Moers: Local Heroes: Die Entdeckung der Langsamkeit
VON SIMON PAKE - zuletzt aktualisiert: 17.05.2010 - 14:41Der Fahrradlenker wackelt hin und her, der Körper steht unter hoher Anspannung. Die meisten Fahrer steigen auf der Neustraße aus dem Sattel und stehen bloß noch auf ihren Pedalen. Die Bewegungen werden immer hektischer je weiter es vorwärts geht.
Manchmal hebt das Vorderrad vom Boden ab. Für gewöhnlich müssen sich Radfahrer für die kurze Strecke von elf Metern nicht sonderlich anstrengen. Beim „Slowbiking-Rennen“ ist das etwas anderes. Da geht es darum eine Radstrecke so langsam wie möglich zu fahren.
Im Rahmen der Local Heroes Woche hat der Industriedesigner und Klangkünstler Kaspar König so eine Aktion initiiert. Stützräder sind nicht erlaubt, außerdem muss das Rad auf einer engen Spur gehalten werden. Zwischenzeitlich dürfen die Füße nicht den Boden berühren. Bei einem Fehler gibt es einen gnadelosen Pfiff vom Schiedsrichter. Das ist dann das Ende des Teilnehmers für diese Runde.
Zum Glück besteht die Möglichkeit, es wieder zu versuchen. Denn die Teilnahme ist kostenlos und mitmachen kann jeder. Der Durchschnitt liegt für die Strecke etwa eineinhalb Minuten. „Der Rekord liegt bei 6,40 Minuten“, erzählt König, der die Idee des Slowbiking in China entdeckt hat. Jeder Lauf wird von konzeptioneller Musik begleitet, die mehrere Musiker situationsbedingt gestalten.
Die Instrumente Trompete, Schlagzeug, Posaune, Horn, Saxophon und ein Performance-Künstler sorgen für ein buntes Klangbild bei den Läufen. Dabei sind auch der Moerser Improviser in Residence Sanne van Hek und der Improv-Posaunist Wolter Wierbos aus den Niederlanden. Gerade wenn ein Teilnehmer mal länger auf dem Fahrrad in der Strecke sitzt, muss er Ruhe bewahren. Da wird die Musik auch mal schneller, fordert ihn indirekt auf, weiter zu fahren. Von Leerlauf keine Spur. Es hat sich bereits eine Fahrradschlange vor der Startlinie gebildet.
Die elf Meter lange Strecke ist zu beiden Seiten von gut gelaunten Zuschauern gesäumt, die die Radler anfeuern. Bis zum Abend wurde der Wettbewerb zur Förderung der Langsamkeit ausgetragen.
Mehr zu der Local Heroes Woche lesen Sie am Dienstag in der Rheinischen Post.
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