Kamp-Lintfort: Junge Antike
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 15.02.2007Kamp-Lintfort (RPO). Der Theaterkreis des Städtischen Gymnasiums Kamp-Lintfort probt die Komödie „Lysistrata“ von Aristophanes. Am Aschermittwoch ist Premiere in der Stadthalle. 26 Jugendliche stehen in der Inszenierung von Wolfgang Grobenstieg auf der Bühne.
„Make love, not war“. Die Parole der friedensbewegten 68er-Generation ist schon 2400 Jahre alt – und immer noch aktuell. Das wird nächste Woche der Theaterkreis des Städtischen Gymnasiums beweisen – mit einer Aufführung von „Lysistrata“, der antiken Komödie von Aristophanes. Um den Krieg ihrer Männer zu beenden, treten die Frauen in einen unbefristeten Sex-Streik: „Kein Frieden? Kein Sex!“. Zu welchen amüsanten Verwicklungen diese weibliche „Kriegslist“ führt, ist anderthalb Stunden lang auf der Bühne der Stadthalle zu sehen. Premiere ist Aschermittwoch, Zweitaufführung zwei Tage später am Freitag, 23. Februar.
Seit Mitte Oktober wird geprobt. Gestern war der erste Durchlauf in den Kostümen. Schnell haben die Mitwirkenden auf der Bühne gemerkt, dass man sich mit antiker Tunika anders bewegen muss als mit Jeans und Sweatshirt. Das richtige Lampenfieber hat sich eine Woche vor der Premiere zwar noch nicht eingestellt, aber auf der großen Bühne kommen sich einige ganz schon „bloßgestellt“ vor.
Als Deutsch- und Kunstlehrer Wolfgang Grobenstieg vor einem halben Jahr die „Lysistrata“ als Stück vorschlug, waren alle von der Handlung angetan. Als die 26 Schüler des Theaterkreises den Text gelesen hatten, fanden ihn die meisten „grauenhaft“. Doch mit den Proben entdeckten die Mitwirkenden auch seinen Reiz. Auch in der Übersetzung von Erich Fried aus den 1980er Jahren bleibt der Text antik. Grobenstieg hat viel Zeit darauf verwandt, Rhythmus und Reim zu üben, damit es nicht heruntergeleiert klingt. Eine große Hilfe war ihm ein Lehrerworkshop „Chorisches Sprechen“ am Schauspielhaus Bochum. Das Stück bieten einen Frauen- und einen Männerchor auf, die das Geschehen kommentieren. So kommen alle 17 Mädchen und neun Jungs an eine Rolle auf der Bühne. Aber auch das Bühnenbild ist selbst gemacht. Die antiken Säulen sind aufgebrochen, der Plastikschlauch dazwischen wird ganz modern farbig ausgeleuchtet.
Ein Rollator für den Frauen-Chor, ein Parfum aus dem Discountmarkt sind ironische Brechungen, die sich die Schüler selbst ausgedacht haben. Schülertheater hat am Städtischen Gymnasium seit 30 Jahren Tradition. Kamp-Lintfort war damals Pionier. Wolfgang Grobenstieg bereitet in diesem Jahr die vierte Inszenierung vor. Im zweiten Halbjahr muss die Jahrgangsstufe 12 einen musischen Kurs wählen. Der Literaturkurs probt immer ein Stück ein. Dass dies auch lustig ist, zeigt sich, wenn das Klappbett ganz ungewollt zusammenkracht.
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