Moers: Kein Hass auf dem Schulhof
VON CHRISTIAN SCHROEDER - zuletzt aktualisiert: 09.11.2007Moers (RPO). Früher gerieten kurdische und türkische Schüler schon mal aneinander. Doch derzeit ist der Konflikt auf den Schulhöfen der Grafschaft kein Thema. Wohl aber wird die Problematik im Unterricht behandelt.
Grafschaft Regelmäßig gerieten sie auf dem Schulhof aneinander: das kurdische Mädchen und der türkische Junge. Die Neuntklässler beleidigten sich, schlugen sich und mussten immer wieder von den Lehrern beruhigt werden. Seit Jahren gibt es solche Konflikte aber an der Unesco-Gesamtschule in Kamp-Lintfort nicht mehr – auch nicht, nachdem vor einigen Wochen der Konflikt zwischen Türken und Kurden durch Auseinandersetzungen in der Türkei wieder aufgeflammt ist.
An den weiterführenden Schulen in der Grafschaft vertragen sich die Schüler beider Nationen. „Wir haben neben türkischen auch einige kurdische Kinder und Jugendliche“, so Angelika Golitz von der Kamp-Lintforter Gemeinschaftshauptschule am Niersenberg. Aber die Kurden sind bestens integriert bei den Türken, „in der Pause stehen die immer zusammen“, sagt die Schulleiterin. Auch an der Hauptschule in Neukirchen-Vluyn kennt man die gewalttätigen Konflikte nur aus der Theorie. „Ich habe das Thema mit den Neuntklässlern im Ethikunterricht durchgenommen und erörtert, woher der Konflikt kommt“, berichtet Schulleiter Klaus Plonka.
Der Konflikt
Mit 11,5 Millionen Menschen stellen die Kurden die größte ethnische Minderheit in der Türkei dar. Die neu gegründete Republik Türkei erkennt die Kurden – anders als etwa die Armenier und Griechen – nicht als ethnische Minderheit an.
Gustav Behrens, Leiter der Hauptschule in Repelen, fragt regelmäßig Kollegen nach eventuellen Streitigkeiten zwischen unterschiedlichen Nationen. „Es gibt keine Zwischenfälle“, sagt er. Dass es auch anders sein kann, weiß der Lehrer von einer Schule, an der er in den 90er Jahren unterrichtet hat: Da gab es zwischen Kindern unterschiedlicher Herkunft aus dem ehemaligen Jugoslawien oft Reibereien.
Und Gabriele Krüsmann, Leiterin der Hermann-Runge-Gesamtschule in Moers, erinnert sich an das Hochkochen des Kurden-Konfliktes in den 90er Jahren. „Da gab es an der Schule, an der ich damals war, schon mal einen PKK-Schriftzug.“ Für die Runge-Schule jedoch gilt: Es halten sich alle an den Leitsatz, respektabel miteinander umzugehen.
Dass Norbert Sievers, der die Hauptschule in Rheurdt leitet, kein Problem zwischen Kurden und Türken kennt, liegt auf der Hand: An der Schule liegt der Ausländeranteil bei null (!) Prozent.
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