kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Moers: Kulturellen Dammbruch vermeiden

zuletzt aktualisiert: 19.02.2010

Moers (RPO). Das Moers Festival, eines der Aushängeschilder der Stadt, ist ebenso wie das Schlosstheater und viele weitere Kultureinrichtungen von den Sparvorschlägen des Kämmerers betroffen: Festivalchef Reiner Michalke hofft, dass es keinen Dammbruch in der Kultur geben wird.

Auch das Moers Festival soll sparen. RP-Redakteurin Anja Katzke fragte, wie Festivalchef Reiner Michalke die Lage einschätzt.

Herr Michalke, die Sparvorschläge des Kämmerers sind für alle bitter. Befürchten Sie, dass gerade kulturelle Einrichtungen wie das Moers Festival und das Schlosstheater in Anbetracht des Nothaushaltes künftig keine Lobby mehr haben, und Moers aufgrund des Sparzwangs Gefahr läuft, wie Sie kürzlich sagten, eine unauffällige, graue Maus am Niederrhein ohne kulturelle Perspektive zu werden?

Michalke Ja, leider sind es fast immer die kulturellen Einrichtungen, die als erste genannt werden, wenn es ans Sparen geht. Aus Sicht des Kämmerers ist das verständlich: Ihm stehen ja eigentlich nur die so genannten freiwilligen Ausgaben als Einsparpotenzial zur Verfügung. Alle anderen Leistungen sind gesetzlich vorgeschrieben. Auf der anderen Seite sind die freiwilligen Ausgaben der einzige Bereich, in dem die Kommunalpolitik eigene Akzente setzen kann. Hier zeigt sich der Wille einer Stadtgesellschaft, kulturelle Institutionen zu unterhalten, die die Stadt einzigartig und unverwechselbar machen. Und da hat Moers in den vergangenen Jahrzehnten Vorbildliches geleistet. Fußgängerzone, Einkaufszentrum und Weihnachtsmarkt gibt es überall. Aber ein solches Ensemble kultureller Institutionen, vom Schlosstheater, über das Moers Festival und Comedy Arts bis zur Musikschule, dem Museum, VHS, Bibliothek und den privaten Initiativen wie Peschkenhaus und Seewerk ist für eine Stadt dieser Größenordnung einmalig in der Bundesrepublik. Mir fehlt manchmal etwas der Stolz auf diese eigenen Leistungen, die ja über viele Generationen gewachsen sind – und um die Moers vielerorts beneidet wird.

Info

Festival-Programm

Reiner Michalke stellt am Donnerstag, 4. März, das Programm des diesjährigen Moers Festival zu Pfingsten vor.

Die Moers Kultur GmbH soll bis 2014 eine Sparleistung von 1,5 Millionen Euro erbringen? Besteht aus Ihrer Sicht Grund zur Sorge, dass Moers Festival und Schlosstheater unter dem Dach der Kultur GmbH möglicherweise gegeneinander ausgespielt werden und die jeweilige Bedeutung für die Stadt abgewogen wird?

Michalke Ja, diese Gefahr besteht – auch wenn ich nicht glaube, dass dies irgendjemand beabsichtigt. Wenn der Sparvorschlag des Kämmerers in vollem Umfang umgesetzt wird, wäre das Todesurteil für das Theater. Intendant Uli Greb hat schließlich auch nur die freiwilligen Ausgaben, die ihm zum Sparen zur Verfügung stehen. Und wenn ihm das weggespart wird, hat er zwar noch einen Betrieb, kann damit aber kein Theater mehr spielen. Das wäre so wie ein Auto, für das man kein Benzin mehr hat. Die logische Folge ist, dass der finanzielle Druck auf das Festival – auch über den jetzt geforderten Einsparbetrag hinaus – zunimmt und sich die Frage stellen wird, welches der beiden Institutionen erhalten werden kann. Uli Greb und mir ist aber klar, dass die Schließung einer Institution einem Dammbruch gleich käme, und die Schließung der anderen Institution dann nur eine Frage der Zeit wäre. Denn selbst wenn alle kulturellen Institutionen geschlossen würden, stünde die Stadt weiterhin vor einem hohen Schuldenberg. Alle Kulturausgaben zusammen machen doch nur einen relativ kleinen Teil – etwa vier Prozent – bei den Gesamtausgaben aus. Um eine andere statistische Zahl zu nennen: Im Jahr 2009 betrugen die Kulturausgaben in Moers pro Einwohner 81 Euro. Der Bundesdurchschnitt betrug 122 Euro in 2005. Inzwischen dürfte der Bundesdurchschnitt bei knapp 150 Euro liegen. Moers gibt also keineswegs zu viel für seine Kultur aus. Was mir mehr Sorgen macht ist, dass es Leute geben könnte, die die Finanzkrise nutzen, um etwas loszuwerden, das ihnen vielleicht immer schon ein Dorn im Auge war.

In der Welt bekannt, in Moers von manchen ungeliebt: Was bringt das Moers Festival der Stadt? Was ist aus Ihrer Sicht der Mehrwert?

Michalke Es ist wie mit dem Prophet im eigenen Land. Ich vermute, das wird in Bayreuth, wenn wir bei der Musik bleiben, oder in Wimbledon, wenn man an den Sport denkt, nicht anders sein. Dort ist man wie in Moers daran gewöhnt, ein weltbekanntes Ereignis in der Stadt zu haben, ist aber genervt von den ganzen Besuchern, die zu Tausenden in die Stadt kommen und auf den ersten Blick mehr Arbeit als Freude machen. In Moers selbst ist nicht sichtbar, welchen unglaublich hohen Wert die Marke "Moers" durch das Festival international bekommen hat. Andere Städte würden ein Vermögen dafür ausgeben, über einen solchen internationalen Markennamen zu verfügen. Bemerkenswert war für mich auch das Bekenntnis von Il-Jin Choi, der das diesjährige Festivalplakat gestaltet hat. Il-Chin ist in Moers aufgewachsen, hat am Adolfinum Abitur gemacht und ist dann, wie viele andere auch, in die Welt hinaus gegangen. Der Unterschied für ihn war, dass er immer und überall stolz auf seine Herkunft Moers hingewiesen hat, weil er davon ausgehen konnte, dass die Marke "Moers" überall einen guten Ruf genießt, und selbst unter den Nicht-Musikkennern einen guten Klang hat. Welche andere Stadt kann ihrer Jugend so eine Chance zur lebenslangen Identifikation geben? Das Wichtigste am Moers Festival sind allerdings die Werte Offenheit, Neugier und Toleranz. Eine Stadt, die so etwas wie ein Moers Festival beheimatet, muss einfach offen und liebenswert sein. Sie signalisiert damit so ziemlich genau das Gegenteil von Fremdenhass und Intoleranz.

Es werden schon seit geraumer Zeit Sparpotenziale für das Festival diskutiert: Im Raum stehen eine Veränderung des jährlichen Rhythmus' oder die Verkürzung von vier auf drei Tagen. Was halten Sie als künstlerischer Leiter von diesen Vorschlägen?

Michalke Ein Abweichen vom jährlichen Rhythmus wäre ein tragischer Fehler. Kein Festival weltweit wird so mit einem festen Termin wie dem Pfingstwochenende in Verbindung gebracht wie Moers. Wenn man hier jetzt eine Lücke lässt, werden andere nicht zögern und diesen Termin besetzen. Erinnern Sie sich an die erste, kurze Schwächephase des Festivals, als Burkhard Hennen seinen Rücktritt erklärt hatte und die Zukunft des Festivals eine kurze Zeit lang ungewiss war. Düsseldorf hat sofort seine Jazz-Rallye und Nijmegen sein Music Meeting auf das Pfingstwochenende verlegt. Eine Verkürzung auf drei Tage halte ich – wenn auch nicht für wünschenswert – aber ab 2011 für denkbar. Schließlich ist eine Reduzierung der Quantität besser, als Abstriche in der Qualität zu machen. Ebenso denkbar ist ein Verzicht auf das kostenlose Campen. Auch ein engeres Zusammengehen mit dem Theater könnte zu Einsparungen führen. Das alles wird zur Zeit diskutiert.

Wie kann das Moers Festival auf finanziell sichere Beine gestellt werden? Durch mehr Sponsoring?

Michalke Die Basis der Finanzierung des Festivals muss weiterhin in Moers liegen. Das ist auch die Voraussetzung dafür, dass sich andere, wie das Land und der Bund zukünftig an der Finanzierung beteiligen. Das Land ist schon dabei und hat nach einem Gespräch, das der Bürgermeister in Düsseldorf angeregt hat, eine Erhöhung seines Engagement zugesagt. Der Bürgermeister hat sich auch an den Bund gewandt. Mit einem ersten Ergebnis rechne ich in den nächsten Wochen. Sponsoring ist wichtig, gibt aber selten langfristige Sicherheit. Fast alle Firmen entscheiden ihre Engagements immer nur auf jährlicher Basis. Ein in den Anfangsjahren wichtiger Partner, der WDR, verfügt auch nicht mehr über die finanziellen Möglichkeiten der frühen Jahre.

Quelle: RP

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Abwärts mit 200 km/h

Goch

Abwärts mit 200 km/h

Der LSV Goch lud am Pfingstwochenende Luftsportbegeisterte und Interessierte auf das Gelände in Asperden ein. Geboten wurden auch zahlreiche ... mehr 

Mittelalterliches Flair auf dem Flachsmarkt

Krefeld

Mittelalterliches Flair auf dem Flachsmarkt

Rund 45.000 Besucher schlenderten am Pfingstwochenende über den Flachsmarkt. Ritterpiele, mittelalterliches Handwerk und Musik lockten bei s ... mehr 

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Unges Pengste: Die Königsparade am Sonntag

Bei bestem Wetter zogen die Schützen des "Unges Pengste" durch Korschenbroich. Rund 20.000 Besucher sahen sich die erste Parade des ... mehr 

Aus der Nachbarschaft
Meistgelesen

Nach Solarstromrekord droht Aufschlag

Warum Strom immer teurer wird

Zu Pfingsten wurde von Solaranlagen in Deutschland kurzzeitig so viel Strom produziert, wie in fast 20 Atomkraftwerken. Doch der Weltrekord hat seinen Preis. Es droht ein satter Aufschlag bei den Strompreisen. Schon keimen Spekulationen über ein ... mehr

 

Ex-Trainer von Hertha BSC Berlin

Rehhagel bereut Auftritt vor DFB-Gericht

 

Nach Attacke am Hauptbahnhof

Jugendliche seit zwei Tagen auf der Flucht

 

Politische Punktevergabe beim Eurovision Song Contest

Anke Engelke: "Europa beobachtet Dich"

 

Fortuna Düsseldorf

Fortuna verpflichtet Bruno Soares

Meistkommentiert

Stress-Ranking der Unternehmen

Burnout belastet NRW-Wirtschaft

Eine Untersuchung zeigt, wie stark Mitarbeiter von Konzernen durch zu viel Arbeit und Stress belastet sind. In NRW liegen Eon und ThyssenKrupp vorne beim Stressranking, doch auch RWE, Henkel und Bayer sind betroffen. Fast alle Unternehmen legen ... Von Andreas Gruhn und Reinhard Kowalewsky  mehr

 
 

Joachim Gauck im Heiligen Land eingetroffen

Israels Botschafter warnt vor Antisemitismus

 

Scharfe Kritik an Assad-Regime

UN-Sicherheitsrat verurteilt Massaker in Hula

 

Tödlicher Unfall in Berlin

21-Jähriger springt gegen U-Bahn und stirbt

MEHR

Moers

Grüne befürchten den Tod des Festivals

Reiner Michalke stellt in Frage, ob er unter den gegenwärtigen Bedingungen weiter die künstlerische Leitung des Jazz-Festivals übernehmen kann (die RP berichtete). Die Grünen in Moers befürchten, dass dies den Tod des Festivals nach sich zieht. mehr

 

Moers

Zwei Jugendliche stehlen Motorroller in Moers

Am Freitag gegen 21.10 Uhr konnten nach Hinweisen eines aufmerksamen Zeugen zwei Jugendliche aus Moers im Alter von 14 und 16 Jahren nach Diebstahl eines Motorrollers, im Bereich der Franz-Haniel-Straße, vorläufig festgenommen werden. Die ... mehr

 
 
 
 
 
Bilder aus Moers
Moers Festival 2012
Moers Festival 2012
Das 41. Moers Festival lockt am Pfingstwochenende Jazzfreunde aus ganz .. mehr 
 
Moers Festival 2012
Moers Festival 2012
Das 41. Moers Festival lockt am Pfingstwochenende Jazzfreunde aus ganz ..
mehr 
Dachstuhlbrand im Schloss Dieprahm
Dachstuhlbrand im Schloss Dieprahm
Der Dachstuhl des Wasserschlosses ist ausgebrannt. Vermutlich hat ein ..
mehr 
Familie Schwan erkundet den Schlosspark
Familie Schwan erkundet den Schlosspark
Schwanenküken und Eltern im Moerser Schlosspark
mehr 
Wahlparty in Kamp-Lintfort mit René Schneider
Wahlparty in Kamp-Lintfort mit René Schneider
René Schneider feierte seinen Wahlsieg.
mehr 
 
$imgtext

Wählen Sie den Service-Weltmeister!

43 Firmen aus dem Kreis Wesel stellen sich dem Wettbewerb: Wer bietet den besten Service? Wer hat die zufriedensten Kunden? Bis zum 23. Juni können Sie Ihre Bewertungen abgeben - und dabei tolle Preise gewinnen. Jetzt abstimmen 

Familienanzeigen