Moers: Kultur ist die Seele der Stadt
zuletzt aktualisiert: 12.01.2008Moers (RPO). Noch weist am Alten Rathaus das Schild mit der Aufschrift Kulturamt zum Büro von Beatrix Wirbelauer. Das wird sich ändern. Zum 1. September ging das Kulturbüro an den Start. Erste Erfolge stellten sich ein. Zwei neue Mitarbeiter unterstützen die Leiterin.
Die verwaltete Kultur wird es in Moers nicht mehr geben. Beatrix Wirbelauer will als Leiterin des Kulturbüros gemeinsam mit ihren beiden neuen Mitarbeitern die kulturellen Potenziale in Moers entdecken, vernetzen und fördern, getreu dem Leitbild 2020, das sich die Stadt Moers gegeben hat: Kultur ist die „Seele“ unserer Stadt. Im Gespräch mit RP-Redakteurin Anja Katzke erläuterte Beatrix Wirbelauer die Aufgaben und Ziele des neu gegründeten Kulturbüros, das im Zuge der Neuorganisation der Moerser Kultureinrichtungen als eine wichtige und notwendige Säule hervorging.
Frau Wirbelauer, was haben Sie in den ersten Monaten seit Bestehen des Kulturbüros auf den Weg gebracht?
Das Kulturbüro
Das Kulturbüro befindet sich im Alten Rathaus, an der Unterwallstraße 9. Gleich nebenan ist das Büro der neu gegründeten Moers Kultur GmbH untergebracht. Demnächst soll auch ein neues Hinweisschild am Eingang darauf hinweisen, dass sich in den Räumlichkeiten nun das Kulturbüro befindet. Leiterin Beatrix Wirbelauer und ihre beiden neuen Mitarbeiter sind während der Öffnungszeiten, montags bis freitags, 8 bis 12 Uhr, donnerstag, 15 bis 17 Uhr, zu erreichen.
Wirbelauer Die erste Phase war für uns eine Zeit des Umbaus, in der das Kulturamt komplett umstrukturiert wurde. Das ging sukzessive mit der Verselbstständigung der bislang angeschlossenen Kulturinstitute einher. In den ersten Tagen des Jahres 2008 haben wir den Personalwechsel vollzogen und damit begonnen, eine Agenda zum Aufgabenprofil des Kulturbüros zu entwickeln. Zugleich haben wir natürlich auch unsere Fühler ausgestreckt, um den Bedarf für Moers zu ermitteln. Und nicht zuletzt mit der Auszeichnung beim Landeswettbewerb „Kommunale Gesamtkonzepte für kulturelle Bildung“ konnten wir einen wichtigen Erfolg für unsere Arbeit verbuchen.
Die Arbeit des Kulturbüros wird sich sicherlich stark von der des Kulturamtes unterscheiden. Welche Schwerpunkt werden Sie setzen?
Wirbelauer Ein wichtiger Aufgabenbereich, den wir angehen werden, ist die Kulturförderung. In Moers hat man bislang auf Bestandssicherung gesetzt, geprägt und verursacht durch die Haushaltssituation der Stadt. Es ging darum, das zu bewahren und weiter zu entwickeln, was es kulturell gab. Deshalb gibt es heute noch keine speziellen Instrumente zur Kulturförderung. Dabei kann es aber nicht bleiben. Es gibt die Möglichkeit, Sparten-orientiert zu fördern. Im Bereich der Musik und des Theaters ist Moers zum Beispiel relativ gut aufgestellt. Ein hohes Defizit haben wir in der Bildenden Kunst. Ich strebe aber die Entwicklung eines ganzheitlichen Zielsystems an.
Warum?
Wirbelauer Kultur ist immer auch Querschnittsaufgabe: Kultur und Tourismus, Kultur und Stadtmarketing, Kultur und Stadtentwicklung zum Beispiel. Immer mehr Kommunen begreifen, dass sie Identitätsstiftendes brauchen, um aus der Uniformität heraus zu treten. Mir ist es jedoch wichtig, dass Kulturförderung nicht nur mit Kulturfinanzierung gleich gesetzt wird. Förderung kann auch Beratung oder infrastrukturelle Unterstützung bedeuten. Eine Idee ist es, die Homepage der Stadt als Plattform zu nutzen – zum Beispiel für virtuelle Rundgänge durch Ateliers oder um „Künstler des Monats“ zu präsentieren.
Wie sieht es denn mit den Künstlern selbst aus? Können sie sich mit ihren Ideen direkt an Sie wenden?
Wirbelauer Herzlich gerne. Wir laden Moerser Künstler und Kulturschaffende gerne zu Gesprächen am Runden Tisch ein. Ein Ziel ist der Aufbau eines Netzwerks, das das kreative Potenzial unserer Stadt abbildet und Dialoge eröffnet. Es geht uns um eine Informationsdatei, auf die man zurückgreifen kann. Zugleich arbeiten wir an einer Aufstellung von Veranstaltungsorten. Das Büro soll auch eine Informations- und Lotsenfunktion haben. Förderung von Projekten bedeutet schließlich auch zu wissen, wo es die entsprechenden Fördermöglichkeiten gibt. Als Veranstalter werden wir aber selbst nur dann fungieren, wenn es um die Präsentation der kulturellen Kreativität in Moers geht oder koordinierende Aufgaben vorliegen wie zum Beispiel bei der Kabarettreihe „Das schwarze Schaf“. Im Gegensatz zu Kulturbüros in anderen Städten legen wir keine eigenen Veranstaltungsreihen auf. Das ist die Besonderheit des Kulturbüros in Moers.
Haben Sie denn bereits Resonanz aus der freien Kulturszene bekommen?
Wirbelauer Die Einrichtung des Kulturbüros wird sehr positiv aufgenommen. Wir suchen aber auch den Dialog mit den Künstlern und Kulturschaffenden, denn wir wollen ja nicht praxisfern handeln.
Die Kulturförderung wird sicherlich nicht die einzige Aufgabe sein?
Wirbelauer Das Kulturbüro hat zum Beispiel auch die Koordination der „Local Hero“-Woche im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 übernommen. Das ist ein großer Auftrag, denn es geht darum aufzuzeigen, welche Besonderheiten es hier in Moers gibt.
Welche könnten das sein?
Wirbelauer Ich möchte mich an dieser Stelle noch nicht festlegen. Ein Stichwort ist aber die kulturelle Bildung. Es gibt eine gute Zusammenarbeit mit den Instituten und Kulturakteuren, die sich die kulturelle Bildung der Kinder und Jugendlichen auf die Fahnen geschrieben haben. Wie auch immer: Im Mai 2010 sind wir dran.
Mit der Auszeichnung beim Landeswettbewerb für kulturelle Bildung haben Sie einen ersten Erfolg für das Kulturbüro eingefahren. Was werden Ihre nächsten konkreten Schritte sein?
Wirbelauer Wir müssen in den nächsten Wochen zu einer Entscheidung kommen, was wir mit dem Preisgeld machen werden. Bei einer ersten Zusammenkunft mit allen Institutsleitern sind wir überein gekommen, alle Ressort-Egoismen zurück zu stellen. Zwar gibt es überall Löcher zu stopfen, doch wir möchten ein Projekt schaffen, das für Moers etwas Neues und Besonderes sein wird.
Sie waren Leiterin des Kulturamtes und Geschäftsführerin der Moers Festival Kultur GmbH. Was hat Sie an der neuen Aufgabe gereizt?
Wirbelauer Ach, wissen Sie: Mir ist es in meinem Berufsleben meistens so ergangen, dass ich auf neue Baustellen geschickt wurde. Ob nun ein neues Museum oder ein neuer Fachbereich eingerichtet wurde, ob das alte Moers Festival in ein neues überführt wurde oder Kulturstrukturprozesse in Gang gesetzt wurden – das Neue war immer ein Thema für mich. Das nehme ich gelassen und mit jeweils immer neuem Engagement.
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