Neukirchen-Vluyn: Kunst als Therapie
VON SABINE HANNEMANN - zuletzt aktualisiert: 22.01.2008Neukirchen-Vluyn (RPO). Die kleine Galerie von Optik Engelke in Neukirchen zeigt Kunstobjekte von Patienten, die von der Krefelder Fachabteilung für Menschen im Wachkoma des Gerhard-Tersteegen-Hauses betreut werden.
Ferienaufenthalt
Im Frühjahr 2009 ist ein einwöchiger Ferienaufenthalt für die Wachkoma-Patienten geplant, der auf Spenden angewiesen ist. Der Film wird am Mittwoch, 30. Januar, zum Abschluss der Ausstellung um 19.30 Uhr wiederholt. Infos auch zum Ferienaufenthalt bei Judith Faust unter Tel. 02151 8208 240
Die kleine Galerie von Optik Engelke in Neukirchen an der Andreas-Bräm-Straße 17, zeigt Kunstobjekte, die das genaue Betrachten aus den unterschiedlichsten Gründen verdienen. Alle ausgestellten Arbeiten stammen von Wachkoma-Patienten. Großformatig ist beispielsweise ein Gruppenprojekt, das Hand- und Fußabdrücke zeigt. Ein anderes eine Insellandschaft mit Palme und Feriensonne. Zu sehen sind bemalte Lampenschirme oder farbig gestaltete Tontöpfe sowie Collagen. Eine Fotodokumentation präsentiert die Menschen, die zu Pinsel und Farbe gegriffen haben.
Weg in das Innerste
Alles das ist möglich, weil Kunsttherapie mit Pinsel und Farbe sich neue Weg in das Innerste dieser Menschen gebahnt hat. Auch bei Menschen im Wachkoma ist Teilhabe gegeben, wenn man Brücken zu ihnen baut. Die Ausstellung ist bei Optik Engelke gut aufgehoben, „weil alles, was hier ausgestellt ist, auch mit Wahrnehmung zu tun hat“, meint Maria Engelke.
Oftmals liegen hinter den Wachkoma-Patienten ein Unfall, ein Schlaganfall oder der Selbstmordversuch inklusive Reanimation. „Der Sauerstoffmangel im Gehirn hat zu lange gedauert und zu schwersten irreversiblen Schädigungen geführt“, erläutert Diplom-Psychologin Judith Faust (45) die Ursache. Nachhaltigkeit vermittelte der Film, der die Ausstellungseröffnung begleitete und das besondere Leben der Patienten zeigt, die von der Krefelder Fachabteilung für Menschen im Wachkoma des Gerhard Tersteegen-Hauses betreut werden. Diese Einrichtung gehört zum Neukirchener Erziehungsverein und betreut momentan 19 Menschen von 20 bis 70 Jahren.
Exemplarisch gewährt der Film Einblicke in das Leben einer Patientin, der, stellvertretend für andere, jegliche Form der Wahrnehmung zunächst abgesprochen wurde. Sie hat dabei einen Weg gefunden, sich durch Blick- und Handkontakt in diesem Film zu äußern. Kunsttherapie ist dabei für sie ein Weg neben anderen wie logopädischen, ergo- und physio- therapeutischen Einheiten sowie Einzel- und Gruppentherapien. „Kunst ist sinnvoll, aber nicht für jeden geeignet“, so Faust.
Die erste Reaktion auf den Film ist stets Betroffenheit und Stille. „Der Film trifft in die Seele und bestätigt Angehörige, die sagen, ja, es ist noch Potenzial da, das endlich wahrgenommen wird“, meint Judith Faust. Angehörige erleben einen doppelten Spagat zwischen Hoffen und tiefster Verzweiflung. Faust: „Sie müssen lernen, damit zu leben.“
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