in seinem Atelier auf dem Lockschenhof in Holderberg ein. Am Freitag wird in der Galerie Art Unit in Düsseldorf (siehe Info-Kasten) wieder eine große Ausstellung seiner Arbeiten eröffnet. In Moers hat der Künstler in den 90er Jahren mehrmals im Peschkenhaus ausgestellt. In den letzten Jahren war er in Moers wenig präsent, dafür hat er sich mehr bei den Krefelder Künstlern engagiert.
Dankbar für große Freiheit
Es ist Zeit, Ivica Matijevic neu zu entdecken. Er stammt aus Bosnien-Herzegowina, ist dort 1968 geboren. Als katholischer Kroate gehört er einer kleinen Minderheit an. Während des Bürgerkrieges floh er nach Deutschland. Da hatte er gerade sein Studium der Malerei, Bildhauerei und Kunstwissenschaft abgeschlossen und als Kunsterzieher angefangen. In Deutschland stand er ohne alles da, er fing von vorne an – was eine große Freiheit, aber auch eine große Bürde bedeutete. Matijevic hat seine zweite Chance genutzt. Mit wacher Beobachtung hat er sich dem Neuen geöffnet, ohne Altes zu verleugnen. Auf dem Lande aufgewachsen, hat er erst hier seine Vorliebe für Holz entdeckt. Kleine Holz-Intarsien-Objekte aus Holzstücken, Bleistiften und Paste hat er vor über zwei Jahren bereits im Seewerk in Kapellen präsentiert. Er liebt es, seine abstrakten Malflächen mit Reihen und Mustern aus wie Nägel eingeschlagenen Buntstiften zu akzentuieren. Der Künstler ist ein Augenmensch wie ein Handwerker. In seinem Atelier hebt er Fundstücke auf, ein Stück Holz, das wie der Kopf eines Krokodils aussieht, oder ein Stück verrostetes Blech in den Konturen des afrikanischen Kontinents. Daheim beim Fernsehen mit der Familie ruhen seine Hände nicht. Vielmehr ritzt er Linienmuster in kleine Holzklötze oder bemalt sie. Im Miniaturenmuseum von Tusla hat man ihm gerade eine ganze Wand eingeräumt.
Auf dem Foto hier sitzt er vor einem Objekt, in das er eine alte Werkbank integriert hat. Er liebt die monumentale Würde dieses alten Stückes Holz und erhebt es zu einer Ikone des tatkräftigen Schaffens. Daneben hat er eine alte Tischplatte mit vielen Spuren der Arbeit als Malgrund genommen. Er überzieht die Holzflächen – mit Leinwand arbeitet er überhaupt nicht – mit mehreren Farbschichten in Öl und Acryl, übermalt und schmirgelt ab. Und immer wieder setzt er seine Markierungspunkte, abgesägte Buntstifte wie aus dem Boden austreibende Knollenfrüchte. Nicht nur die alten Hölzer mit ihrer Patina, sondern auch die Malflächen besitzen eine Aura gelebten Lebens, der man sich kaum entziehen kann. Das Rezept "zufällige Natürlichkeit plus Konstruktion" hilft nicht unbedingt weiter, die Arbeiten von Ivica Matijevic muss man sehen – und manchmal anfassen.
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