Moers: Kurioser Gerichtskrimi im Amtsgericht
zuletzt aktualisiert: 05.03.2008Moers (RPO). Gar nicht so ungewohnt war der Sitzplatz für Andreas Hoppert, was der Detmolder Sozialrichter auf dem Richterstuhl des Moerser Schöffengerichts tat, allerdings schon. Der Autor las aus seinem Kriminalroman „Zug um Zug“ vor. Im Rahmen der Kriminale diesmal im Amtsgericht. „Es ist selten so entspannt hier im Saal“, sagte die Direktorin des Amtsgerichts zur Begrüßung mit Blick auf die mit Krimifreunden voll besetzten Zuschauerbänke. Nur in höchst seltenen Fällen dürfte das Licht im Saal so gedämmt sein.
Aber nicht nur der Beruf des Autors passte zum Gericht, auch der Inhalt des Romans. Immerhin geht es doch um zwei Gerichtsprozesse gegen einen gewissen Hasso von Neuendorff, einen eingebildeten Playboy. Der wird zuerst wegen Wilderei angeklagt. Da kommt auch schon die Hauptfigur von „Zug um Zug“ ins Spiel: Marc Hagen. Der Jurist, der nach einem Betrug keine Zulassung als Rechtsanwalt mehr bekommt, arbeitet als Angestellter in der Bielefelder Kanzlei der alkoholabhängigen Anwältin Irene von Kleist. Soweit, so kurios.
„Ich lese gerne Gerichtsthriller und so etwas wollte ich auch mal selbst schreiben“, gibt Hoppert zu. Allerdings sei es in Deutschland schwieriger einen spannenden Gerichtsthriller zu schreiben als es etwa für John Grisham in den USA ist. „Wir haben ein anderes Rechtssystem.“ Hier gehe alles vielmehr vom Richter aus, während sich in den Vereinigten Staaten die Anwälte der beiden Parteien vielmehr im direkten Schlagabtausch gegenüber stünden. Trotzdem ist es Hoppert gelungen, Spannung in den Prozess zu bringen. Das aber nicht auf Kosten der Realität. „Ich habe mich vorm Schreiben stundenlang in der Universitätsbibliothek begeben und Strafrechtsliteratur gelesen“, gibt der Jurist zu. Immerhin liegen seine Vorlesungen auf diesem Gebiet auch schon 20 Jahre zurück. „Aber mein Buch wird auch von Juristen gelesen.“ Da soll es natürlich wirklichkeitsgetreu sein.
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