Moers: Karten werden neu gemischt
VON ULRICH JOPPICH - zuletzt aktualisiert: 06.09.2008Moers (RPO). unsere woche
Nach der für viele überraschenden Ankündigung von Bernd Böing, er werde nicht mehr für das Bürgermeisteramt kandidieren, werden die Karten für Neukirchen-Vluyn komplett neu gemischt. Als Amtsinhaber hatte Böing allerbeste Chancen wiedergewählt zu werden. Das hatte auch die CDU eingesehen und auf die Benennung eines eigenen Kandidaten für die Kommunalwahl im kommenden Jahr verzichtet. Man wolle das bürgerliche Lager nicht spalten und dadurch die Gegenkandidaten noch unterstützen, so die nachvollziehbare Argumentation der Christdemokraten, die bei weitem nicht mit allem einverstanden war, was Böing unternahm. Die Tatsache, dass Böing aus Sicht der CDU nicht „unser Bürgermeister“ war und ist, hat die Kommunalpolitiker um Klaus Plonka und Klaus Franzen sicherlich oft gefuchst. Fernsteuern und instrumentalisieren ließ sich der coole Westfale ganz bestimmt nicht. Die schwindende Harmonie zwischen CDU und Böing beruhte auf Gegenseitigkeit, denn gemeinsam mit den Grünen wurden mit Ralf Eccarius und Paul-Georg Fritz zwei Beigeordnete gewählt, die nicht Böings erste Wahl gewesen waren.
Nach der Ankündigung Böings, nicht mehr für das Bürgermeisteramt zu kandidieren, musste die CDU von ihrem ursprünglichen Verzicht auf einen eigenen Kandidaten abrücken. Harald Lenßen soll es jetzt richten. Der junge Sparkassen-Betriebswirt ist als Leiter der Geschäftsstelle Vluyn dort sicherlich bestens bekannt. Auch als neuer Geschäftsführer des Werberings Neukirchen-Vluyn kann Lenßen in den nächsten Wochen und Monaten hinsichtlich seines Bekanntheitsgrades und seiner politischen Ziele Punkte sammeln.
Lenßen wird es allerdings sehr schwer haben, denn mit dem angekündigten Rückzug von Bernd Böing aus dem Rathaus sind vor allem die Chancen des SPD-Kandidaten Jochen Gottke erheblich gestiegen. Gottke arbeitet als Leitender Verwaltungsdirektor im Rathaus von Solingen und besitzt damit eine Top-Qualifikation für das Bürgermeisteramt in seiner Heimatstadt Neukirchen-Vluyn. Durch seine langjährige Tätigkeit bei der Arbeiterwohlfahrt und sein Engagement im SPD-Stadtverband ist er in seiner Partei und bei den Wählern bestens bekannt. Er braucht zudem keine Angst davor zu haben, dass es in Neukirchen-Vluyn wegen seiner Person eine Spaltung zwischen der so genannten „Bergbau-Fraktion“ und den anderen Genossen geben wird. Gottke hat die Sympathien von beiden Seiten. Und nicht nur das. Als lockerer Typ und Mann mit Humor kann er durchaus auch bei der „Konkurrenz“ gut ankommen.
Und dann ist da noch Klaus Wallenstein, der für NV-Auf gehts ins Rennen geht. Er weiß, wie man das so genannte „breite Volk“ auf seine Seite zieht und wird dabei Themen wie „Zeder-Fällung“ und „Gift-Wall“ noch einmal puschen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird sich die Zahl der Ratsmitglieder von NV-Auf gehts nach der Kommunalwahl erhöht haben.
Auf die Stadt Neukirchen-Vluyn kommen spannende Zeiten zu.
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