Moers: Kriminale bestand Elchtest
VON SABINE HANNEMANN - zuletzt aktualisiert: 19.02.2008Moers (RPO). Zwei schwedische Krimiautoren eröffneten die zweite Kriminale Moers. Die Auftaktveranstaltung im Foyer der Sparkasse am Niederrhein war gut besucht. Alle weiteren Lesungen sind mittlerweile ausverkauft.
Schwedenkrimi
200 Krimis erscheinen in Schweden jährlich neu.
Die Schwedenkrimis werden ins Deutsche übersetzt, Krimis deutscher Autoren sucht man dagegen in Schweden vergeblich. Die ersten drei Krimis von Roslund und Hellström werden bereits verfilmt. Infos unter www.schwedenkrimi.de
Die zweite Kriminale Moers ist spannungsreich gestartet. Nervenkitzel erlebten bereits die Macher im Vorfeld. Die künstlerische Leiterin Gabriele Esser schwitzte Blut und Wasser. Giovanni Malaponti, der als Vorstandsvorsitzender der Kulturstiftung Sparkasse am Niederrhein die finanzielle Räuberleiter für die Krimifans hielt, hatte Fieberschübe „von 42 Grad“ hinter sich, wie er bei der Eröffnung am Sonntagabend gestand. Für die Turbulenzen hatte der schwedische Krimiautor Leif PW Persson gesorgt, dem krankheitsbedingt die Ärzte den Flug von Stockholm aus verboten hatten. Gabriele Esser war dann diejenige, die mit kriminalistischem Feingespür, Ruhe und Hartnäckigkeit zusammen mit dem Verlag kurzfristig für Ersatz sorgen konnte. Das schwedische Autorenduo Anders Roslund (Jahrgang 1961) und Börge Hellström (Jahrgang 1957) kamen nach Moers.
Keine Inga Lindström
Die Kriminale Moers wurde als „ménage à trois“ eröffnet, denn die beiden Autoren sprechen kein Deutsch. Alexandra Hagenguth, die den Autoren Leif GW Persson während der Lesung als Moderatorin begleitet hätte, managte souverän diesen Elchtest. Sie ist Fachfrau in Sachen Schwedenkrimi, spricht schwedisch und wurde Mittlerin zwischen den Autoren und dem Publikum. Mitgebracht hatten die Erfolgsautoren ihr Buch „Blasse Engel“. Die beiden besetzen damit eine Nische, „die sowohl Spannung als auch Sozialkritik bietet. Mädchenhandel ist das kommende Problem der Schweden“, meinten Roslund und Hellström. Dabei geht es in diesem Krimi um das Thema Zwangsprostitution, in dem zwei verschleppte junge Litauerinnen eine Schlüsselrolle einnehmen und Einblicke in ihre Welt geben.
Gewalt, Rache, Geiseldrama, tragischer Tod und Kommissar Ewert Grens, der dem Fall auf den Grund geht. „Das Ende ist überraschend“, so Roslund und Hellström. Beide Autoren sind Profis, haben aufgrund ihrer Berufe und (Lebens-)Erfahrungen einen glasklaren Zugang zum Milieu. Menschenhandel liegt weit ab von der klischeehaften Schweden-Vorstellung und beschreibt das Ausmaß menschlicher Tragödie nur annähernd. Keine Inga Lindström, kein Wasa-Knäckebrot oder unmögliche Möbel. „Harte Sprache, harte Fakten, harte Realitäten“, so Alexandra Hagenguth im Anschluss. „50 Prozent sind Wahrheit, 50 Prozent Fiktion“, sagte Roslund, der viele Jahre Nachrichtenchef bei einem schwedischen Fernsehsender war.
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