Moers: Krach um Kies im Kohlenhuck
VON ULRICH JOPPICH - zuletzt aktualisiert: 15.07.2008Moers (RPO). Die Behauptung von Ballhaus, man wolle bei der Verhinderung des Abbaus in Repelen das Wohl der Bürger wahren, wird von der Firma Risch angezweifelt. Es gehe ihm um die Interessen des SPD-Fraktionschefs Reimann.
Als „mutig und richtig“ bezeichnete Bürgermeister Norbert Ballhaus kürzlich in einer Pressemitteilung die Entscheidung des Rates, sich gegen eine Verlegung des Dillschenwegs auszusprechen und damit einen weiteren Kiesabbau zumindest vorerst verhindert zu haben. Kurt Burchard, Geschäftsführer des Kies-abbauenden Unternehmens Risch, und Gerd Schlüpen, Verhandlungsführer von Risch mit Grundstückseigentümern, sehen die Sachlage völlig anders: „Die Presseveröffentlichung war ein Alleingang von Ballhaus. Ihm geht es vor allem darum, die Interessen des SPD-Fraktionsvorsitzenden Karl-Heinz Reimann zu wahren, der im Bereich Kohlenhuck wohnt“, so Burchard.
Klageweg
Die Firma Risch will den Kiesabbau im von ihr beantragten Bereich Kohlenhuck notfalls auf dem Klageweg erreichen. Die Bezirksregierung habe den Abbau im GEP 99 bereits ausgewiesen. Im übrigen habe die Verwaltung der Stadt Moers durch ihre Anregung für den Rat, den Dillschenweg zu verlegen, und ihre Befürwortung des Kiesabbaus dort geradezu eine „Steilvorlage“ für einen Prozess auf Schadensersatz gegeben.
„Fraktionen wussten von nichts“
Man habe Ende Juni im Gespräch mit dem Bürgermeister angeregt, sich gemeinsam mit den Vertretern der Ratsfraktionen an einem „Runden Tisch“ zusammen zu setzen. Dieses Gespräch sei – anders als Ballhaus behauptet habe – nicht aus terminlichen Gründen gescheitert. „Ich habe mit Vertretern von CDU, FBG und Linker Liste gesprochen. Niemand hat etwas von einem solchen Treffen gewusst. Keiner ist vom Bürgermeister auf dieses Thema angesprochen worden“, so Schlüpen.
Worum geht es? Im Bereich Kohlenhuck gräbt die Firma Risch seit 1973 Kies ab. Auf einem 120 Hektar großen Areal wurden in 35 Jahren über 30 Millionen Tonnen Kies gewonnen. Die so entstandenen Löcher wurden größtenteils mit Bergematerial wieder verfüllt. 1999 wurde auf Antrag von Risch eine Erweiterungsfläche in der Gemarkung Hochfeld ausgewiesen. Es handelt sich um eine 16 Hektar große Fläche westlich des Kohlenhucker Wegs, der Dillschenweg durchschneidet den Bereich. Er müsste verlegt werden. „Wir wollen dort in den nächsten sechs bis acht Jahren 3,2 Millionen Tonnen Kies abgraben“, erläutert Burchard. Es soll kein neues Kieswerk gebaut werden, sondern der Transport zum Kieswerk soll über eine etwa 500 Meter lange Bandstraße erfolgen. „Es werden keine neue Straßen gebaut, die gesamte Infrastruktur bleibt erhalten. Es wird keine Eingriffe in die Natur geben“, so der Risch-Geschäftsführer.
Im Dezember vorigen Jahres wurde über den dritten Antrag der Firma, diesmal beschränkt auf die 16 Hektar große Fläche, abgestimmt. Dabei wurde die Verlegung des Dillschenwegs abgelehnt. „Die Anregung zur Verlegung des Wegs kam von der Verwaltung. Wenn der Weg bleibt, verlieren wir nicht nur Kies unterhalb des Wegs, sondern viel mehr – etwa 40 Prozent der anvisierten 3,2 Millionen Tonnen. Dann wäre das Projekt tot. Immerhin hängen 14 Arbeitsplätze daran“, sagt Burchard.
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