Kamp-Lintfort: Kein Geld: zwei Kirchen dicht
VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 19.04.2008Kamp-Lintfort (RPO). Die Kirchen St. Paulus und St. Barbara in der Großgemeinde St. Josef sollen geschlossen werden. Zudem sollen auch viele Pfarrheime dicht gemacht werden. Betroffene haben kein Verständnis für den Sparkurs des Bistums Münster.
Nach Monaten voll Hoffen und Bangen ist die Katze jetzt aus dem Sack: Die Kirchen St. Paulus und St. Barbara sowie große Pfarrheim-Flächen sollen dicht gemacht werden. In St.-Barbara soll 2012 Schluss sein, in St.-Paulus schon nächstes Jahr „Das ist eine riesen Sauerei“, sagte spontan einer der rund 150 Besucher der Gemeindeversammlung am Donnerstagabend im Josef-Jeurgens-Haus, als zwei Abgesandte des Generalvikariats aus Münster das „Urteil“ verkündeten.
Tränen bei Bekanntgabe
Vereinzelnd verließen einige mit Tränen im Gesicht den Saal und verschafften draußen ihrem Unmut Luft: „Ich kann das alles nicht verstehen. Keiner denkt an die Menschen. Ich bin am Boden zerstört“, rang „Paulanerin“ Claudia Sausner um Fassung.
Was ist noch betroffen?
Was wird zugemacht? Geschlossen werden sollen zudem auch das Pfarrheim Liebfrauen, die Bücherei St. Paulus, Gemeindehaus St. Marien, Kindergarten St. Marien mit Teestube und zudem die Begegnungsstätte Don-Bosco-Haus. Rahmenbedingungen Bei der Bewertung des Pfarrgeländes wird auf vier Eckpfeiler geschaut: Denkmalwert, Bausubstanz, Pastorale Notwendigkeit sowie städtebauliche und architektonische Notwendigkeit.
Mit diesem Ausmaß hatte keiner in der Gemeinde gerechnet. „Dass es so knüppelhart kommt, gleich zwei Kirchen wegfallen sollen, hätte ich nicht gedacht“, war auch Gemeindemitglied Annemarie Brecke fassungslos. Bis zuletzt hatten die „Paulaner“ um den Erhalt ihrer Kirche gekämpft, Vorschläge zur Rettung gemacht und auf die Einsicht des Bistums gehofft – alles vergebens.
„Keine Alternative“
Aus Kostengründen sieht das Bistum in Münster keine andere Möglichkeit, als die Kirchen und Pfarrflächen zu opfern. „Wir haben keine andere Wahl. Wollen wir als Kirche künftig weiter existieren, gibt es keine Alternative zu den Schließungen“, erklärte Stefan Sühling von der Bistumsleitung. Die kirchliche Rechnung ist nüchtern: Für 1000 Katholiken sind 100 Quadratmeter (m2) Pfarrfläche veranschlagt. Die Großgemeinde St.-Josef zählt 15 712 Mitglieder, hat aber eine Pfarrfläche von 4111 m2 – nach Kirchenrechnung 2540 m2 zuviel. „Das sind 167,7 Prozent Überversorgung. So geht es leider nicht weiter“, erklärte Sühling. Das sehen viele Gemeindemitglieder anders: „Das sind fadenscheinige Argumente. Ich habe das Gefühl, dass die Sanierungskosten für St.-Paulus ein willkommener Vorwand waren, um die Kirche schließen zu können“, meinte Bernhard Stankowiak. Besonders die „Paulaner“ fragen sich, wieso gerade ihre Kirche dem Rotstift zum Opfer fallen soll. „Es kann doch wohl nicht sein, dass eine Kirche geschlossen wird, die immer voll ist. So verliert die Kirche Glaubwürdigkeit und wahrscheinlich auch Mitglieder“, meint Claudia Sausner.
Stand eine mögliche Schließung der Paulus-Kirche schon länger im Raum, kommt das geplante Ende für St.-Barbara für viele sehr überraschend. Pikant: 1956 wurde das Gelände, auf der die Barbara-Kirche steht, unter der Auflage, dass nur eine Kirche darauf stehen darf, von einem Privatmann an die Kirche verpachtet. Vor zwei Jahren lief diese (Kirchen-)Klausel aus – jetzt kann die Kirche mit dem Gelände machen, was sie will. „Das hat einen sehr faden Beigeschmack“, finden viele. „Kirchenschließungen sind immer traurig“, erklärte Sühling. Was mit den dann brachliegenden Flächen passieren soll, ist noch nicht bekannt. Der Bischof stehe hinter der Entscheidung, sagte der Abgesandte.
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