Neukirchen-Vluyn: Lieb und lästerlich
VON JUTTA LANGHOFF - zuletzt aktualisiert: 17.04.2007Neukirchen-Vluyn (RPO). Der Mülheimer Kabarettist Christian Hirdes trat auf der Seitenbühne der Kulturhalle in Vluyn auf. Er bot zwei Stunden Sprachakrobatik zwischen Poesie und Lautmalerei mit bösem Hintersinn.
Eigentlich wollte er ja Lehrer werden, und hatte dafür auch schon „jahrelang ein Studium angefangen“, doch schon beim ersten, realistischen Einsatz an der Schülerfront wurde Christian Hirdes schmerzlich klar, dass er ein Autoritätsproblem hatte. „Nun lasst ihn doch mal!“, war ihm damals das 16-jährige, weibliche Alphatier der Klasse mitleidsvoll zur Seite gesprungen, und hatte so seinen pädagogischen Supergau wenigstens teilweise verhindert. Doch das war der Moment gewesen, an dem der gebürtige Mülheimer in einem Anfall von trotziger Auflehnung zu der Entscheidung gekommen war: „Na gut, wenn ich schon kein schüchterner Lehrer sein kann, dann will ich wenigstens ein schüchterner Kabarettist werden.“
Auf der Seitenbühne
Der nächste Termin auf der Seitenbühne ist am Freitag, 4. Mai, 20 Uhr, Eintritt elf (sieben) Euro: „Rolf Miller – Kein Grund zur Veranlassung“. Millers neues Programm kommt wieder einem Halbsatz-Festival gleich. Millers Figur ist wohl eine der schrägsten im derzeitigen Comedy-Urwald.
Schüchterne Dichter
Die Voraussetzungen dafür waren nicht schlecht. Christian Hirdes spielte sowohl Klavier als auch Gitarre, seine Singstimme löste ebenfalls keine Massenfluchten aus, und was besonders vielversprechend war, er konnte dichten. Schüchterne Dichter, die noch dazu über eine gewisse intellektuelle Bösartigkeit verfügen, gibt es in der Tat weit weniger als angehende Lehrer mit Autoritätsproblemen, und so kam es schließlich, dass er allein im Jahre 2006 mit der „St. Ingberter Pfanne“ und dem „Prix Pantheon“ gleich zwei deutsche Kabarettpreise einheimsen konnte.
Jetzt war Christian Hirdes mit seinem erstmals 2004 aufgeführten abendfüllenden Programm „Anmache“ auf der Seitenbühne der Neukirchen-Vluyner Kulturhalle zu Gast und bewies dort gut zwei Stunden lang, dass man tatsächlich nicht unbedingt ein abgeschlossenes Pädagogikstudium braucht, um erstklassige Alleinunterhaltung zu bieten.
„Sprachakrobatik“ wäre vielleicht der richtige Begriff, ein Spiel mit gereimten Worten, egal ob mit oder ohne Sinn, gedichteter Nonsens, vorgetragen mit dem Charme eines verlegenen Oberschülers, das war es, was die Zuschauer an diesem Abend geboten bekamen, und Christian Hirdes war dabei der linkische Clown auf einem Drahtseil zwischen sinnloser Lautmalerei und hintersinniger Poesie. „Ich kann nicht kochen, ich bin ein Biolek-Schreck“, lautete beispielsweise eine seiner gesungenen Reimereien. So richtig köstlich waren jedoch seine sowohl sprachlichen als auch musikalischen Persiflagen auf Herbert Grönemeyer und Reinhard Mey.
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