Moers: Kein politischer Hintergrund
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 13.11.2007Moers (RPO). Auch wenn es am Tatort ein Flugblatt mit „wirren politischen Forderungen“ gab, geht die Polizei nicht von einer politisch motivierten Straftat an. Die Schulleiterkonferenz wird eine Videoüberwachung diskutieren.
Die schnelle Alarmierung der Feuerwehr durch Brandmelder zeigt im Fall des Gymnasiums in den Filder Benden, wie richtig und wichtig die Sanierung der Moerser Schulen in puncto Brandschutz ist. Im Falle dieses Brandes, dem das Selbstlernzentrum und die Schülerbibliothek zum Opfer fielen, spricht die Polizei von Brandstiftung.
Erste Ermittlungen ergaben, dass kein Brandbeschleuniger eingesetzt wurde. Nach ersten Spekulationen um ein Bekennerschreiben, das am Brandort gefunden wurde und bei der Polizei Duisburg auf Fingerabdrücke untersucht wird, geht die Polizei inzwischen von keiner politisch motivierten Tat aus.
Filder Benden
Am Gymnasium in den Filder Benden unterrichten 65 Lehrer 1015 Schüler. Im fremdsprachlichen Bereich werden Englisch, Französisch, Latein, Spanisch, Niederländisch und Japanisch angeboten. Die zweite Fremdsprache beginnt bereits in Klasse 6. Es gibt einen Schüleraustausch mit England, Frankreich und den Niederlanden.
In der Novemberpogromnacht
Der Text des Flugblattes soll auch nicht veröffentlicht werden. Hinter diesem „wirren politischen Schreiben“ verbergen sich „links“ erscheinende Forderungen nach der Vergesellschaftung der Produktionsmittel und ähnliches. Bei der Duisburger Kripo hegt man große Zweifel an einem politischen Hintergrund. Für linke Täter wäre es eher untypisch, einen Raum zu zerstören, der den Schülern „gehört“. Durch dieses sich links gebende Flugblatt ist aber auch ein rechtsradikaler Anschlag ausgeschlossen. Die Tatzeit Freitag 22.37 Uhr fällt auf den Gedenktag der Reichspogromnacht, die am Abend vom 9. auf den 10. November 1938 im gesamten Deutschen Reich tobte.
Am Gymnasium in den Filder Benden sind weder vermehrt Einbrüche registriert worden, noch extreme politische Tendenzen bei den Schülern bekannt. Schuldezernent Hans-Gerd Rötters hat – bereits vor der Brandstiftung – das Thema Videoüberwachung auf die Agenda der nächsten Schulleiterkonferenz gesetzt. Dabei geht es nicht bloß um Gewalt oder Kriminalität auf den Schulhöfen. Bei einer Rundfahrt zu Schulen in Gelsenkirchen war auch der Gebäudeschutz durch Videoüberwachung ein Thema. Auch in Gelsenkirchen hatte es in einer Schule eine Brandstiftung gegeben.
Zu dritt – Leiter, Stellvertreterin und Oberstufenleiter – sorgte die Schulleitung am Wochenende dafür, dass das Gebäude durchlüftet wurde. Der Montag lief an Filder Benden „sehr unaufgeregt“, wie Schulleiter André Hoffmann versicherte. Gestern begutachtete die Versicherung den Schaden und beauftragte ein Unternehmen, den betroffenen Raum zu sanieren. Ein weiterer Experte wird die Bücher der Bibliothek in Augenschein nehmen. Für Hoffmann ist dabei der Wiederbeschaffungswert ausschlaggebend. Das niedergebrannte Selbstlernzentrum müsse jetzt entkernt werden, das komplette Mobiliar sei nicht mehr zu gebrauchen. Noch nicht geklärt sei, ob sich die Aluprofile der Fenster durch die Hitzeentwicklung verzogen haben.
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