Moers: Kunst, wohin man schaut
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 12.09.2011Moers (RP). Immer wieder neu, immer wieder anders: So präsentiert sich die aktuelle zeitgenössische Kunst zur jährlichen Werkschau im idyllisch gelegenen Seewerk Kapellen. Sie ist längst ein Muss für Kunstfreunde aus nah und fern.
Kunst, wohin man schaut: Im knöchelhohen Gras, zwischen Bäumen und Sträuchern, auf dem sich sanft wiegenden Silbersee, in den alten Hallen der früheren Dujardin-Fabrik. Seit Samstag präsentiert das Seewerk in Kapellen Bilder, Objekte, Skulpturen und Fotografien der aktuellen Kunstszene auf dem idyllisch gelegenen Gelände, das allein schon einen Besuch wert ist.
Den beiden Initiatoren der Schau, Angelika Petri und Frank Merks, ist es wieder gelungen, Arbeiten von 20 Künstlern zusammenzutragen, darunter einige Altbekannte wie Mikyung Pae, die vor ein paar Jahren eine Fassade künstlerisch bearbeitet hatte. "Sie hat ihre Arbeit spontan farblich verändert und sogar uns damit überrascht", berichtete Angelika Petri bei der Eröffnung.
Die Ausstellung
Zur Eröffnung der Werkschau präsentierte die Gruppe "Hora de Samba" ein lebendiges Menschenbild. Die Künstlerinnen Inge Broska und Anne Blass luden zur Performance auf die Wiese ein. Die Ausstellung auf dem Seewerk-Gelände, Am Seewerk 1, kann noch bis zum 22. Oktober besichtigt werden. Weitere Informationen zu den Künstlern und zu Führungen gibt es im Internet unter der folgenden Adresse.
Kunst für die Nepix Kull
Überraschendes hat die Seewerk-Ausstellung aber immer wieder aufs Neue zu bieten: Ein Blickfang ist die knallrote Skulptur von Abdelhadi El Aidi. Sie besteht aus Holz, ist mit Eimern und Schaufeln kombiniert und wirkt wie ein überdimensioniert großes Horchrohr.
Auch die "Große Rede" des Künstlers Dragan Lovrinovic ist schon von weitem zu sehen. Es handelt sich um ein tonnenschweres Rednerpult mit der Nachbildung von Mikrofonen in Rot, Blau und Grün. Filigraner, fast schon gespenstisch wirkt die Installation, die Johannes Schepp für den Silbersee und den Uferbereich geschaffen hat.
Die weißen Tücher hängen in Bäumen und Sträuchern, auf dem See schwimmen kleine Flöße mit Stoff verhüllten Ästen. "Zwischen Himmel und Erde – Alles ist mit allem verbunden", hat er die Installation genannt. Ein "Erdtattoo" begrüßt die Besucher bereits im Eingangsbereich. Es ist eine Arbeit der Künstlerin Moni Müller: Sie zeigt auf einer Sandanhäufung 36 leuchtende, weiß glasierte Tonreliefs, die den Flecken einer Digitalis-Pflanze nachempfunden sind.
Schon seit 2005 beschäftigt sie sich mit der Pflanze, die besser bekannt ist als Fingerhut. Den Kern der Werkschau bildet in diesem Jahr erstmals nicht das Werk eines Akademieprofessors. Gerne hätten Petri und Merks die Arbeiten des Malers Norbert Tadeusz präsentiert. Die Pläne wurden jedoch vom Tod des Künstlers überschattet. Die Initiatoren luden deshalb drei Schüler des Malers nach Kapellen.
Michael Bach, Andreas Schön und Lu Wang sagten zu und zeigen ihre Arbeiten in einer langen Halle. Ein Wiedersehen gibt es mit dem Bildhauer und Maler Anatol. Der Stuhlkreis, der 2010 für die Nepix Kull geschaffen wurde, ist im Park des Seewerks ausgestellt, im Speicherraum zeigt Anatol expressive Malerei mit Hintersinn, vor dem Gebäude steht sein großer Schmetterlingsmann.
Auch in diesem Jahr hat das Seewerk die Kunst in die Stadt gebracht. Künstlerin Lena Kuntze aus Düsseldorf hat für die Nepix Kull die Installation "Wildernde Matrix" geschaffen, drei farbintensive Skulpturen, die sich auf die Insel und die Natur beziehen und gleichzeitig Fragen zur Evolution aufwerfen. Sie erobern den Raum, so wie sich die Natur ihren Weg bahnt.
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