Moers: Internet-Abzocke nimmt zu
VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 02.07.2009Moers (RPO). Die Verbraucherzentrale Moers stellte am Mittwoch ihre Jahresbilanz vor. Rund 10.000 Menschen suchten im vergangenen Jahr Rat. Oft sind es Opfer von Internet-Betrügern. Auch Betroffene der Finanzkrise suchen Hilfe.
Eigentlich benutzt Erna Müller (Name geändert) immer eine herkömmliche Straßenkarte, wenn sie nach einem bestimmten Weg sucht, eine Strecke plant. Das habe immer gut funktioniert. Über Ostern ist die 62-Jährige für zwei Wochen zu ihrer Tochter in den Spessart gefahren – zum ersten Mal mit dem Auto, sonst hat sie immer die Bahn benutzt. Die genaue Strecke kannte sie nicht, ihre alte Karte konnte ihr nicht weiterhelfen. Deswegen schaute sie zum ersten Mal im Internet nach einer Route.
Härtere Strafen gefordert
Ein Fehler – wie sich Wochen später herausstellte. Denn prompt ist sie in eine heimtückische Internetfalle getappt und soll jetzt 85 Euro bezahlen. Für einen Dienst, den sie gar nicht in Anspruch genommen hat, wie sie sagt. "Solche Fälle häufen sich.
Wo und Wann?
Adresse Beratungsstelle Moers, Unterwallstraße 5, altes Rathaus, Nebeneingang.
Kontakt Tel. 02841 222 01 und www.vz-nrw.de/moers.
Öffnungszeiten montags, dienstags, donnerstags 9 bis 12 uhr und14 bis 17 Uhr, fr. 9 bis 14 uhr.
Jeden Tag kommen mindestens zehn Leute zu mir in die Beratungsstelle, die auf Internetbetrügereien hereingefallen sind", sagt Heidi Böckle, Leiterin der Verbraucherzentrale Moers. Am Mittwoch stellte die Verbraucherexpertin die Jahresbilanz vor.
Das Ergebnis: Immer wieder Abzocke im Internet. Was früher der Ärger mit dem Handwerker war, ist heute der Betrug im World-Wide-Web. Denn dort kann jeder Klick zu viel richtig teuer werden. Böckle gibt aber Entwarnung für Betroffene. Sie rät, einfach nicht zu bezahlen.
Denn darauf würden die Internetbetrüger spekulieren. "Ich habe bis jetzt noch jeden daraus bekommen." Sie fordert härtere Strafen für die "digitalen Gangster". "Das Strafmaß ist viel zu lasch. So schreckt man die Betrüger nicht ab." 10 000 Menschen haben im vergangenen Jahr Hilfe bei Heidi Böckle und den Rechtsanwälten der Verbraucherzentrale gesucht. Böckle muss sich immer mehr Zeit für die Gespräche nehmen. Denn die Fälle würden immer dramatischer werden.
Fälle häufen sich
"Oft sitzen Ratsuchende weinend vor mir, sie wissen einfach nicht mehr weiter. Und diese Fälle haben leider sehr stark zugenommen im vergangenen Jahr", so die Expertin. Eine Ursache dafür sei auch die Finanz- und Wirtschaftskrise. Das Geld werde bei vielen knapp. Viele können deswegen Miete, Strom und Lebenskostens nicht mehr bezahlen. Aber auch mit direkten Opfern der Krise hat es Böckle vermehrt zu tun. Konkret mit Menschen, die sich an riskanten Spekulationsgeschäften an der Börse beteiligt und teilweise so ihr ganzes Vermögen verloren haben.
Böckle berät sowohl "Opfer" der zusammengebrochenen US-Bank Lehman-Brothers (ja, auch in Moers haben viele in die Pleite-Bank investiert) als auch Menschen, die ihr Geld in isländische Banken "gesteckt" haben. Denn Böckle glaubt nicht, dass die Deutschen ihr in Island angelegtes Geld tatsächlich zurückbekommen, auch wenn das von Seiten der Politik gesagt wird. "Ich kenne keinen, der sein Geld bis jetzt zurück bekommen hat." Die Schuld sieht die Verbraucherexpertin übrigens bei den Bankberatern. www.rp-online.de/moers
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