Neukirchen Vluyn: In Gottes Hände übergeben
zuletzt aktualisiert: 23.11.2006Neukirchen Vluyn (RPO). mit Präses Nikolaus Schneider über das gerade erschienene Buch, in dem er gemeinsam mit seiner Ehefrau Anne den Tod seiner Tochter Meike verarbeitet.
Jetzt im Buchhandel
„Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist – Leben und Glauben mit dem Tod eines geliebten Menschen“ von Nikolaus und Anne Schneider. Erschienen im Neukirchener Verlagshaus, Neukirchen-Vluyn, 79 Seiten, 9,90 Euro. Das Buch ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.
Meike Schneider, Tochter von Anne und Nikolaus Schneider, dem Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, starb im Februar 2005 im Alter von 22 Jahren an Leukämie. In dem Buch „Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist“, das vor wenigen Tagen im Neukirchener Verlagshaus erschienen ist, berichtet das Theologen-Ehepaar von ihren Erfahrungen. RP-Redakteur Christian Schroeder sprach mit Schneider.
Herr Schneider, der Tod Ihrer jüngsten Tochter war für Sie und Ihre Frau einer der allerschwersten Momente im Leben.
Nikolaus Schneider Besonders als die Atemschwierigkeiten einsetzten und wir merkten, dass es zu Ende geht. Zumal Meike versuchte, ihre Würde zu bewahren und von sich aus die Schmerzmittel-Dosis reduzierte, um bei klarem Verstand zu bleiben. Das war ein Moment unendlicher Traurigkeit.
Und der Sie an die Grenzen Ihres Gottvertrauens führte.
Schneider Meine Frau nahm in den letzten Wochen von Meikes Leben tatsächlich eine „Auszeit” in ihrer Beziehung zu Gott und sprach tagelang nicht mit ihm. Sie zweifelte in dieser Zeit nicht an Gott selbst, aber an seiner Liebe. Ich selbst erkannte: Einfaches Reden vom nur „lieben Gott” oder von Gelassenheit im Angesicht des Todes durch den „richtigen Glauben” helfen nicht weiter. Schmerz und Tränen, Trauer und Traurigkeit gehören zu der Fülle unseres Lebens.
Dietrich Bonhoeffer hat vom „bittren Kelch“ gesprochen, den wir aus Gottes Hand „dankbar ohne Zittern“ nehmen. Wie ordnen Sie jetzt diesen Vers ein?
Schneider Der schwere, bittere Kelch des Todes gehört wie gesagt zum Leben dazu, aber dankbar, ohne Zittern müssen wir ihn nicht entgegennehmen. Gott erwartet beim Tod eines lieben Menschen nicht Dankbarkeit, furchtlose Tapferkeit und Gelassenheit. Vielmehr will er zeigen, dass er auch in solchen Momenten da ist, dass auch solche Momente nicht gottverlassen sind.
Wie haben Sie das gespürt?
Schneider Im Moment von Meikes Tod hatten meine Frau und ich das Gefühl: Jetzt übergeben wir Meike in Gottes Hände. Gottes Nähe war da. Es klingt beinahe unglaubwürdig, aber diesen Moment, diese ganze Zeit möchten wir nicht missen.
An wen richtet sich das Buch?
Schneider Es soll zu einem Trostbuch für Menschen werden, die Ähnliches durchmachen. Wir wollen anderen weitergeben, dass der Glaube an Gott auch in solchen leidvollen Situationen trägt und dass man solchen Erfahrungen nicht ausweichen kann. Letztlich – und das merken wir jetzt ganz deutlich – hat die Beziehung zu Gott uns auch durch das tiefe Leid hindurch getröstet und bewahrt und neue Hoffnung gegeben.
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