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Kamp-Lintfort: "Keine neue Bausünde"

VON ULRICH JOPPICH - zuletzt aktualisiert: 27.10.2008

Kamp-Lintfort (RPO). Die Werbegemeinschaft Kamp-Lintfort spricht sich für den Abriss der Weißen Riesen aus, warnt aber eindringlich davor, jetzt die einmalige Chance für eine vernünftige Planung zu verpassen.

Die „Weißen Riesen“ sind vielen Kamp-Lintfortern schon seit langem ein Dorn im Auge. Sie sollen abgerissen werden, das ist beschlossene Sache.  Foto: RPO
Die „Weißen Riesen“ sind vielen Kamp-Lintfortern schon seit langem ein Dorn im Auge. Sie sollen abgerissen werden, das ist beschlossene Sache. Foto: RPO

„Kamp-Lintfort verändert sich, und auch für das Areal ,Weiße Riesen’ konkretisieren sich die Planungen. Das ist gut, das ist längst überfällig und das ist wichtig für die Innenstadt. Mit der Neugestaltung des Prinzenplatzes, der Achse Moerser Straße, den Fachmärkten C&A und DM an der Kreuzung Kolkschenstraße und dem am Kreisverkehr geplanten Einkaufszentrum „Weiße Riesen“ hat die Stadt die einmalige und für die nächsten 25 bis 30 Jahre auch die letzte Chance, die Funktionalität, den Lauf der Kunden und die Optik der Kamp-Lintforter Innenstadt entscheidend zu verändern und die notwendige Stärkung und Belebung dieser Zonen herbei zu führen“, so Andreas Wiesner, Geschäftsführer der Werbegemeinschaft.

Vergrößerung um 30 Prozent

Vor dem Hintergrund großer Leerstände in der Stadt und der Prognose einer eher rückläufigen Bevölkerungsentwicklung seien an neue Verkaufsflächen ganz besondere Anforderungen zu stellen. Das von der Firma ten Brinke geplante Einkaufszentrum sei mit einer Verkaufsfläche von 8000 bis 8500 Quadratmetern, das heißt mit Nebenräumen einer bebauten Grundfläche von etwa 10.000 bis 11.000 Quadratmetern, beinahe doppelt so groß wie das Real-Gebäude und entspreche einer Vergrößerung der innerstädtischen Verkaufsfläche um stolze 30 Prozent.

„Viele Bürger werden sich an die Folgeplanung für das Kaufhof-/Kaufhallengebäude erinnern, wo die Verhandlungen mit dem Investor ein Einkaufszentrum mit Parkplatzanbindung an die Innenstadt vorsahen. Als in der letzten Minute der Metro-Konzern die Planung umdrehte und die Parkplätze hinter das Gebäude verlegte, konnten die Verwaltung und die Bürger nur staunend und verärgert zusehen. Die Folge war und ist ein EKZ, das in sich funktioniert, das aber keine oder nur eine kaum spürbare positive Wirkung auf die Innenstadt hat“, so Wiesner.

Daran habe auch der von der ten Brinke Projektentwicklung ausgeschriebene Architekten-Wettbewerb nichts geändert, da er durch umfangreiche Vorgaben die Gestaltungsmöglichkeiten der Architekten-Teams so weit eingeschränkt habe, dass nur noch ein Fassaden-Wettbewerb übrig geblieben sei. „An dem von ten Brinke geplanten Entwurf sollte sich gar nichts entscheidendes mehr ändern“, fordert die Werbegemeinschaft.

„Vorgegeben waren zum Beispiel die Verkaufsfläche mit 8500 Quadratmetern, die Grundrisse der Raum- und Funktionszuordnung, die Anlieferungsbereiche, die Größe und die Anzahl der Stellplätze und der Wegfall des nördlichen Gehweges. Der so genannte zweite Bauabschnitt ist durch die Besitzverhältnisse bei den vorgelagerten Flachbauten auf absehbare Zeit nicht umsetzbar.“

„Mit dem jetzt siegreichen Entwurf von bob-architektur ist sicherlich noch der beste Entwurf prämiert worden, was aber an der für Kamp-Lintfort und für den Standort überdimensionierten Größe und völlig unzureichenden Anbindung des Gebäudes an die Innenstadt nichts geändert hat, so dass eine Umsetzung dieser Planung eindeutig abzulehnen ist.

Was wir brauchen, ist ein sehr viel schlankerer Baukörper, der sich besser in die Umgebung einfügt. Dabei sollte die einladende, anziehende Trichterwirkung des Eingangsbereiches genauso umgesetzt sein, wie eine ansehnliche Rückfront, auf die dann die Bewohner der Bergbau-Kolonie und demnächst wahrscheinlich auch die Anlieger auf dem angrenzenden Bergwerksgelände blicken. Besonders wichtig sind ausreichende ebenerdige Parkplätze um den Anreiz eines Besuches der angrenzenden Innenstadt deutlich zu erhöhen“, sagt Andreas Wiesner.

„Die derzeitigen Chancen für eine zukunftsorientierte, attraktive Erneuerung der Stadt sind gut – nutzen wir sie so, dass wir auch in zehn und 20 Jahren eine sinnvolle Stadtgestaltung und lebenswerte Atmosphäre haben, und seien wir so mutig, unzureichende Vorschläge als schlechten Kompromiss abzulehnen.“

Quelle: RP

 
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