Moers: Langsam entwickeln lassen
VON SABINE HANNEMANN - zuletzt aktualisiert: 28.03.2011Moers (RPO). Der Bunte Tisch Moers hatte zu einem Themenabend eingeladen. Algerien stand im Mittelpunkt des Abends. Die Räumlichkeiten an der Kornstraße platzten aus allen Nähten. Die letzten Gäste gingen um 2 Uhr.
Themenabende haben beim Bunten Tisch Tradition. "Wir haben kaum Reklame gemacht, aber die Mund-zu-Mund-Propaganda hat funktioniert", erzählt der Vorsitzende Amar Azzoug. "Als wir im November unser Jahresprogramm aufstellten, hatten wir natürlich keine Ahnung, wie aktuell wir mit unserem Themenabend sein werden." Jung wie alt, Deutsche wie Landsleute aus dem nordafrikanischen Raum kamen zur Kornstraße, die letzten mussten stehen. Azzoug: "Wir hatten wirklich ein Platzproblem."
Besser als aus dem Fernsehen
Die Motivation, einen Abend lang sich mit Algerien zu beschäftigen, war unterschiedlich. "Die meisten kamen der Sache wegen. Das Gespräch mit Menschen, die von dort kommen, ersetzt das Fernsehen. Die Informationen, die an diesem Abend von Mensch zu Mensch, zwischen Jung und Alt, ausgetauscht wurden, sind einfach von anderer Qualität", meinte Azzoug.
Klar konzipiert war dieser Themenabend, der zunächst mit einem Brainstorming begann. Momentaufnahmen aus dem Publikum und Begriffe wie Strände, Wüste, Fremdenlegion, Berber, Datteln, Frankreich, Freiheitskampf, Unabhängigkeit, Öl und Zidane fielen Schlag auf Schlag und bildeten nach der informativen Zeitreise durch die Landesgeschichte bis zur Gegenwart die Basis für den anschließenden Austausch.
Kernpunkt des Abends war naturgemäß die aktuelle politische Situation der Nachbarländer. Seit etwa einem Monat ist von der algerischen Regierung der Ausnahmezustand aufgehoben worden. "Es tut sich bei uns sehr viel", meint der gebürtige Algerier Azzoug. Die Menschen seien optimistisch, auch wenn in den Nachbarstaaten wie Libyen die Waffen sprechen. "Was momentan in Tunesien passiert, ist in Algerien schon vor über 20 Jahren passiert", meint Azzoug. Mit Einschätzungen sei man vorsichtig und eher abwartend, wie von Landsleuten an dem Abend geäußert wurde. "Es gibt nicht den Befreiungsschlag. Das wissen wir aus eigener Erfahrung", meint Azzoug. Tenor an diesem Abend: "Lieber langsam, um zu sehen, wohin die Reise geht. Denn weiß man, wer in Libyen die Opposition ist, und was sie will? Die Zukunft wird es zeigen." Amar Azzoug zieht unter diese Veranstaltung einen positiven Schlussstrich. Gäste, die er zuvor noch nicht gesehen hatte, kennen jetzt den Bunten Tisch und das Engagement. "Wir waren total zufrieden. Wir haben neugierig gemacht. Viele wussten nichts von Algerien oder nur wenig, wie wir sind."
Am 29. April geht's um Ungarn.
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