Moers: Kinderlärm stört Mieter
VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 16.10.2008Moers (RPO). Das Kindertagesatelier an der Humboldtstraße muss binnen von vier Wochen 4000 Euro für eine Schallschutz-Messung aufbringen, sonst wird die Einrichtung geschlossen. Existenzen stehen auf dem Spiel.
Es klingelt. Marie, Lotta und Malene stürmen zur Tür. Das Mittagessen wird angeliefert. Darauf freuen sich die Kleinen schon den ganzen Vormittag. Das gemeinsame Mal sei für die Kinder sehr wichtig. Zuhause würden die wenigsten von ihnen in einer Gemeinschaft essen, erzählt Tina Brands-Muskatewitz (34).
In früheren Büroräumen
Gemeinsam mit ihrer 22-jährigen Schwester Svenja leitet sie als Tagesmutter das Kindertagesatelier an der Humboldtstraße. Die Einrichtung gibt es erst seit dem 11. August. In Moers ist es der erste Tagesmutterzusammenschluss. Dafür haben die Schwestern lange gekämpft und viel Eigenkapital investiert.
Unterschriftenaktion
Übrigens: Nachdem sich der Grafschafter eingeschaltet hat, signalisiert der Fachbereich Jugend gestern plötzlich Gesprächsbereitschaft und möchte sich mit den beiden Schwestern treffen. Die beiden Frauen wollen zudem auch eine Unterschriftenaktion starten. Am Dienstag, 21. Oktober, übergeben die Kinder Bürgermeister Norbert Ballhaus im Rathaus ihre Bittbriefe.
Für die Erdgeschosswohnung, in der vorher Büroräume untergebracht waren, mussten sie eine Nutzungsänderung beantragen. „Seit Beginn des Jahres haben wir nach einer geeigneten Wohnung gesucht, selbst 7000 Euro in die Umbauten und die Erfüllung der strengen Auflagen gesteckt“, sagt die 34-Jährige. Das Jugendamt hat sich nicht an den Kosten beteiligt.
Die Mühen und Strapazen sollen jetzt alle umsonst gewesen sein. Das Bauordnungsamt der Stadt Moers fordert für die Erdgeschosswohnung eine Schallschutz-Messung gemäß der Norm DIN 4109 (Schallschutz im Hochbau). Für die Umsetzung haben die Tagesmüttern vorgestern eine vierwöchige Frist gesetzt bekommen. Problem: Die Messung kostet rund 4000 Euro. „Das Geld können wir unmöglich aufbringen“, sagt Svenja Brands. Einer der Eigentümer hatte sich beim Fachdienst Bauaufsicht über den (vermeintlichen) Kinderlärm beschwert.
Zurzeit betreuen die beiden jungen Frauen täglich von 6.30 Uhr bis 17 Uhr neun Kinder im Alter von null bis elf Jahren. „An der Einrichtung hängen ganze Existenzen. Wenn wir schließen, müssen viele der Eltern ihren Beruf aufgeben“, erklären die beiden Schwestern. Vom Moerser Jugendamt sind die beiden maßlos enttäuscht. Es fehle an jeglicher Kooperation.
„Wir müssen ganz klar sagen, dass die Kommune die Beschlüsse der Familienministerin nicht umsetzt“, sagt Brands-Muskatewitz. Aber geschlagen geben sie sich noch lange nicht. „Es kann nicht sein, dass in einer Stadt wie Moers, wo hoher Bedarf an Kindertagesplätzen besteht, unsere Tagesstätte dicht gemacht werden soll“, sagt Brands.
Kinder haben bereits Briefe an Bürgermeister Norbert Ballhaus geschrieben, die sie ihm persönlich übergeben wollen. „Es ist hier so schön. Wir frühstücken und essen immer alle gemeinsam. Wenn Sie uns unterstützen, sind Sie der liebste Mensch der Welt“, schreibt beispielsweise die neunjährige Marie an das Stadtoberhaupt.
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